Das Länderspieljahr 2018 ist nach dem Last-Minute-Sieg in Nordirland für das österreichische Nationalteam beendet. Statistisch verlief das vergangene Jahr für Österreich sehr erfolgreich. Trotzdem ist das Land von einer großen Fußballeuphorie wie zum Beispiel während der Qualifikation für die EM 2016 weit entfernt. Wir werfen einen Blick auf die elf Spiele dieses Jahres und versuchen die aktuelle Lage und Stimmung zu analysieren.


Hoffnungsvoller Beginn

Das erste Länderspiel des Jahres ging am 23. März in Klagenfurt gegen Slowenien über die Bühne. Ein Tor von David Alaba und ein Doppelpack von Marko Arnautovic sorgten für einen gelungenen Auftakt. Auch taktisch gefiel das Team in einem 3-4-3 mit gutem Pressing und Spiel über die Flügel und feierte einen ungefährdeten 3:0-Sieg.

Vier Tage später beim Test in Luxemburg rotierte Teamchef Franco Foda kräftig durch, die Startelf wurde an gleich sieben Positionen verändert. Auch das Spielsystem wurde zu einem 4-4-2 verändert. Bereits nach wenigen Minuten sorgte Arnautovic für die Führung, die weiteren Treffer beim 4:0-Sieg erzielten Florian Grillitsch, Michael Gregoritsch und Louis Schaub

Das nächste siegreiche Testspiel fand Ende Mai in Innsbruck gegen WM-Gastgeber Russland statt. Alessandro Schöpf sorgte mit seinem Treffer in der ersten Halbzeit für das Tor des Tages. Teamchef Foda schickte Österreich in diesem Spiel mit einem 3-4-2-1 aufs Feld, das Team agierte auch deutlich zurückgenommener als beim Auftakt gegen Slowenien.

Ein besonderes Spiel fand am 2. Juni in Klagenfurt statt, wo sich der damals amtierende Weltmeister und Lieblingsnachbar Deutschland ein Stelldichein gab. Die Freude war natürlich besonders groß als Martin Hinteregger und Schöpf einen Rückstand noch zu einem 2:1-Heimsieg drehten. Österreich agierte taktisch flexibel und konnte den insgesamt siebenten Sieg in Serie feiern.

Die erste Niederlage für Franco Foda setzte es am 10. Juni im Ernst-Happel-Stadion gegen Brasilien. Ab und zu hatte man bei Österreich das Gefühl, das die Spieler nicht mit letzter Konsequenz bei der Sache waren. Vielleicht lag es an der langen Saison, die nun endlich zu Ende ging, oder man wollte kurz vor dem WM keine Verletzung eines brasilianischen Superstars riskieren. Jedenfalls ging Brasilien mit einem klaren 3:0 als Sieger vom Platz.

Der letzte Test vor dem Auftakt zur Nations League fand in der umgebauten Generali-Arena gegen Schweden statt. Gegen ein skandinavisches B-Team sorgten ein Eigentor und ein Treffer von Alaba für einen unspektakulären 2:0-Heimsieg. Die triste Kulisse passte zum Spiel, nach etlichen Querelen fanden sich nur 11.000 Besucher im Stadion ein.

Ernüchterung im ersten Pflichtspiel

Die große Ernüchterung kam beim Nations-League-Auftakt in Bosnien-Herzegowina. Viele Abläufe wirkten unkoordiniert und auf Zufall aufgebaut und Österreich konnte zu keiner Phase an die teils guten Leistungen aus den Testspielen anknüpfen. Am Ende reichte den Bosniern, die keinesfalls die überlegene Mannschaft waren, ein Treffer von Edin Dzeko zum Sieg. Österreich ging also im ersten Pflichtspiel von Foda als Verlierer vom Platz und keiner wusste so recht warum.

Bei der nächsten Partie gegen Nordirland stand Österreich also bereits unter Siegzwang, um die Nations-League nicht gleich nach den ersten beiden Spielen schon abhaken zu können. Die Verunsicherung nach der Niederlage in Zenica war spürbar, wieder fehlten Ideen und Konzept um eine keineswegs übermächtige Mannschaft klar zu dominieren. Ein Treffer von Arnautovic sorgte zumindest dafür, dass das Ergebnis passte und drei Punkte geholt werden konnten.

