Die Europameisterschaft 1992 ging nicht nur aufgrund ihrer Vorgeschichte in die Fußball-Annalen ein. Nachdem das damalige Jugoslawien von der UNO sanktioniert wurde, rückte der Quali-Zweite Dänemark in die EM-Endrunde nach. Was danach folgte, gilt bis heute als eines der sensationellsten und drehbuchhaftesten Fußballmärchen. 


Vor ziemlich genau 28 Jahren, am 31.Mai.1992, hatte Dänemarks Nationaltrainer Richard Møller Nielsen vermutlich ganz andere Dinge im Kopf als eine Reise nach Schweden zur Europameisterschaft. Diese stand gerade in den Startlöchern, 10 Tage noch und der Gastgeber würde das erste Spiel eröffnen. Plötzlich kam die Meldung, die sich nicht einmal die träumerischten Dänen vorstellen konnten: Jugoslawien, das die Quali-Gruppe vor den Dänen auf Platz eins abschloss, wurde nach dem Balkankonflikt nicht nur von der UNO bestraft, sondern bekam auch von der UEFA die rote Karte gezeigt. Die Dänen profitierten davon und hatten nun also knapp über eine Woche Zeit, um sich auf das aus ihrer Sicht unerwartete Turnier vorzubereiten. 

Schritt eins war es, eine einigermaßen konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Dänemark hatte mit Kasper Schmeichel, Brian Laudrup und John Jensen Akteure von Weltformat in ihren Reihen. Sie spielten allerdings alle in Topliegen, die ihre Saison aufgrund der Europameisterschaft bereits vor Wochen beendet hatten. So aber nicht in der heimischen Superliga, dort stand noch der letzte Spieltag am Plan. Noch dazu lagen Spieler, wie beispielsweise Kapitän Lars Olsen, bereits in Badehose am Strand, ehe sie die Information erhielten. Also musste die Vorbereitung mit einem dezimierten Kader begonnen werden. Schritt zwei war das sowieso geplante Testspiel gegen die GUS, eine Vereinigung sozialistischer Sowjetrepubliken und die Nachfolge der Sowjetunion. Dieses fand wenige Tage vor EM-Start statt. Die Kader für die Endrunde standen bereits fest, so fuhr Dänemark mit einem Aufgebot von 20 Mann nach Schweden. Das Testspiel endete übrigens 1:1. Dänemark war also bereit für die Hammergruppe A mit Gastgeber Schweden und den Mitfavoriten Frankreich und England

Keiner traute den Dänen in dieser Gruppe etwas zu. Nach einem torlosen 0:0 gegen England und einer knappen 0:1-Niederlage gegen  Lokalmatador Schweden in Solna, hatte Dänemark Glück, dass sowohl Frankreich als auch England am letzten Spiektag noch ohen Sieg dastanden. Gegen die deutlich höher eingeschätzten Franzosen kam es also zum Endspiel. Nachdem Henrik Larsen in der achten Minute Dänemarks ersten Turniertreffer erzielt hatte, glich Jean-Pierre Papin den Spielstand in der zweiten Halbzeit wieder aus. Lars Eltrups Siegtreffer zwölf Minuten vor Schluss sorgte dafür, dass sich Dänemark sensationell das Halbfinalticket gegen die Niederlande sicherten. Die Dänen setzten während ihres Erfolglaufes auf ungewöhnliche Methoden, um den Teamgeist zu stärken. Sie tranken gemeinsam Bier, aßen bei McDonalds und spielten Minigolf. Doch all das trug dazu bei, was in der letzten EM-Woche noch passieren sollte. Nach zwei weiteren Treffern von Larsen trieben sie Titelverteidiger Niederlande bereits in der regulären Spielzeit an den Rand einer Niederlage. Diese konnte Frank Rijkaard last minute noch hinauszögern. Im Elfmeterschießen zeigten die Dänen schließlich die besseren Nerven und qualifizierten sich zum Entsetzen aller für das Endspiel gegen Deutschland

Die Deutschen galten damals als nahezu unschlagbar. Jürgen Klinsmann, Matthias Sammer, Andreas Brehme: nur ein paar Namen aus dem stargespickten Team. Doch auch sie fanden gegen das Sensationsteam kein Rezept. John Jensen in der 18. und Kim Vilfort in der 78.Minute machten Dänemarks ersten und bis heute einzigen großen Titel klar. “Danish dynamite” war geboren.

Diese Geschichte ist schlichtweg filmreif. 2015 erschien mit “Sommeren ‘92” ein Spielfilm, der das dänische Märchen Revue passieren ließ. Den Trailer dazu seht ihr im Video!

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