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Drei Jahre vor Fußball-WM – Leichtathletik-WM in Katar startet mit Hitze-Debakel

In drei Jahren schaut oder reist die Fußball-Welt nach Katar. 2022 findet im Wüstenstaat die kommende WM-Endrunde statt. Es ist die wohl im Vorfeld bisher umstrittenste Weltmeisterschaft im Fußball. Korruption, die Lage, das Klima bzw. die extreme Hitze, die Verlegung in den Winter oder Aufregung um den Stadionbau – es gibt viele Punkte, die Fußball-Fans, Spieler und auch Experten in Rage bringen. Katar und die FIFA zeigen sich von der Aufregung rund ums Turnier unbeeindruckt. Im Gegenteil – die Sportwelt soll von der Vielseitigkeit Katars überzeugt werden. Ein erster Schritt sollte die Leichtathletik-WM werden, die derzeit im Wüstenstaat stattfindet. Doch die Weltmeisterschaft könnte zur Farce werden und startete am Wochenende mit einem großen Debakel

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In drei Jahren wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ausgetragen – und das im November und Dezember, damit es halt doch nicht zu heiß ist. Fußball-Fans und auch die Profi-Ligen kommen dafür auf ihre Kosten und müssen den 2022 völlig verrückten Fußball-Kalender an eine Weltmeisterschaft mitten im laufenden Ligabetrieb anpassen. Schon heuer haben sich die Leichtathleten zeitlich ans Wetter in Katar angepasst (Marathonstartzeit mitten in der Nacht) – bisher ohne Erfolg.

Es sind unglaublich schockierende Bilder, die zum  Start der Leichtathletik-WM um die Welt gehen. Läuferinnen müssen den WM-Marathon auf den Straßen Katars erschöpft aufgeben und sind teilweise völlig fertig in Rollstühlen oder auf Tragen zu sehen. Am Wochenende ist die WM in Katar eröffnet worden, die erste große Medaillen-Entscheidung war der Marathon der Frauen in der Nacht auf Samstag. Und das nicht nur MESZ, sondern auch Ortszeit. Durch die Hitze unter Tags ist der Marathonstart auf Mitternacht verlegt worden. Trotzdem haben die Läuferinnen marathonunwürdige Bedingungen vorgefunden – 32,7 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von fast 74 Prozent. Die Folge: 28 von 68 Läuferinnen müssen aufgeben und kollabieren teilweise. Die Kenianerin Ruth Chepngetich erlauft mit 2:32:43 Stunden die mit Abstand schlechteste Siegerzeit in einem WM-Marathon – alles andere wäre aber auch nicht menschlich gewesen. Ein Debakel für Katar und die IAAF (International Association of Athletics Federations).

Am 6. Oktober steht der WM-Marathon der Herren an – mit zwei Optionen. Eine Absage oder eine Verlegung ins klimatisierte WM-Stadion. Alleine die Tatsache, dass während einer laufenden Weltmeisterschaft an solche Maßnahmen gedacht wird, ist eigentlich die nächste Klatsche für Freiluft-Großereignisse in Katar. Es zeigt, dass im Fall der IAAF eine Weltmeisterschaft in Katar nicht zu Ende gedacht bzw. geplant sein könnte – und weist zumindest im Vorfeld große Parallelen zur Fußball-WM in drei Jahren auf. Denn auch im Vorfeld der Leichtathletik-WM hat es kritische Stimmen gegeben und die Korruption war bzw. ist auch bei dieser Vergabe ein großes Thema. Zufall? Dürfen wir uns auch auf eine Fußball-WM 2022, bei der während des Turniers Fehler eingestanden werden, freuen?

Im Wüstenstaat regiert das Geld und mit dem Geld werden modernste Arenen für alle möglichen Sportarten gebaut, drumherum wartet auf Sportler und Funktionäre purer Luxus. Doch am Ende stößt jeder menschliche Körper an seine Grenzen – die klimatischen Bedingungen für Freiluft-Extremsport sind in Katar auch im September einfach zu hart. Drei Jahre vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft wird diese Theorie bei der Leichtathletik-WM, der ersten großen Freiluft-Weltmeisterschaft vor der Fußball-WM, bestätigt. Während beim Marathon bisher fast alles schief gelaufen ist, gibt es für die übrigen Disziplinen bei der Leichtathletik-WM aber eine Lösung. Ein klimatisiertes WM-Stadion.

Das Khalifa-International-Stadium in ar-Rayyan, wenige Minuten von Doha entfernt, ist ein großes Fußball-Stadion mit einer Laufbahn und ist zu fast dreiviertel überdacht. Durch große Röhren bei der Laufbahn wird kalte Luft in die Arena geblasen und zumindest bei der Laufbahn sowie auf dem Rasen kühlt die Temperatur auf bis zu 26 Grad ab. 100 Meter Sprints, Weitsprung und alle anderen Disziplinen im Stadion sollten also kein Problem darstellen. Doch im Vorfeld der WM hat es auch hier viele Bedenken gegeben. Wie wirkt sich das Wechselspiel zwischen Hitze und Klima auf den Körper aus? Nur wenige Schritte aus dem klimatisierten Stadion genügen, um wieder in der Hitze zu stehen. Erkältungen sind vorprogrammiert. Ein großer Kritikpunkt ist auch das Zuschauerinteresse. Selbst beim spannenden 100-Meter-Lauf der Herren war das 48.000 Zuschauer fassende WM-Stadion nur spärlich gefühlt. In Zeiten der Klimakrise ist eine für diese WM zu große Arena mit eingebauten, großen Klima-Röhren wohl nicht das beste Vorzeigebeispiel. 

Die große Leichtathletik-WM in Katar startet also so wie sie sich schon die letzten Wochen angekündigt hat: Mit viel Aufregung. Für Fußball-Fans gibt es aber im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2022 zumindest eine „gute“ Nachricht. Tropische Nächte wie jetzt bleiben den Fußballern erspart – im November und im Dezember liegt die durchschnittliche Tagestemperatur bei ca. 25-30 Grad, in der Nacht kühlt es dementsprechend weiter ab. Doch alleine die Tatsache, dass eine Fußball-Weltmeisterschaft plötzlich kurz vor Weihnachten stattfinden wird, zeigt, dass die FIFA bei der Vergabe an den Wüstenstaat wenig an die Sportler und Fans gedacht hat. Ähnlich wie die IAAF bei der Vergabe der Leichtathletik-WM an Katar – und die erste Rechnung ist bereits mit dem WM-Marathon der Frauen präsentiert worden. 

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David Chomiczuk

David CHOMICZUK
(Redaktion)

Bei 12terMann seit: 04/2017

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