Im Alter von 14 Jahren wechselte Ceyhun Tüccar von seinem Jugendverein FC RW Rankweil und der Vorarlberger Akademie in die Nachwuchsabteilung des SK Rapid Wien. Im Interview mit 12terMann.at erzählt der heute 18-jährige U19-Nationalspieler von seinem Wechsel nach Wien, die Zeit in der ÖFB-Jugendliga und der Regionalliga Ost mit den Hütteldorfern und seine erste Einberufung in eines der Nachwuchs-Nationalteams von Österreich.

12terMann.at: Ceyhun, danke für deine Zeit! Damit dich unsere Leser ein bisschen besser kennenlernen, würde ich gerne mit ganz kurzen Fragen zu deiner Person beginnen.

Ceyhun Tüccar: Alles klar!

Rankweil oder Wien? – Wien

deutsche Bundesliga oder Premier League? – deutsche Bundesliga

Bester österreichischer Fußballer ist… Marko Arnautovic.

Wenn ich nicht Fußballprofi geworden wäre, würde ich jetzt… Jus studieren.

Ich würde gerne einen Tag tauschen mit… Lionel Messi.

Wenn ich gerade nicht Fußball spiele… bin ich mit Freunden unterwegs.

Mein Ritual vor jedem Spiel ist… mir die besten Szenen aus dem letzten Spiel durch den Kopf gehen lassen.

Meine größte Stärke im Fußball ist… meine Offensive.

Und meine größte Schwäche ist… mein Kopfballspiel.

12terMann.at: Du bist schon im Alter von 14 Jahren von deinem Jugendverein RW Rankweil nach Wien in die Fußballschule des SK Rapid Wien gewechselt. Wir wollen zum Start kurz über deine Zeit bei Rankweil sprechen, obwohl du kaum mehr im Gastrastadion (Anm.: Stadion des RW Rankweil) trainiert hast, oder?

Ceyhun Tüccar: Nein, ich war zuerst in der Vorarlberger Akademie, habe dann das letzte Jahr in Vorarlberg aber nochmal auf der Gastra trainiert bevor ich nach Wien gewechselt bin.

Wurdest du damals schon in der Akademie als einer der besten deines Jahrgangs eingestuft?

Ja, die Rückmeldungen von allen Trainern gingen in diese Richtung. Deshalb wurde ich dann auch in die Gruppe mit den Älteren hochgezogen.

Was waren deine größten Erfolge mit Rankweil?

Die komplette Zeit dort war toll, aber vor allem die vielen gewonnenen Meisterschaften und Turniere mit meiner Mannschaft haben mir sehr gut gefallen.

Vor deinem Wechsel zu Rapid soll es noch andere Angebote gegeben haben. Kannst du uns verraten, welche Verein noch Interesse an dir gezeigt haben?

Richtig, ja, Red Bull Salzburg und Altach hatten noch angefragt, aber schlussendlich habe ich mich für Rapid Wien entschieden.

Rankweil gegen Wien, das heißt Marktgemeinde gegen Bundeshauptstadt, beschreibe doch mal bitte die drei größten Unterschiede.

Die Bevölkerung, der Lebensstil und die Menschen sind hier in Wien freundlicher.

Du hast zwei Geschwister, eine jüngere Schwester und einen älteren Bruder – ist damals deine ganze Familie mit nach Wien gekommen, oder warst du plötzlich alleine in der großen Stadt?

Nein, ich bin alleine nach Wien gegangen und habe dann in einem Internat von Rapid gewohnt, ich kam damit aber auch gut klar.

Im Laufe der Zeit mussten natürlich immer wieder Talente aus der Fußballakademie des SK Rapid Wien aussteigen – was glaubst du, was hast du besser gemacht als viele andere?

Ich glaube, dass vor allem mein Ehrgeiz damals sehr hoch war, das ist als angehender Fußballspieler eine sehr wichtige Eigenschaft. Das hat mir aber auch außerhalb des Fußballsports, wie zum Beispiel in der Schule, sehr geholfen.

Du hast vier Saisonen lang in der ÖFB-Jugendliga gespielt, 58 Partien bestritten und in diesen 24 Tore erzielt. Was hast du Schönes aus dieser Zeit in Erinnerung behalten?

Vor allem die “Topspiele” gegen die Bundesligisten von Red Bull Salzburg und von der Wiener Austria haben mir am besten gefallen. Die schönsten Spiele waren trotzdem die Derbys gegen Austria Wien.

Wie sieht es denn in den Jugendligen bezüglich des Konkurrenzkampfes aus?

Ich finde, dass auch schon in den Jugendligen der Konkurrenzkampf sehr hoch, wenn nicht gleich hoch, wie in den Ligen der Erwachsenen ist.

Du spielst jetzt in der zweiten Saison in der Regionalliga Ost und hast in 18 Partien drei Tore erzielt. Bist du damit als Stürmer zufrieden?

Nein, ich kann leider nicht zufrieden sein, ich würde gerne mehr Tore schießen. Ich habe zwar viele Treffer aufgelegt, aber für mich zählen diese Assists nicht viel und auch nicht als richtiger Scorerpunkt.


