Vom Chaos-Klub aus Niederösterreich bis hin zum kriselnden Aufsteiger: Der Abstiegskampf ist spannend wie schon lange nicht mehr. Alle Vereine, die in der unteren Tabellenhälfte stehen, haben im Herbst unter ihren Möglichkeiten gespielt und liegen deutlich unter dem Strich zur Qualifikation für die Meisterrunde. Während Teams wie FK Austria Wien und SCR Altach noch eine minimale Chance haben, stehen SKN St. Pölten, Admira Wacker, SV Mattersburg und WSG Tirol bereits fix in der unteren Qualifikationsrunde. Sie stecken tief im Abstiegsstrudel und wollen dem Gang in die zweite Liga auf jeden Fall entgehen. Bis auf eine Ausnahme haben sich alle Teams im Winter nominell verstärkt. Eine Prognose, wie die Chancen der einzelnen Teams stehen und wer am Ende runter muss.


FK AUSTRIA WIEN (7. Platz, 21 Punkte, Torverhältnis 28:31)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: 7 Punkte Rückstand auf Platz 6, Aufstieg in Meisterrunde noch möglich

Restprogramm: Altach (A), Salzburg (H), Sturm (A), St. Pölten (H)

Austria Wien blickt auf eine schwierige Herbstsaison zurück. Mit großen Ambitionen gestartet, gelang es Neo-Coach Christian Ilzer nur selten, seine Philosophie, mit der er bei TSV Hartberg und Wolfsberger AC so erfolgreich war, in zählbares umzusetzen. Vor allem der Saisonstart verlief stottrig und Ilzers Stuhl wackelte bereits nach wenigen Spielen. Zwischenzeitliche Erfolgserlebnisse, wie beispielsweise ein verdienter Heimsieg gegen Sturm, konnten nie bestätigt werden, der Austria gealngen bisher noch nicht zwei Siege nacheinander. Gegen Ende des enttäuschenden Herbstes blieben die Veilchen immerhin fünf Spiele lang unbesiegt. Sie fertigten unter anderem Hartberg mit 5:0 ab und luchsten Stadtrivalen Rapid Wien im Derby ein 2:2-Unentschieden ab.

Die Ausgangslage für die restlichen vier Spiele des Grunddurchganges ist jedoch alles andere als rosig. Satte sieben Punkte liegen die Favoritener bereits hinter dem sechstplatzierten TSV Hartberg. Auch wenn das Torverhältnis knapp für den 25-maligen österreichischen Meister spricht, ist die Mission Meisterrunde vor allem angesichts des schwierigen Restprogrammes ein beinahe unmögliches Unterfangen. Einem schweren Auswärtsspiel gegen SCR Altach folgt ein Heimspiel gegen Angstgegner Red Bull Salzburg. Bei Sturm Graz zu bestehen wird auch kein Spaziergang und spätestens das finale Heimspiel gegen SKN St. Pölten könnte die Blamage für die Austria besiegeln.

Mut gibt den Wienern die positive Wintervorbereitung und die Aktivität auf dem Transfermarkt. Man holte mit Andreas Poulsen und Michael Blauensteiner zwar nur zwei Spieler, beide können der Mannschaft aber auf jeden Fall weiterhelfen. Vor allem ersterer gilt mit 20 Jahren als großes Talent auf der Linksverteidigerposition, wo man mit Christoph Martschinko bisher nur eine wirkliche Option hatte. Tarkan Serbest und Alon Turgeman verließen den Verein. Beide wurden im Herbst von den arrivierten Jungen Dominik Fitz, Benedikt Pichler und Manprit Sarkaria abgelöst. Angreifer Turgeman kam zu keinem Zeitpunkt am entfesselten Torjäger Christoph Monschein vorbei und wurde in Wien Favoriten nie richtig glücklich.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, kann die Austria den Sprung mit dem neuen jugendlichen Wind, einem weiterhin gut aufgelegten Monschein und neuen vereinten Kräften aus der Vorbereitung vielleicht noch schaffen.

PROGNOSE: 7. PLATZ

 

SCR ALTACH (8. Platz, 19 Punkte, Torverhältnis 29:38)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: 9 Punkte Rückstand auf den sechsten Platz, noch minimale Aufstiegschancen in Meisterrunde

Restprogramm: Austria Wien (H), SV Mattersburg (A), Red Bull Salzburg (H), Admira Wacker (A)

Nach einer beispiellosen Negativserie von fünf Liganiederlagen nacheinander, waren die Vorarlberger gegen Ende der Herbstsaison eines der Teams der Stunde. Nach zwei Überraschungssiegen gegen den WAC und bei Sturm Graz (es war der erste Auswärtssieg einer Mannschaft aus Vorarlberg in Graz seit mehr als 50 Jahren), konnte man die starke Endphase eines ansonsten schlechten Herbstes mit einem 3:0-Auswärtssieg in St. Pölten abrunden. Das kuriose an den ersten 18 Meisterschaftsrunden der Altacher war, dass man nur ein einziges Mal unentschieden spielte (bei sechs Siegen und elf Niederlagen – die drittmeisten aller Teams). Das Motto lautete also Hop oder Drop.

