Wer von euch hat in den letzten Monaten miterlebt, dass Fußballer nach dem Schlusspfiff körperlich so erschöpft waren, dass sie minutenlang am Boden lagen, bis sie wieder aufstehen konnten, um sich bei den Fans für die Unterstützung zu bedanken?

Was? Ihr habt das noch gar nicht oft erlebt?

Sorry, da habe ich wohl etwas verwechselt. Seine körperlichen Reserven auspressen wie eine Zitrone, ist in Sportarten wie der Leichtathletik oder im Triathlon üblich, im Fußball habe ich es persönlich eher selten gesehen.


100 Prozent Einsatz?

Ein Beispiel: letzten Sonntag durfte ich mir ein persönliches Bild vom Match FK Austria Wien gegen FC Red Bull Salzburg machen. Nach der 1:0-Führung der Salzburger in der 86. Minute waren inklusive Nachspielzeit noch zirka zehn Minuten zu spielen. Die Austria war zwar bemüht, den Ausgleich zu schaffen, aber für mich war es absolut unverständlich, warum in dieser Phase nicht jeder einzelne Spieler seinen Einsatz erhöhte, mehr lief, mehr kämpfte und nach dem Schlusspfiff völlig entkräftet am Boden lag.

Vergleich Spitzensportler mit Fußballer

In meiner Arbeit sowohl mit Fußballern als auch mit Spitzensportlern aus anderen Sportarten kann ich einen guten Vergleich herstellen. Wenn zum Beispiel Triathleten im Weltcup über die Ziellinie laufen, dann haben sie ihre körperlichen Reserven vollkommen aufgebraucht und liegen minutenlang erschöpft am Boden. Diese Athleten können sich nichts vorwerfen, sie hätten nicht alles gegeben.

Wenn ich mir Fußballer ansehe, dann habe ich nicht den Eindruck, dass sie nach dem Match energielos sind. Oder hatte von euch jemand die Empfindung, die Austria Spieler waren nach dem Match völlig entkräftet und konnten sich nur mit letzter Kraft zu den Interviews schleppen?

Jeder darf sich vollen Einsatz erwarten

Mir ist bewusst, wir können Triathlon nicht mit Fußball vergleichen, weil im Fußball andere Komplexitäten, wie Spielsysteme oder Taktik im Vordergrund stehen. Aber jeder Trainer, Vereinsverantwortliche und Zuseher darf sich erwarten, dass Spieler – speziell im Match – nicht nur 80 oder 90 Prozent Einsatz zeigen, sondern 100 Prozent! Vor allem wenn es um so wichtige Spiele geht, wie eben in dem zuvor genannten Match FK Austria Wien gegen FC Red Bull Salzburg.

Vielleicht sollte den Spielern von Seiten der Vereinsführung mal bewusst gemacht werden, wieviel Geld und Anerkennung sie im Vergleich zu anderen Spitzensportlern erhalten. Dann würde sich vielleicht der eine oder andere in so wichtigen Matches etwas mehr den Arsch aufreißen!

Als Mentalcoach versuche ich in meiner Arbeit mit Fußballern immer Vergleiche zu anderen Spitzenathleten herzustellen und ihnen bewusst zu machen, was es heißt, z.B. als Profi Triathlet 5-6 Stunden täglich zu schuften und dann, nach monatelanger Vorbereitung bei einem Rennen vielleicht gerade einmal ein paar tausend Euro zu verdienen.

Liebe Fußball-Fans, bitte beobachtet bei den kommenden Matches, wie sehr sich eure Spieler für euch ins Zeug legen. Und liebe Kicker, bitte denkt bei den nächsten Spielen daran, alles aus euch herauszuholen!

Be strong,

Wolfgang

Wolfgang Seidl, ist selbstständiger akademischer Mentalcoach und HeartMath® Coach mit einer Praxis in Wien und in der Süd/Ost-Steiermark. Er bringt langjährige Wirtschafts-Erfahrung mit, war selbst erfolgreicher Leistungssportler (unter anderem viertbester Österreich beim Ironman Hawaii 2012) und ist heute Mentalcoach von Einzelsportlern, stressgeplagten Menschen, Mannschaften und Unternehmen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit mit Fußball liegt einerseits in der mentalen Betreuung von SpielerInnen sowie im mentalen Coaching und in der mentalen Beratung von Fußballmannschaften.

MANA4YOU
Wolfgang Seidl, MBA
Akademischer Mentalcoach
Dipl. Lebens- und Sozialberater
HeartMath Coach®
Mentalcoach von IRONMAN Austria und von erfolgreichen SportlerInnen

mind@mana4you.at
www.mana4you.at

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One thought on “Bis zur völligen Erschöpfung?

  • Avatar
    14. November 2018 at 10:12
    Permalink

    Eine sehr interessante Ansichtsweise, welche ich aus dieser Sicht eigentlich noch nie betrachtet habe. Es stimmt, dass Fußballer eigentlich nie so fertig und außer sich sind wie Triathleten. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Fußballer nicht die Blöße geben wollen, als wären Sie körperlich unterlegen den anderen Spielern gegenüber. Fußball ist von Grund auf viel mehr ein Schauspiel, bei welchem eventuell auch der Eindruck von Schwäche suggeriert wird, wenn man erschöpft aussieht. Da ist Triathlon generell komplett anders gepolt, wo es als überaus heldenhaft angesehen wird, halbtot über die Ziellinie zu laufen. Es wäre in der Tat einmal sehr interessant, eine komplette Fußball-Mannschaft, die in der 2. Spielhälte total unterlegen ist, zu erleben wie sie sich wortwörtlich den Arsch aufreisst und bis zum Umfallen für einen Sieg kämpft. Insbersondere würde mich die mediale Reaktion interessieren. Würde dies in den Medien und von den Fans als “heldenhaft” akzeptiert werden?

    Reply

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