Am 22. August 1894 wurde mit der First Vienna der erste österreichische Fußballverein gegründet. 125 Jahre turbulente Jahre später wagen wir eine Zeitreise in die spannende Geschichte eines großen Vereins.


Der Fußball schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten, im Falle der Vienna vielleicht auch eine etwas Humoristische. Beinah magisch liest sich rückblickend das Epos, der dem Beginn des österreichischen Fußballs innewohnt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert, als Österreich noch eine politische Weltmacht war, etablierte sich zunehmend das Spiel um das runde Leder auch in der Großstadt Wien. Nach sanften Drängen von Ordnungshütern wurden erste Vereine gegründet, das Jagen nach dem Ball wurde so von den Stadtwiesen vertrieben. Eine wesentliche Rolle an der ersten Vereinsgründung in Österreich hatte der reiche Bänker Nathaniel Meyer von Rothschild und dessen englischer Gärtner James Black. Black erzählte seinen Kollegen von Fußball und brachte ihnen auch die Regeln näher. Prompt kickten die Gärtner des Bankiers den Ball über die Gartenanlagen, die sie eigentlich zu pflegen hatten. Rothschild verbat ihnen das Fußballspielen auf seinem Grundstück, stellte ihnen aber die Kuglerwiese zur Verfügung. Dem reichen Bankier für seine Großzügigkeit dankend, kickten die Burschen in blau-gelben Gewand, die Wappenfarben ihres Mäzens. Die offizielle Gründung des Vereins erfolgte dann Ende August in Wien – First Vienna FC war geboren.

Die erste offizielle Begegnung absolvierte die Vienna ausgerechnet gegen den First Vienna Cricket and Football-Club, mit dem man sich im Vorfeld der Gründung einen heftigen Namensstreit lieferte. Am 15. November 1894 kassierte die Vienna eine 0:4-Niederlage gegen das Cricket & Football-Team, in dem nur Engländer spielten. Eine Revanche für die Niederlage gab es nach einer weiteren Enttäuschung erst im dritten Aufeinandertreffen der beiden Teams. Am 14. April 1895 konnte die „österreichische“ Vienna erstmals einen Sieg gegen den Namensvetter davontragen. Erste Erfolge feierte die Vienna zudem im Challenge-Cup. Das Turnier, das für alle Teams der Monarchie offen war und erstmals 1897 ausgetragen wurde, wanderte 1898 erstmals in die Hände der Wiener. Der zweite große Bewerb der damaligen Zeit war der bereits nach Meisterschaftssystem ausgetragene Wiener Tagblatt-Pokal. Dieser wurde von 1900 bis 1903 ausgespielt und in allen Jahren vom Wiener AC gewonnen. Die Vienna belegte in den Jahren 1902 und 1903 jeweils den zweiten Platz, wobei der Titelgewinn mit zwei bzw. einem Punkt Rückstand auf den WAC jeweils knapp verpasst wurde.

Auf den ersten rein nationalen Titel musste die Vienna bis ins Jahr 1931 warten. Nach einem 4:1-Erfolg gegen den haushohen Titelfavoriten und Stadtrivalen Austria Wien, sicherte sich die Vienna in dieser Saison den ersten von insgesamt sechs österreichischen Meistertiteln. Die größten Erfolge der Vereinsgeschichte feierte die Vienna in der dunkelsten Zeit der österreichischen Geschichte. Nach dem Anschluss an Deutschland konnte die Vienna gleich dreimal in Folge die Meisterschaft in der Ostmark-Liga gewinnen, womit man sich für das Finale um die Deutsche Meisterschaft qualifizierte, das mit 0:3 gegen Schalke 04 verloren ging. 1943 krönte sich der Hauptstadtklub zum deutschen Pokalsieger. Nach dem Krieg konnte die Vienna erst spät wieder an vorangegangene Erfolge anknüpfen. Die erste Konkurrenz im neuen Österreich war der von den Russen gespendete Befreiungspokal. Die Vienna konnte diesen kleinen Pokalbewerb durch einen 3:1-Sieg im Finale gegen den SC Helfort für sich entscheiden. In der Meisterschaft spielten die Döblinger lange Zeit keine entscheidende Rolle mehr. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde die Mannschaft kontinuierlich stärker und in der Saison 1954/55 sollte es dann endlich wieder einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte geben. Die Mannschaft war von Anfang in den Spitzenrängen vertreten und eroberte am Ende, auf Grund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem Wiener Sport-Club, den sechsten österreichischen Meistertitel.

Große Erfolge blieben seither jedoch aus. Mit großen Namen wie dem ehemaligen Weltmeister Mario Kempes oder Andreas Herzog konnte kein neuerlicher Meistertitel errungen werden. International machte man mit dem Erreichen der zweiten Runde im UEFA Cup Ende der 1980er Jahre auf sich aufmerksam, danach ging es jedoch stetig bergab. Nach finanziellen und sportlichen Rückschlägen, verschlug es die Vienna mittlerweile in die Wiener Stadtliga. Am Abstieg konnten auch Namen wie Peter Stöger als Trainer oder Nikolaus Gutmann als Manager nichts mehr ändern, obwohl unter deren Führung immerhin das prestigeträchtige Wiener Stadthallenturnier gewonnen wurde. 

Der Zauber von einst ist dennoch erhalten, der älteste österreichische Fußballverein lässt nach wie vor den Ball in Blau-Gelb rollen und fasziniert noch immer seine Fans. Man möge die Entwicklung sehen wie man will, heute bleibt dazu lediglich zu sagen: Happy Birthday!

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