Altachs Rückstand auf die auf Platz sieben liegenden Austria beträgt zwar nur zwei Punkte, der Gang in die Meisterrunde ist bei neun Punkten Rückstand auf den ersten Aufstiegsplatz aber fast ausgeschlossen. Auch wenn die restlichen Partien durchaus zu bewältigen sind, es folgen noch jeweils zwei Heim- und Auswärtsspiele gegen Austria Wien und Red Bull Salzburg bzw. SV Mattersburg und Admira Wacker, wurden im Herbst einfach zu viele Spiele verloren.

Auf dem Trasfermarkt hat sich im Ländle einiges getan. Torjäger Mergim Berisha (sieben Tore im Herbst) wurde von seinem Stammverein Salzburg zurückgeordert. Auch Bernd Gschweidl, Brian Mwila, Matthias Puschl und Leonardo Zottele kehrten dem Verein den Rücken. Allerdings war bis auf Berisha keiner der genannten Spieler absoluter Leistungsträger. Mit Ogulcan Bekar, Berkay Dabanli, Alain Wiss und Julio Villalba verstärkte man sich mit jungen Spielern von teils namenhaften Vereinen (Villalba stammt beispielsweise aus der Jugend von Borussia Mönchengladbach).

Die Devise der Altacher wird es sein, im Frühjahr nicht in den Abstiegskampf hineinzugeraten und sich für die Spielzeit 2020/21 gut aufzustellen und vorzubereiten. Geht das auf, können sie womöglich die Austria um den lukrativen ersten Platz in der Qualifikationsrunde herausfordern, der ja zur Teilnahme am Europa League Play-Off berechtigt.

PROGNOSE: 8. PLATZ

 

SKN ST. PÖLTEN (9. Platz, 15 Punkte, Torverhältnis 18:44)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: steht fix in der Qualifikationsrude, 3 Punkte Vorsprung auf den letzten Tabellenplatz

Restprogramm: Admira Wacker (H), LASK (A), Wolfsberger AC (H), Austria Wien (A)

Die Herbstsaison verlief für den SKN St. Pölten turbulent. Nach schwierigem Beginn und teils heftiger Kritik am neuen Trainer Alexander Schmid, konnte man sich gegen Ende steigern. Der überraschende 1:0-Erfolg bei Rapid Wien war gerade einmal der zweite Sieg aus den ersten zwölf Spielen. Diesen konnten sie mit einem 5:1 gegen WSG Tirol bestätigen, danach ging bis zur Winterpause wieder ein wenig die Luft aus. Momentan steht St. Pölten mit 15 Punkten drei vor dem letzten Platz und ist somit akut abstiegsgefährdet.

Bei keinem Bundesligaverein hat sich im Winter so viel getan, wie beim SKN. Insgesamt verzeichneten die Niederösterreicher in einer allgemein eher ruhigen Transferperiode elf Transfers (sieben Zugänge, vier Abgänge). Husein Balic, mit vier Treffern Top-Torjäger im Herbst, verließ den Verein ebenso wie Routinier und Edeljoker Rene Gartler. Auch Reservisten wie Linksverteidiger Manuel Haas und Roope Riski ließen sie ziehen. Nachdem aber doppelt so viele Spieler zum Verein dazustoßen, stellt St. Pölten den breitesten Kader der Liga.

Vor allem der Verlust von Balic wiegt schwer und wird für St. Pölten kaum zu kompensieren sein. Es gibt zwar viele Alternativen als Sturmpartner des Nordkoreaners Pak Kwang-Ryong, aber die müssen sich erst beweisen und in den Verein integrieren. Aus diesem Grund wird der Klub aus der Landeshauptstadt Niederösterreichs bis zum bitteren Ende um den Verbleib in der ersten Liga kämpfen müssen.

PROGNOSE: 10. PLATZ

 

ADMIRA WACKER (10. Platz, 14 Punkte, Torverhältnis 17:38)

Neuzugänge:

Abgänge: keine

Ausgangslage: fix in der Qualifikationsrunde, 2 Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz

Restprogramm: St. Pölten (A), Sturm Graz (H), WSG Tirol (A), SCR Altach (H)

Sieben Niederlagen in den ersten neun Spielen, ein Torverhältnis von 5:27 und ein Trainerrauswurf: Das war die desaströse Bilanz von Admira Wacker in der Anfangsphase der Saison. Da aber auch die direkten Konkurrenten schwächelten, verloren die Südstädter zu keinem Zeitpunkt richtig den Anschluss. Nachdem Klaus Schmid auf der Trainerbank übernahm, folgte eine merkliche Leistungssteigerung und auch die Ergebnisse wurden besser. Symbolfigur des Aufwärtstrends ist Stürmer Sinan Bakis, der mit zehn Treffern einer der torgefährlichsten Spieler der Liga ist. Von Runde zehn bis zwölf traf der Türke sogar dreimal hintereinander doppelt.

