Als Sportfans bewundern wir Spitzensportler und die Art und Weise, wie sie sich scheinbar immer wieder über menschliche Grenzen hinwegsetzen können. Die körperlichen Fähigkeiten sind klar erkennbar. Aber auch das leistungsfähige Gehirn, das hinter dem Körper steckt, ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg dieser Ausnahmesportler. Dabei profitiert die sportliche Leistung nicht nur vom denkenden Geist –  auch der Geist profitiert vom Sport. Mentale Stärke, Konzentration und Antizipation sind nur einige der mentalen Strategien, die der Verstand beim Sport entwickelt. 

Darüber hinaus werden durch Sport auch bestimmte Gehirnregionen gestärkt und strukturelle Veränderungen bewirkt. Sportler haben ihren Verstand geschärft, um auf die kleinen Details zu achten und ihre Bewegungen bestens zu optimieren. Aber diese Fähigkeit sind nicht nur auf dem Sportplatz nützlich. Die im Sport erlernten Fähigkeiten kommen den Sportlern das ganze Leben lang sowie auch im Berufsleben zugute. Wir haben uns das Gehirn von Spitzensportlern einmal näher angesehen. 

Der Verstand eines Sportlers ist zweifellos mächtig. Dies ist sofort klar, wenn man Ausnahmemenschen wie Freikletterer Alex Honnold beim Klettern zusieht, der sich wie in einem Poker- oder Schachspiel strategisch fortbewegt und so seinem sicheren Tod entkommt. Da sich viele Wissenschaftler in der Regel auf die negativen Aspekte von Sport auf das Gehirn konzentrieren, wird der Ansatz, dass Sport dem Gehirn nützt, oft übersehen.

In letzter Zeit sind Fälle von „versteckten Verletzungen“ aufgetreten, die auch als Mini-Gehirnerschütterungen bekannt sind und ein schlechtes Licht auf bestimmte Sportarten werfen, insbesondere diejenigen mit hohem Kontakt wie Fußball. Neueste Forschung zeigen jedoch, dass der Sport viele Vorteile für das menschliche Gehirn in sich trägt. Er kann dem Geist zum Beispiel zugutekommen, indem er die Kognition verbessert, die Plastizität des Gehirns unterstützt und die Psyche auf und fernab vom Spielfeld stärkt.

 „Übung macht den Meister“ hört man im Sport nur zu oft und es ist wohl eines der klischeehaftesten Zitate, die auch in anderen Bereichen des Lebens ihre Anwendung finden. Aber in diesen drei einfachen Worten liegt eine sehr konkrete Wahrheit. Für das Gehirn erzeugt die Übung tatsächlich bessere Ergebnisse. Vince Lombardi, ein berühmter Football-Trainer, war zum Beispiel dafür bekannt, dass er ein und denselben Spielzug im Training immer wieder einstudierte, um ihn im Wettkampf perfekt ausführen zu können.

In einer Studie der University of California, Santa Barbara, untersuchte der Forscher Scott Grafton die Bedeutung von Wiederholungen und Übungen im Sport. Er fand heraus, dass das Handlungsbeobachtungsnetzwerk des Gehirns, das den temporalen Kortex, den frontoparietalen Kortex und den motorischen Kortex umfasst, dazu beiträgt, Bewegungen zunächst in kleinere Komponenten zu zerlegen, was das Lernen erleichtert. Nach längerem Üben fügen die Basalganglien die Bewegungen dann zu größeren Blöcken zusammen. Dieses Netzwerk ermöglicht es Sportlern, Bewegungen mental zu üben und durch Beobachtung zu lernen.

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Durch das Üben wird das Gehirn dann dazu gebracht, nicht zu viel zu denken. Aus der Sicht eines Turners ermöglicht das mehrmalige Durchführen einer Übung, dass der Körper während eines Wettkampfs auf den sogenannten Autopiloten schaltet, wobei übermäßiges Denken die Leistung beeinträchtigen könnte. Für das Gehirn bedeutet die Wiederholung der Übungen, dass der Körper fast ohne Nachdenken arbeiten kann. Es kommt jedoch sehr häufig vor, dass man zu viel nachdenkt, weil die motorischen Systeme des Gehirns Informationen viel schneller verarbeiten als die verbalen Systeme des Gehirns.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, wie schnell die Zeit vergeht, wenn Sie versuchen, einen Basketball zu werfen. Sich in einer solchen Situation die Zeit zum Nachdenken zu nehmen, ist schwierig, wenn man seine motorischen Prozesse oder seine Körperfunktionen nicht beeinträchtigen will. Sobald Sportler also anfangen, zu viel nachzudenken oder Anpassungen an der Art und Weise, wie sie werfen, vorzunehmen, wird sich ihre Leistung definitiv verschlechtern. Darüber hinaus fand eine deutsche Studie heraus, dass Athleten bessere Leistungen erbringen, wenn sie sich auf ihren Körper verlassen, um die Bewegungen für ihren Sport auszuführen und so nicht zu viel über ihre Handlungen nachdenken.

Diese „passive Wachsamkeit“ überträgt sich auch auf Situationen außerhalb des Sportplatzes, wo schnelle körperliche Reaktionen von Vorteil sind.

 

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