Am 16. Oktober kam es in Herning zu einem Testspiel gegen Dänemark. Einer stark umgebauten Mannschaft gelang offensiv wenig bis nichts. Dänemark siegte hochverdient mit 2:0, Österreich schaffte es wieder nicht eine klare Spielidee erkennbar zu machen. 

Das Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina am 15. November musste Österreich gewinnen, um noch die Chance auf den Gruppensieg in der Nations League am Leben zu halten. Doch von einem Sieg war man leider weit entfernt, vor allem die erste Halbzeit war erschreckend schwach. Nach der Pause steigerte sich das Nationalteam zwar merklich, doch die Gäste brachten das 0:0 letztlich souverän über die Bühne und sicherten sich somit den Gruppensieg.

Vor dem letzten Spiel in Nordirland waren die Positionen in der Gruppe fix bezogen. Bei Einsatz und Engagement konnte man Österreich keinen Vorwurf machen, die Zweikämpfe und die körperliche Spielweise der Nordiren wurden angenommen. Doch spielerisch ging wieder nicht viel zusammen. Die Premierentore von Xaver Schlager und Valentino Lazaro sorgten schlussendlich für einen 2:1-Sieg zum Jahresabschluss.

So viele Siege wie zuletzt 1982

Blickt man auf die Statistik, ist das Länderspieljahr 2018 durchaus erfolgreich. In elf Spielen gab es sieben Siege, so viele wie zuletzt vor 36 Jahren, ein Remis und nur drei Niederlagen. Auch bei den Pflichtspielen ist die Bilanz mit zwei Siegen, einem Remis und einer Niederlage positiv. Trotzdem will keine rechte Freude aufkommen. Irgendwie scheint während der Sommerpause der Faden gerissen zu sein. In den ersten Spielen des Jahres präsentierte sich Österreich taktisch flexibel und zeigte ansprechende Leistungen, im Herbst lief aber nicht mehr viel zusammen. Sicher darf man die Testspiele im ersten Halbjahr nicht überbewerten. Slowenien und Luxemburg dürfen für Österreich unter normalen Umständen keine Gradmesser sein, Deutschland und Russland befanden sich in der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft.

Doch die teilweise erschreckend hilflosen Auftritte in der Nations League lassen mit Sorge auf die kommende EM-Qualifikation blicken. Wenn man bedenkt, dass Österreich trotz der schwachen Auftritte sieben Punkte geholt hat, kann man von einem leichtfertig vergebenen Gruppensieg sprechen. Eine positive Entwicklung oder eine klares Konzept waren immer weniger zu erkennen, statt Fortschritt stellte sich Rückschritt ein.

Es fehlt der rote Faden

Auffällig ist auch, dass der Teamchef in allen Länderspielen 2018 auch genau so oft eine andere Startelf auf das Feld schickte. Teilweise war es natürlich der Personalsituation geschuldet, weil beispielsweise Kapitän Julian Baumgartlinger und Grillitsch verletzungsbedingt lange pausieren mussten. Trotzdem sieht es für einen Außenstehenden ein wenig nach Ratlosigkeit aus. Zudem fehlt dem ÖFB-Team derzeit ein Knipser, der verlässlich für Tore sorgt. Arnautovic trifft zwar regelmäßig, ist als Mittelstürmer aber eher eine (natürlich hochwertige) Notlösung mangels Alternativen. Das einzige Tor eines „gelernten“ Mittelstürmers erzielte Gregoritsch gegen Luxemburg. Dass sogar Marc Janko im Herbst noch zu Länderspielen kam, spricht Bände. Über die Qualitäten und Leistungen der „Strafraumkobra“ braucht man nicht zu diskutieren, aber inzwischen ist er 35 Jahre alt und kam in der gesamten Herbstsaison bei einem Abstiegskandidaten in der Schweiz auf 120 Spielminuten in der Liga. 

Doch es gibt auch Aspekte, die uns wieder positiver in die Zukunft blicken lassen. Mit Schlager, Lazaro, Schaub, Grillitsch oder Stefan Lainer gibt es zahlreiche Stammspieler, die noch eine lange Karriere vor sich haben. Und auch Alaba, Baumgartlinger oder Arnautovic werden sicher noch einige Jahre im Nationalteam spielen.

Für den ÖFB wird es in der Winterpause darum gehen, die richtigen Erkenntnisse aus dem Jahr 2018 zu ziehen und in der kommenden EM-Qualifikation hoffentlich wieder für eine Fußballeuphorie in Österreich zu sorgen.

 

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