Um den drohenden Abstieg abzuwenden, verstärkte sich die Admira im Winter mit den erfahrenen Bundesligaakteuren Mario Pavelic (ehemals Rapid) und Angreifer Markus Pink. Rene Hellermann und Jungmin Kim holten sie als hoffnungsvolle Alternativen aus der Salzburger Jugend. Abgesehen davon, verlief der Winter im Vorort von Wien weitgehend ruhig. Der Kader wurde gehalten und man geht quasi mit demselben Spielermaterial wie im Herbst an den Start.

Klaus Schmid ist ein Trainer mit viel Erfahrung, der wieder Hoffnung in die Südstadt gebracht hat. Wenn man sich weiterhin auf Sinan Bakis verlassen kann und als Kollektiv auftritt, kann und wird die Admira sich aus der Affäre ziehen und die Abstiegszone verlassen.

PROGNOSE: 9. PLATZ

 

SV MATTERBURG (11. Platz, 14 Punkte, Torverhältnis 23:47)

Neuzugänge: keine

Abgänge:

Ausgangslage: fix in der Qualifikationsrunde, zwei Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz

Restprogramm: Sturm Graz (A), SCR Altach (H), Rapid Wien (A), LASK (H)

Der SV Mattersburg war im Herbst kaum wiederzuerkennen. Die Burgenländer waren immer bekannt dafür, die Abstiegsgesiter bereits früh in der Saison zu vertreiben, um im Frühjahr, das meistens schlechter verlief, keine Sorgen mehr zu haben. Diesmal aber ein ganz anderes Bild: Mattersburg hat schon zwölfmal verloren, stellt mit 47 Gegentoren mit Tirol zusammen die schlechteste Defensive der Liga und hat es einem Auswärtssieg am Tivoli in der letzten Runde vor der Winterpause zu verdanken, jetzt nicht das Schusslicht zu sein. Vor allem die Auftritte vor eigenem Publikum waren meistens desolat und erinnerten kaum an die Festung, die das Pappel-Stadion immer war.

Trotz der negativen Entwicklung hält man im Burgenland nach wie vor an Trainer Franz Ponweiser fest. Ob das die richtige Entscheidung war, ist sehr fragwürdig. Man holte keinen einziegen Neuen und der einzige Abgang im Winter war mit Raffael Behounek ein Mann, der im Herbst keine Rolle spielte. Es ist zwar bekannt, dass Mattersburg gerne an altbewährtem festhält, aber die Situation ist diesmal eine andere als in den letzten Jahren.

All diese Gründe sprechen nicht gerade für das langjährige Bundesligamitglied. Während die direkte Konkurrenz signifikant aufgerüstet hat, passierte in Mattersburg nichts. Obwohl man an ihm festhält, scheint auch die Stimmung zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr so richtig zu stimmen. Ponweiser ist zwar ein kompetenter und sympathischer Typ, der Herausforderung Abstiegskampf aber nicht wirklich gewachsen. Aus diesen Gründen werden die Burgenländer am Ende den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen.

PROGNOSE: 12. PLATZ

 

WSG TIROL (12. Platz, 12 Punkte, Torverhältnis 20:47)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: fix in der Qualifikationsrunde, momentan Tabellenletzter

Restprogramm: Rapid Wien (A), Wolfsberger AC (H), Admira Wacker (H), TSV Hartberg (A)

Erstmals seit vielen Jahren bildet ein Aufsteiger über den Winter das Schlusslicht der Bundesligatabelle. WSG Tirol startete gut in seine erste Saison in der höchsten Spielklasse, sie konnten unter anderem Austria Wien in der ersten Runde am Tivoli schlagen. Danach konnten die Tiroler allerdings nur noch mickrige neun Punkte einheimsen und übernahmen nach einer Heimniederlage gegen den SV Mattersburg in der letzten Herbstrunde erstmals die rote Laterne. Der eigentlich aus Wattens stammende Aufsteiger hat es bisher nicht verstanden, die sehr anfällige Defensive (47 Gegentore sind Höchstwert) zu stabilisieren und ist auch im Spiel nach vorne zu ungefährlich.

Die Aktivität auf dem Transfermarkt im Winter kann sich durchaus sehen lassen. Thanos Petsos, Bruno Soares und allen voran Kult-Stürmer Stefan Maierhofer, der wieder nach Österreich zurückkehrte, sind alles Spieler, die in Österreich bereits zu überzeugen wussten und viel Qualität haben. Auch Fabian Koch ist ein erfahrener Mann, der der verunsicherten Hintermannschaft helfen kann. Mit Milan Jurdik und Lukas Katnik verließen zwar zwei Leistungsträger den Verein, aber die namenhaften Neuzugänge sind ein starkes Lebenszeichen der Tiroler.

Trotz der schwerwiegenden Probleme und der gegen Ende des Herbstes katastrophalen Negativserie (sieben Niederlagen en Suite) ist davon auszugehen, dass Tirol mit dem frischen Wind der Neuen ein deutlich stärkeres Frühjahr spielen wird. Trotzdem werden sie bis zum Schluss um den verbleib in der Bundesliga kämpfen.

PROGNOSE: 11. PLATZ

 

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