Am Dienstag hat das U21-Nationalteam von Teamchef Werner Gregoritsch historisches geschafft. Mit der erstmaligen EM-Qualifikation schrieben sich das Team und der Trainer in die rot-weiß-roten Sportgeschichtsbücher. Wir haben den Teamchef zum Interview gebeten und mit ihm über den aktuellen Kader, die Kommunikation von ihm mit den Trainern des A-Teams und auch Sohn Michael gesprochen.


12terMann.at: Gratulation zur erstmaligen EM-Qualifikation. Wieso hat es gerade heuer zum ersten Mal geklappt? Ist der Kader so außergewöhnlich?

Werner Gregoritsch: Nein, der Jahrgang 1994 (der 2016 im Playoff gescheitert ist, Anm.) war ja so gut, dass da jetzt schon sieben Spieler im A-Team waren. Damals hatte man aber das Pech, dass man gegen Spanien aufgrund der Auswärtstorregel ausgeschieden ist. Die waren dann Vizeeuropameister und den Europameister Deutschland haben wir in der Gruppe zuvor gehabt. Aber von damals sind Spieler wie Laimer, Lienhart und Wöber diesmal auch dabei gewesen, die wussten wie bitter das Ausscheiden war. Da ist dann eine besondere Energie entstanden.

Die Qualifikation ist holprig gestartet, war der Glaube an die EM-Quali bei Ihnen stets vorhanden?

Wir haben durch einen Elfmeter in Russland verloren und wurden nach der Heimniederlage gegen Serbien schon abgeschrieben. Die Mannschaft hat aber nach den Niederlagen jeweils wenige Tage später in Armenien 5:0 bzw. in Mazedonien 4:0 gewonnen. Das war schon eine sensationelle Mentalität, also wir haben uns immer neu eingeschworen. Mir war wichtig, dass wir am Schluss daheim gegen Russland spielen. Das war klar, dass das Spiel noch wichtig werden wird.

Im Playoff gab es zwei 1:0-Siege, ist die Defensive die Stärke dieser Truppe?

Die Defensive ist sicher ausgezeichnet mit erfahrenen Spielern. Wöber und Posch haben schon Champions-League-Erfahrung, dazu Lienhart und Danso mit Bundesligaspielen. Mein Problem ist ja, dass ich zu viele Innenverteidiger habe die ich auf andere Positionen stellen muss. Dazu kommt noch, dass in der Offensive die jüngsten Spieler sind. Gegen Griechenland haben zwei 1999er gespielt, das macht sonst keine Nation. Leider ist uns da auch der Mathias Honsak ausgefallen, der für uns sehr wichtig ist.

Die U21-EM ist eine große Bühne. Besteht die Gefahr, dass sich manche zu sehr in Szene setzen wollen und auf das Wohl des Teams vergessen?

Sehr entscheidend wird sein, dass die Spieler einschätzten können, womit sie erfolgreich sein können. Da haben wir aber gerade auch schon erfahrenen Legionäre. Das Wort „Egoismus“ gibt es bei uns nicht. Wenn ein Spieler kommt und glaubt er ist der Superstar, ist er weg bei mir. Der Respekt vor der Mannschaft ist mir sehr wichtig.

Sie sind seit 2012 U21-Teamchef, wie hat sich ihre Arbeit als U21-Teamchef seither verändert?

Ich habe erfahren, dass man sehr abhängig ist: von Verletzungen, auch jenen im A-Team, den anderen Teamchefs, von den Vereinen, da kommen manche Spieler überspielt. Ich habe da gelernt diplomatisch zu sein und immer im Sinne des Spielers zu arbeiten, auch mal Spieler heimgeschickt, wenn sie müde waren. Der erste Teil im Teamcamp ist immer individuell abgestimmte Regeration, dann hat man nur zwei Tage Zeit für Mannschafts- und Taktiktraining. Da muss man sich als Teamchef umstellen.

Gibt es Unterschiede in der Kommunikation mit Franco Foda im Vergleich zu Vorgänger Marcel Koller?

