Seit einiger Zeit ist es endlich gewiss. Der TSV Hartberg bekommt vom Ständig Neutralen Schiedsgericht die Lizenz für die Bundesliga zugesprochen und tritt in der Saison 2018/19 erstmals in der höchsten österreichischen Spielklasse an. Nicht nur beim Autor dieser Zeilen werden wohl mulmige Gefühle wach, wenn man daran denkt wie viele kleine Vereine sich nach einem raschen Aufstieg mit dem Profifußball schon übernommen haben.


Eines vorweg: Sportlich ist der Aufstieg des TSV Hartberg verdient, daran besteht kein Zweifel. Wenn ein Team die Saison nur drei Zähler hinter dem Meister abschließt, haben Spieler, Trainer und andere sportlich Verantwortliche sehr viel richtig gemacht. Doch es gibt nun mal auch Regeln, als Lizenzbestimmungen bekannt, die auch eingehalten werden sollten. Ich wünsche es den Hartbergern von ganzem Herzen, das sie in der höchsten Spielklasse bestehen können, doch die Vergangenheit hat leider gezeigt, das auf einen hohen Aufstieg der tiefe Fall schneller kommen kann als man vermutet, Beispiele dafür gibt es genug.

Den 1932 gegründeten SV Bad Aussee aus dem schönen Salzkammergut gibt es heute nicht mehr. Dank vieler Kontakte zu Sponsoren und in die Politik wurde nicht nur das schmucke Panoramastadion gebaut, sondern 2007 auch der Aufstieg in die Erste Liga gefeiert. Die ersten Heimspiele konnten jedoch nicht im neuen, beim Aufstieg gerade vier Jahre alten Stadion gespielt werden, da es vorerst nicht ligatauglich war. Auch sportlich war die Saison eine Katastrophe, als Tabellenletzter erspielte man nur 20 Punkte, selbst doppelt so viele Zähler wären zum Klassenerhalt zu wenig gewesen. Vor dem Start in die Regionalliga wurde über den Verein das Konkursverfahren eröffnet, nur durch den Rückzug anderer Teams konnte Bad Aussee in der Regionalliga West antreten. Sportlich chancenlos beendete man die Saison mit nur vier Punkten. 2010 wurde schließlich beschlossen den Spielbetrieb einzustellen. Der Nachfolgeverein FC Ausseerland spielt aktuell in der Unterliga Nord A.

Ebenfalls nur eine Saison im Profifußball konnte sich der 1. FC RFE Vöcklabruck halten. Der Verein entstand 1999 durch die Fusion der Stadtrivalen SV und ASKÖ Vöcklabruck. Der Verein pendelte sich zwischen 1. und 2. Landesliga ein, ehe 2005 der Aufstieg in die Regionalliga Mitte gefeiert wurde. Im Jahr 2008 gelang der große Wurf mit dem Meistertitel in der Regionalliga und dem damit verbunden Aufstieg in die Erste Liga. Das Gastspiel in der zweithöchsten Spielklasse dauerte allerdings nur eine Saison. Als Tabellenletzter stieg man sportlich wieder in die Regionalliga ab. Nach dem Abstieg folgte der nächste Nackenschlag als sich Hauptsponsor und Präsident Alois Resch vom Verein zurückzog. So stellte Vöcklabruck noch vor Beginn der neuen Regionalligasaison den Spielbetrieb ein. Als Nachfolgeverein wurde der Vöcklabrucker Sportclub gegründet, der aktuell in der 1. Klasse Süd antritt.

Vielen wird auch noch das Gastpiel des SV Grödig in Erinnerung sein, der sogar in der Bundesliga für Furore sorgte. Ab dem Jahr 2002 legte der 1948 gegründete Verein seine erste Erfolgsserie hin und stieg bis in die Regionalliga West auf. 2008 gelangt zum ersten Mal der Aufstieg in die Erste Liga, wo die Salzburger allerdings postwendend wieder abstiegen. 2010 erfolgte jedoch der direkte Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse. In den nächsten beiden Saisonen konnte sich der SV Grödig in der Liga etablieren ehe man 2013 souverän den Meistertitel und damit den Aufstieg in die Bundesliga fixieren konnte. Dort spielte der Aufsteiger eine sensationelle Saison und konnte sich mit dem dritten Rang sogar für die Europa League qualifizieren. Trotz des Erfolges besuchten durchschnittlich nur 1.900 Zuseher die Heimspiele, sogar die Admira konnte im Schnitt 1.000 Fans mehr begrüßen. Die folgende Spielzeit endete mit Rang Acht sportlich passabel, doch der Hauptsponsor drehte dem Verein nach langen Jahren den Geldhahn zu. So kam es wie es kommen musste: Sie Saison 2015/16 endete mit dem Abstieg, doch statt in der Ersten Liga anzutreten ging Grödig freiwillig in die Regionalliga zurück wo man auch seither spielt. Im Gegensatz zu den ersten beiden Beispielen blieb den Salzburgern zumindest der totale Absturz erspart. In bleibender Erinnerung wird neben den sportlich ansprechenden Leistungen vor allem die Posse um das “Stadion” in Grödig bleiben. Der etwas bessere Sportplatz wurde erst mit provisorischen Zu- und Umbauten halbwegs bundesligatauglich gemacht und vom Lizenzausschuss teilweise sogar gesperrt. Nicht nur einmal mussten Traktoren steckengebliebene Autos aus dem Parkplatz, den manche wohl auch als Wiese bezeichnen würden, ziehen.

Diese drei Vereine sollen nur stellvertretend für viele andere mehr oder weniger missglückte Experimente stehen, die der österreichische Fußball in den letzten Jahren zu bieten hatte. Doch die Gründe des Scheiterns sind oft die gleichen. Der sportliche Aufstieg hängt an wenigen Gönnern und Sponsoren – brechen diese weg, ist das für den Verein oft das Todesurteil. Die Infrastruktur kann mit dem sportlichen Aufstieg nicht Schritt halten, die “Stadien” sind nur etwas größere Sportplätze. Um die Spielstätten ligatauglich zu machen, sind hohe Investitionen in kurzer Zeit notwendig, die das Budget stark belasten. Zuseher verirren sich meist nur wenige zu den Spielen, von einer organisierten Fanszene, die für Stimmung sorgt ganz zu schweigen. Und auch die Nachwuchs- und Jugendarbeit wird oft vernachlässigt, wodurch die Kader aus vielen zugekauften Spielern und teuren Legionären bestehen.

Auf keinen Fall darf man alle “Dorfvereine” in einen Topf werfen. Mattersburg oder Altach haben deutlich weniger Einwohner als das oben erwähnte Vöcklabruck, die dortigen Fußballvereine wirtschaften aber klug und gehören seit Jahren zur Bundesliga. Und natürlich sind auch große und erfolgreiche Vereine nicht vor dem Untergang gefeit, der FC Tirol oder der GAK sind nur zwei prominente Beispiele. Doch kleine Vereine sind aus oben genannten Gründen trotzdem potentiell gefährdeter.

In einem Jahr werden wir wissen, wie die erste Saison der reformierten Bundesliga allgemein und für den TSV Hartberg im Speziellen gelaufen ist. Ich wünsche den Steirern alles Gute für die kommenden Aufgaben und hoffe aus ganzem Herzen, das es auch über die Saison 2018/19 hinaus noch einen Fußballverein in Hartberg geben wird.

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