Wir schauen gemeinsam auf ein durchwachsenes Jahr zurück, welches kaum vergleichbar mit den Jahren zuvor erscheint. Ausgelöst durch einen aus Asien stammendem Virus, mussten weltweit nicht nur der Fußball, sondern beinahe alle Lebensbereiche mit drastischen Maßnahmen umgehen lernen. Umso angenehmer scheint es einem Jahr entgegenzublicken, in dem eine Impfung die vermeidliche Erlösung bringen soll. Wir haben Ereignisse zusammengefasst, die Erfolge aber auch Negativschlagzeilen des Österreichischen Fußball Bundes (ÖFB), der österreichischen Bundesliga und deren Spieler/Legionäre aufzeigen.


Aufsteiger des Jahres: Adrian Grbic neue Sturmhoffnung im österreichischen Nationalteam

Der gebürtige Wiener hat seinen Wert für das österreichische Nationalteam in diesem Herbst eindrucksvoll bewiesen. Der 24-Jährige hält bereits bei vier Toren nach sieben Einsätzen. Einberufen in das A-Team wurde der Wiener erst im September nach seinem Transfer vom französischen Zweitligisten Clermont Foot zum französischen Erstligisten FC Lorient. Nach seinem Siegtreffer gegen Nordirland (2:1) ließ er gegen Norwegen den Ausgleichstreffer (1:1) folgen und avancierte damit in beiden Spielen zum Matchwinner. Mit dem Unentschieden gegen Norwegen wurde der Gruppensieg in der Nations League fixiert. 

“Jetzt haben wir November und ich habe mein viertes Tor gemacht”, zeigte sich Adrian Grbic hocherfreut. Franco Foda setzte Grbic bisher fast immer als Wechselspieler – den sogenannten Joker – ein. Lediglich im Oktober Testspiel gegen Griechenland (2:1) spielte er von Beginn an. Auch beim FC Lorient in der 1. französischen Liga fand sich der ÖFB-Spieler zuletzt hauptsächlich in der Jokerrolle. Foda hofft: “Vielleicht kommt er durch seine Erfolgsquote beim Nationalteam regelmäßiger zum Spielen.”

Grbic wird auch in den Planungen von ÖFB-Teamchef Franco Foda für das EM-Jahr 2021 eine wichtige Rolle spielen und meint diesbezüglich: “Ich denke, ich habe mich im letzten Jahr sehr gut weiterentwickelt. Ich werde dranbleiben und immer weiter hart an mir arbeiten. Ich werde mein Bestes geben, um mich für weitere Aufgaben zu empfehlen.”

Verlierer des Jahres: LASK-Mannschaftstraining trotz strengen Covid-19 Beschränkungen 

Der zum damaligen Zeitpunkt Tabellenführer LASK Linz hatte gegen die Corona-Regeln verstoßen und streng verbotene Mannschaftstrainings abgehalten – nach Wunsch von Coach Valerien Ismael. LASK-Boss Siegmund Gruber soll davon gewusst haben und Vizepräsident Jürgen Werner gab seinen Segen. 

Der Verstoß wurde von Eindringlingen heimlich gefilmt und der Liga zugespielt. Auf dem Video wurden klare Verfehlungen der Linzer aufgezeigt, die in weiterer Folge vom Bundesliga Senat bestraft wurden. Der Senat 1 hat den LASK nach zweitägiger Beratung zu einem Abzug von sechs Punkten und einer Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt. Durch das Urteil rutschte der LASK in der Tabelle von Rang eins auf Rang zwei, hinter Red Bull Salzburg. 

David Alaba, Champions League Sieger und Fußballer des Jahres – Vertragsverhandlungen laufen weiterhin

Es ist das insgesamt siebte Mal, dass David Alaba diese Auszeichnung bekommt. Das ist Rekord. Der 28-Jährige gewann mit dem FC Bayern München in diesem Jahr alle fünf möglichen Titel, darunter die deutsche Meisterschaft, der DFP-Pokal und die Champions League. 

Im November zog der FC Bayern sein Verlängerungsangebot zurück, worauf harsche Kritik von Bayern-Fans an Alaba und dessen Berater Pini Zahavi folgte. Ex-Klubchef Uli Hoeneß bezeichnete Zahavi sogar als “geldgierigen Piranha”. Die Emotionen gingen hoch – sehr zum Leidwesen von David Alaba, der zu Unrecht als habgierig dargestellt wurde. Seit mehreren Wochen gibt es keine öffentliche Stellungnahme von Alaba und Zahavi über einen möglichen Wechsel oder einen Verbleib beim FC Bayern. Internationale Medien bringen den gebürtigen Wiener mit vielen europäischen Top-Clubs in Verbindung, aber auch diese Gerüchte über einen möglichen Transfer bleiben unkommentiert. Zuletzt ist ein Verbleib beim FC Bayern noch nicht ausgeschlossen worden, aber die Gerüchteküche brodelt und ein Wechsel zu Real Madrid nimmt offenbar Formen an. 

UEFA Nations League – Auftritte des österreichischen Nationalteams

Das Länderspiel Jahr 2020 war – geprägt von leeren Spielrängen, Corona bedingten Maßnahmen und einem überfüllten Terminkalender – kaum mit einem anderen Jahr vergleichbar. Dennoch ist es statistisch gesehen eines der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des ÖFB. 