Den Franco Foda kenn ich schon sehr lange, wir wohnen ja auch in der gleichen Stadt. Ich habe auch den Marcel Koller sehr schätzen gelernt und mich mit ihm sehr gut verstanden. Da gibt es keine Unterschiede, Koller hatte halt seinen fixen Stamm an Spielern, vor allem mit Legionären. Foda ist jetzt auch immer auf der Suche nach Spielern aus der heimischen Liga.

Wie schwierig ist es – wie gerade erst für die wichtigen Playoffs und gleichzeitig die Nations League – eine Abstimmung mit dem A-Teamchef zu finden?

Die war hervorragend. Wenn die Verletzungen im A-Team nicht gekommen wären, hätte der Xaver Schlager in dieser Qualifikation sicher öfters einmal bei mir gespielt. Jetzt hat er sich oben durchgesetzt, das ist toll. Ich glaube nicht, dass viele Teamchefs auf den Hannes Wolf in der Form verzichtet hätten, den hat mir der Franco Foda aber überlassen. In meinem Vertrag stehen zwei Ziele: Die U21-EM zu erreichen und primär, so viele Spieler wie möglich fürs A-Team auszubilden.

Wie intensiv ist die Absprache mit Teamchef Foda bezüglich des Fußballs, den Österreich spielen soll? Unter Koller war das A-Team doch anders ausgerichtet, wirkt sich das auch auf Sie aus?

Unter Koller hat man zum Beispiel die Standards viel abgesprochen. Wir wollen aggressiv gegen den Ball sein, das war unter Koller so und ist auch bei Foda so. Gegen die Top-Mannschaften kann man aber nicht sagen „ich spiel offensiv“. Da musst du schon anders spielen und ein gutes Umschaltspiel haben. Das wollen wir auch forcieren und uns modern anpassen. In der Defensive wollen wir Blockbildung und zum Großteil Raumdeckung, Dinge die im modernen Fußball gefragt sind. Das bringen die Spieler zum Teil ja auch von ihren Vereinen mit. Bei Koller gabs halt immer die Viererkette. Foda spielt auch mit Dreierkette, das haben wir einmal probiert, war aber nicht so gut. Wir werden das aber wieder probieren. Großteils ist die Absprache aber ähnlich wie unter Koller.

Welcher Spieler war in ihrer Zeit als U21-Teamchef schon am weitesten in seiner Entwicklung?

Einer davon ist der Alessandro Schöpf. Und dann, das ist zwar immer schwer, aber ich hab schon gewusst was mein Sohn kann. Der hat in 29 Spielen 20 Tore gemacht. In der Defensive ist es Maxi Wöber, dem hab ich bei der U19 schon gesagt, dass er das Potential hat, es ins A-Team zu schaffen. Der hat eine unglaubliche Spielintelligenz.

Ihr Sohn Michael debütierte einst unter Ihnen in der österreichischen Bundesliga und ist mittlerweile gestandener Profi und Stammspieler in Deutschland. Wie oft gibt es noch Tipps vom Vater?

Tipps gibt es nur mehr, wenn er mich fragt. Er meldet sich schon und fragt mal nach. Ich habe aber sehr viel profitiert von ihm, auch weil ich während seiner Zeit in der U21 immer ehrlich und korrekt sein wollte. Er war immer ein Vollprofi, der mir auch gesagt hat, wie die Jungen ticken, was sie denken und sich wünschen.

Österreich hat teilweise mit dem Tormannnachwuchs aber vor allem im Angriff weniger Breite als in anderen Mannschaftsteilen. Zufall, oder wurden hier im letzten Jahrzehnt in der Ausbildung falsche Schwerpunkte gesetzt?

Im Tor bin ich nicht mehr ganz der Meinung. Im Moment hab ich in der U21 drei Torleute die bei ihren Mannschaften spielen. Ich glaube nicht, dass Fehler gemacht wurden. Das Stürmerspiel ist auch viel schwieriger geworden. Heute fragt jeder Scout „kann er anlaufen“ und nicht mehr „kann er Tore schießen“. Die Attacken der Verteidiger gehen heute mehr gegen den Körper als gegen die Spieler. Die Spieler brauchen also gleichzeitig eine Grundschnelligkeit und körperliche Robustheit.

Fotoquelle: privat

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