“Das erste Spiel gegen Kroatien war Hochglanz, ist der Lack jetzt schon matt geworden?” Mit dieser Frage an Roman Mählich eröffnete der ORF-Kommentator gestern die Partie zwischen Österreich und Kroatien. Die Vorfreude und die Begeisterung nach der Bestellung von Ralf Rangnick zum neuen Teamchef waren groß, was bleibt nach den ersten sechs Spielen unter seiner Regie?

Photo-Credits: Steffen PrößdorfCC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, Originaldatei bearbeitet von 12terMann.at

Die nüchternen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: In sechs Spielen gab es nur einen Sieg, diesen gleich im ersten Spiel auswärts in Kroatien. Einen weiteren Punkt holte Österreich noch im Heimspiel gegen Frankreich, die restlichen vier Partien gingen allesamt verloren. Die Bilanz ist also eindeutig negativ.

Bei einem genaueren Blick sieht es allerdings etwas anders aus. Die Gegner waren allesamt ordentliche Kaliber. Frankreich ist der amtierende Weltmeister, Kroatien der Vize-Weltmeister und Dänemark war bei der Europameisterschaft 2021 im Halbfinale und spielt seither in Hochform. Bis auf die Auswärtsspiele in Dänemark und Frankreich konnte Österreich alle Partien offen gestalten. Man war also in der Lage, jeden der drei Gegner zumindest zeitweise zu fordern obwohl man sich nach dem Trainerwechsel in einer deutlichen Umbauphase befindet.

Auch die Herangehensweise hat sich deutlich geändert. Unter Franco Foda wurden selbst die Färöer und Moldau stark geredet, das gehört unter Rangnick der Vergangenheit an. Nach dem Remis gegen Frankreich trauerte man dem vergebenen Sieg nach statt einen Punkt gegen den Weltmeister zu feiern. Im letzten Spiel gegen Kroatien gab man sich ebenfalls mit dem Remis nicht zufrieden sondern wollte mit einer Umstellung den Sieg holen und damit die Chance auf den Klassenerhalt am Leben erhalten. Das diese Umstellung schlussendlich eher das Gegenteil bewirkt hat fällt wohl unter die Kategorie “try and error”. Aber der Teamchef konnte nach dem Spiel seine Beweggründe für diese Entscheidung erklären und gab auch zu, das er einen Fehler gemacht hat und im Rückspiegel betrachtet anders entscheiden würde.

Was bleibt also von dieser Nations League Kampagne? Österreich hat sich gegen starke Gegner über weite Strecken achtbar geschlagen, der Papierform nach wäre alles als ein direkter Wiederabstieg eine große Überraschung gewesen. Natürlich muss es irgendwann auch der Anspruch sein, diese Leistungen in zählbare Resultate umzuwandeln, denn am Ende zählen Punkte und Tore und sonst nichts. Die drei Gruppengegner liegen in der Weltrangliste alle deutlich vor Österreich, interessant wird es, wenn das Nationalteam das nächste Mal auf eine Mannschaft “auf Augenhöhe” trifft. Gegen solche Teams hat man sich in der letzten Zeit nicht mit Ruhm bekleckert, man braucht nur an die Spiele gegen Israel, Wales oder Schottland zurück denken. 

Eine Bewertung ist aktuell also schwierig, es gibt positive Anzeichen, aber schlussendlich wird auch Ralf Rangnick an seinen Resultaten gemessen werden – und die müssen kommen.

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