Zum Auftakt der UEFA Nations League bezwang das ÖFB-Team Norwegen auswärts überaus verdient mit 1:2. Die Foda-Elf übernahm von Beginn an die Kontrolle in Oslo, konnte sich dennoch nur selten zwingende Chancen in der ersten Halbzeit herausspielen. Michael Gregoritsch (35′) und Marcel Sabitzer (54′) konnten die Führung für Österreich erzielen und es schien, als ob nichts mehr anbrennen würde. Es wurde noch einmal spannend, denn das norwegische Ausnahmetalent Erling Haaland (66′) musste nach Vorlage von Alexander Sørloth nur noch einschieben. Die ÖFB-Spieler behielten aber die Nerven und konnten den Vorsprung über die Zeit bringen. 

Nach einem gelungenen Auftakt in Norwegen musste Österreich im zweiten Spiel eine Pleite gegen energisch pressende Rumänen hinnehmen (2:3). Nach nur drei Minuten konnte Denis Alice zur umjubelten Führung einschieben. Die ÖFB-Elf erholte sich rasch und glich durch einen sehenswerten Volley von Christoph Baumgartner (17′) verdient aus. Pausenstand 1:1. Nach Start der zweiten Hälfte erwischten die Rumänen die Hausherren wieder eiskalt. Dragos Grigori staubte mit einem verlängerten Freistoß (51′) zum 1:2 ab. Die Gäste konnten Dank eines wunderschönen Hebers von Alexandru Maxim (70′) zum 1:3 erhöhen. Die Österreicher wirkten durch den Wind und fanden kein passendes Rezept mehr gegen die zu starken Rumänen. Karim Onisiwo brachte die Nationalelf per Kopf (80′) wieder näher heran, zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr. 

Am dritten Spieltag feierte die Foda-Elf einen 0:1 Sieg in Nordirland und stand damit zum ersten Mal auf Tabellenplatz eins. Schon von der ersten Sekunde an übernahm das ÖFB-Team die Kontrolle und ließ die Gastgeber überhaupt nicht mehr ins Spiel. Kurz vor der Pause konnte Michael Gregoritsch (42′) mit einem präzisen Kopfball die Führung für Österreich herausspielen. In der zweiten Halbzeit traten die Österreicher weniger dominant auf und ließen Nordirland dennoch keinerlei Chancen zu. Lediglich ein kurzer Zittermoment nach kurz abgespieltem Freistoß durch Liam Boyce, der aber nicht im Tor der Österreicher landete. Alles in Allem ein solides Spiel des Nationalteams. 

In einer von Pressing geprägten Begegnung, konnte sich das österreichische Nationalteam mit einem 0:1 Arbeitssieg gegen ebenso starke Rumänen durchsetzen. Rumänien forderte der ÖFB-Elf alles ab, begonnen mit einem Treffer von Denis Alibec, der zum Glück der Österreicher aberkannt wurde. Mit einem präzisen Treffer – vorbereitet durch Christoph Baumgartner und David Alaba – gelang den Österreichern durch Alessandro Schöpf (75′) der hart umkämpfte Führungstreffer. Den knappen Vorsprung brachte die Foda-Elf über die Zeit und hält ex aequo mit neun Punkten vor dem direkten Duell mit Norwegen an der Tabellenspitze. 

Nach einer schwachen Darbietung konnte Österreichs Nationalmannschaft gegen Nordirland einen 2:1 Erfolg im Wiener Happel-Stadion feiern. Zwar hatten die Österreicher mehr Ballbesitz, dennoch waren ernsthafte Chancen Mangelware. Der Foda-Elf fehlte Konsequenz und Kreativität um den Nordiren eine Gefahr zu sein. Wenig kam auch von den Gästen, dennoch konnte Josh Magennis (74′) ein Tor erzielen. Franco Foda bewies wieder einmal Geschick bei der Einwechslung von Louis Schaub und Adrian Grbic. Schaub (81′) vollendete nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung zum Ausgleich. Wenige Minuten darauf bediente Marko Arnautović Adrian Grbic ideal, der zum 2:1 Endstand traf.

Im sechsten und letzten Gruppenspiel traf Österreich auf eine norwegische Mannschaft, die sich Stunden zuvor erst zusammengetroffen und kennengelernt hat. Das A-Team der Norweger durfte aufgrund einer Covid-Infektion nicht aus Norwegen ausreisen. Auch in diesem Spiel taten sich die Hausherren von Beginn an schwer, denn die Alternativ-Elf kämpfte und spielte ambitioniert auf. Nach Gelegenheiten auf beiden Seiten, jubelte schlussendlich Norwegen. Ghayas Zahid (61′) schob einen Querpass aus kurzer Distanz ideal ein. In der vierten Minute der Nachspielzeit erlöste Adrian Grbic (94′) die ÖFB-Elf zum 1:1 Endstand. Österreich holt sich den Gruppensieg und schafft den Aufstieg in Liga A. 

Fazit:

Österreichs Nationalmannschaft beendete das Länderspiel Jahr 2020 erfolgreich wie selten zuvor. Positiv zu betrachten ist ein breit aufgestellter Kader, auf den Franco Foda zurückgreifen kann. Ebenso scheint es so, als hätte Österreich für die kommenden Herausforderungen einen neuen Torjäger gefunden. Adrian Grbic bewies mit seinen Toren, dass er individuelle Klasse und die notwendige Abgebrühtheit vor dem Tor hat. Im Zusammenspiel mit Marko Arnautović dürfte der Frankreich Legionär die zukünftige Lösung für ganz vorne sein. 

Dennoch fehlte es an Glanz, Kreativität und einer gewissen Leichtigkeit am Spielfeld. Für den ÖFB wird es im Winter darum gehen, die richtigen Schlüsse aus dem vergangenen Jahr zu ziehen. Neben der WM-Qualifikation und der Europameisterschaft kann das Team wieder für eine Fußballeuphorie in Österreich sorgen. 

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