(Foto: Ceyhun Tüccar)

Und die Teamleistungen? Aktuell hält ihr nach zehn Spielen bei 16 Punkten und steht damit im guten Mittelfeld. Ist eine Platzierung in diesem Bereich der Tabelle die interne Zielvorgabe gewesen oder habt ihr euch höhere Ziele gesetzt?

Nein, dort wo wir jetzt stehen, das ist auf jeden Fall nicht unser eigentlich Ziel. Viel eher wollen wir uns am Ende der Saison unter den ersten fünf Teams platzieren. Ich glaube aber, dass das mit unserer Mannschaft auf jeden Fall möglich ist, da sie eine sehr hohe Qualität hat.

Du hast vorhin Altach und Salzburg erwähnt, wie schaut es bei dir aktuell mit einem möglichen Wechsel aus? Sei es nun in die erste Mannschaft von Rapid oder vielleicht sogar ins Ausland?

Ich habe in den letzten Monaten oft in der Kampfmannschaft mittrainiert, aufgrund von Problemen mit den Trainingszeiten und dem Stundenplan der Schule musste ich aber wieder in die zweite Mannschaft absteigen, der Wechsel in die Kampfmannschaft steht nun aber kurz bevor! Bei Rapid fühle ich mich aktuell sehr wohl, einen Wechsel zu einem anderen Verein kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

Kannst du uns schon Näheres verraten, wann du in die Kampfmannschaft des SK Rapid Wien befördert wirst?

Ich kann jetzt nicht das genaue Datum sagen, schätze aber, dass es in wenigen Wochen soweit sein wird.

Nun wollen wir über deine Nationalteamkarriere sprechen, die aber noch sehr kurz ist. Du wurdest erst im September dieses Jahres zum ersten Mal einberufen. Was denkst du, warum war das noch nicht früher der Fall?

Das kann ich leider nicht beantworten – meine Trainer haben sich aber auch gefragt, warum die Einberufung noch nicht früher passiert ist. Aber besser spät als nie!

In der U19-EM-Quali habt ihr euch gegen Litauen, gegen Bosnien-Herzegowina und Aserbaidschan souverän durchgesetzt und habt als Gruppensieger den Einzug in die Eliterunde erreicht – warum ist die Qualifikation aus deiner Sicht so gut verlaufen?

Wir waren die Favoriten in der Qualifikationsgruppe und hatten eigentlich während sämtlicher Spiele keine großen Probleme. Es lief in Litauen einfach gut, was uns alle sehr gefreut hat.

Vor allem im Abschlussspiel der Qualifikation hast du den Turbo gezündet, dabei ein Tor erzielt, einen Elfmeter rausgeholt und eines vorbereitet. War das eines deiner Lieblingsspiele in deiner bisherigen Fußballkarriere?

Ja, das war auf jeden Fall eines meiner Lieblingsspiele. Ich hab mich einfach gefreut, dass ich zuerst den Elfmeter für uns rausgeholt hab, dass ich dann ein Tor vorbereitet habe und zu guter Letzt in der Nachspielzeit noch getroffen habe. Es lief einfach alles perfekt.


(Foto: Teammanager, U19-Nationalteam)

In der Eliterunde seid ihr in Topf 1 gesetzt und entkommt damit zum Beispiel Europameister Frankreich oder Spanien. Was bedeutet das für euch auch psychisch, nachdem ihr wisst, dass euch kein Duell mit einem richtigen Kaliber blüht?

Es ist natürlich wichtig, dass wir in Topf 1 gesetzt sind, somit wird auch die finale Qualifikation, auf die wir alle sehr hoffen, wahrscheinlicher.

Wie viel Anteil hat Teamchef Manfred Zsak und das komplette Team rund um euch Spieler an eurem Erfolg?

Manfred Zsak ist der Teamchef, natürlich hat er viel Anteil an der erfolgreichen Qualifikation – vor allem im taktischen Bereich. Aber auch die Physiotherapeuten und weitere Funktionäre haben etwas sehr Wichtiges dazu beigetragen.

Du giltst als ein sehr fairer Spieler und hast in allen Spielen deiner Karriere nur zehn gelbe Karten kassiert. Zeichnet das auch einen guten Fußballer aus?

Ja, ich denke schon, dass es wichtig ist, dass man als fairer Spieler einen positiven Eindruck hinterlässt. Dadurch werden dann auch Startelf-Einsätze wahrscheinlicher. Man sollte einfach den nötigen Respekt vor seinen Gegnern haben.

Was ist dein persönliches, was aber auch euer mannschaftliches Ziel bei der U19-Eliterunde?

Natürlich ist es unser primäres Ziel die Qualifikation zu schaffen. Das würde bedeuten, dass wir unter den acht besten U19-Teams aus Europa sind. Alles weitere ist dann die Kür, aber natürlich versuchen wir so weit wie möglich zu kommen.

Zu guter Letzt: Wann könnten wir dich wieder einmal auf der Rankweiler Gastra bei deinem Heimverein sehen?

In ca. vier Wochen werde ich mal wieder in Vorarlberg sein, dann könnte es sehr gut sein, dass ich bei einem Meisterschaftsspiel von Rankweil vorbeischauen werde. Ich würde mich auf jeden Fall freuen!

Danke für das Interview!

Das Interview wurde geführt von Maximilian Werner (12terMann.at, Redaktion).

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