Red Bull Salzburg vs. LASK Linz. Ein Duell dieser Qualität gab es in Österreichs erster Liga seit Jahren nicht mehr. Aufgrund von Salzburgs beispielloser Dominanz in den letzten Jahren, kamen andere Teams nie zum Zug. Diesmal ist es anders, der LASK liegt nur zwei Punkte hinter dem Titelverteidiger und kann sie bis zum Ende fordern.

Auch darunter geht es eng zu. Rapid Wien, Wolfsberger AC, Sturm Graz und TSV Hartberg liegen innerhalb von vier Punkten. Die engen Abstände versprechen das spannendste Frühjahr seit langem. 


RED BULL SALZBURG (1. Platz, 44 Punkte, Torverhältnis 66:18)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: fix in der Meistergruppe, Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung

Restprogramm: LASK Linz (H), Austria Wien (A), SCR Altach (A), Sturm Graz (H)

Es dauerte bis zur achten Runde, als Red Bull Salzburg erstmals in dieser Saison Punkte abgab. Danach gab es in acht Runden noch vier weitere Punkteteilungen, weshalb sich der Vorsprung auf Verfolger LASK Linz in Grenzen hält. Die Mozartstädter wussten wie schon in den vergangenen Spielzeiten mit spielerischer Leichtigkeit zu überzeugen und schoss seine Gegner geradezu vom Platz. 66 Tore in 18 Spielen sprechen eine eindeutige Sprache und sind zu diesem Zeitpunkt einmalig. Auch wenn die Hintermannschaft nicht immer sattelfest war, handelt es sich hierbei um Kritik auf allerhöchstem Niveau. Routinier Zlatko Junuzovic ist noch immer ein unermüdlicher Leistungsträger und versorgte die jungen Wilden mit sehenswerten Vorlagen. Erling Haaland war die Entdeckung der Saison und erzielte 16 Treffer. Dieser Anzahl stand sein Partner in crime Patson Daka in keinster Weise nach, er traf mit deutlich weniger Spielzeit ganze 14 mal. Der Serienmeister hat im Herbst den Grundstein gelegt, sich auch dieses Jahr wieder die Krone aufzusetzen. In der ersten Champions League-Saison der Vereinsgeschichte hatten die Bullen bis zum letzten Spiel gegen Titelverteidiger FC Liverpool noch rechnerische Chancen auf den Aufstieg ins Achtelfinale. Alleine das spricht für ihre enorme Qualität.

Wie gewohnt, musste Salzburg im Winter namnehafte Abgänge verkraften. Jahrhunderttalent Haaland wechselte zum deutschen Spitzenclub Borussia Dortmund. Abwehrspieler Marin Pongracic zog es ebenfalls nach Deutschland zum Verein des österreichischen Trainers Oliver Glasner, VfL Wolfsburg. Flügelstürmer Takumi Minamino wechselte nach vielen Jahren bei Salzburg in die Premier League zu Champions League-Bezwinger Liverpool. Smail Prevljak und Anderson Niangbo wurden ebenfalls  ins Ausland abgegeben, zweiterer wurde von Ligakonkurrent Wolfsberger AC zurückgeholt und direkt nach Belgien verkauft. Mit dem Geld, welches durch die Abgänge in die Kasse kam, ging man eher sparsam um. Nur der 19 jährige Noah Okafor wurde um elf Millionen vom FC Basel verpflichtet. Er ist ein Spieler mit enorm viel Potenzial, der Liga bereichern wird. Stürmer Mergim Berisha kehrte aus Altach zurück und Jugendspieler Karim Adeyemi wurde vom FC Liefering in die Kampfmannschaft berufen.

Auf dem Papier ist es unausgeschlossen, dass die Abgänge Salzburg nicht schaden werden. Haaland, Minamino und Pongracic waren alle Stammspieler, die einen großen Anteil am erfolgreichen Herbst hatten. Vor allem der Norweger Haaland wird nur sehr schwer zu ersetzen sein. Der Titelverteidiger hat in den letzten Jahren aber oft bewisen, dass man schmerzhafte Verluste von Spielern kompensieren kann und noch immer die größte Qualität im Kader besitzt. Das ist nach wie vor der Fall. Aus diesem Grund wird auch diese Saison kein Weg an den Salzburgern auf dem Weg zur Meisterschaft vorbeiführen.

PROGNOSE: 1. PLATZ

 

LASK Linz (2. Platz, 42 Punkte, Torverhältnis 37:16)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: fix in der Meistergruppe, zwei Punkte Rückstand auf den Tabellenersten

Restprogramm: Red Bull Salzburg (A), SKN St. Pölten (H), TSV Hartberg (H), SV Mattersburg (A)

Wow. Dieses banale Wort beschreibt die Hinserie der Linzer am besten. In der Tabelle liegen sie nur zwei Punkte hinter Leader und Dominator Red Bull Salzburg, mit neun Siegen in genau so vielen Auswärtsspielen stellten sie einen neuen Bundesligarekord auf und in der Europa League behaupteten sie sich gegen die internationalen Topteams Sporting Lissabon und PSV Eindhoven. Dem neuen Trainer Valerien Ismael, der in die großen Fußstapfen von Oliver Glasner trat, wurde zu Saisonbeginn nicht allzu viel zugetraut. In Deutschland konnte er sich nicht durchsetzen und die Entscheidung, nach Österreich zu gehen, wurde als Rückschritt wahrgenommen. Es kam jedoch ganz anders. Ismaels Zahlen sind schier beeindruckend und lesen sich sogar besser als die seines Vorgängers. Er hat den LASK noch einmal weiterentwickelt, das Spielermaterial perfekt ausgenutzt und Alexander Schlager, Thomas Goiginger und Reinhold Ranftl zu Nationalspielern geformt. Die Defensive um Kapitän Gernot Trauner ist die kompakteste und beste der Liga und auch offensiv scheuen sie nicht mit unwiderstehlichen Angriffen. Lohn für den phänomenalen Herbst ist ein bescheidener Rückstand auf Tabellenführer Red Bull Salzburg und die K.-o.-Phase der Europa League gegen AZ Alkmaar.

Angreifer Husein Balic wurde im Winter vom SKN St. Pölten losgeeist. Er ist ein Spieler, der im Sturm die gesetzten Samuel Tetteh und Joao Klauss ablösen und immer Gefahr ausstrahlen kann. Das bewies er bereits in seinem ersten Pflichtspiel für die Linzer, als er gegen Sturm Graz im Cup-Viertelfinale traf. Bankdrücker Yusuf Otubanjo verließ den LASK nach zwei Jahren in Richtung Armenien.

In der ersten Frühjahrsrunde geht es bereits gegen niemand geringeren als Ligaprimus Salzburg. Die Linzer werden versuchen, den Rückstand bis zur Punkteteilung so gering wie möglich zu halten, um in der Meisterrunde noch reele Chancen auf die Meisterschaft zu haben. Wer weiß, vielleicht gehen sie sogar als Tabellenführer in die entscheidenden Wochen. Egal, was passiert, die Saison des LASK ist schon jetzt ein voller Erfolg.

PROGNOSE: 2. PLATZ

 

SK Rapid Wien (3. Platz, 32 Punkte, Torverhältnis 38:21)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: noch ein Punkt und man ist fix in der Meistergruppe

Restprogramm: WSG Tirol (H), TSV Hartberg (A), SV Mattersburg (H), Wolfsberger AC (A)

Nach einer für Rapid-Verhältnisse katastrophalen Saison 2018/19, hat sich die Vormachtstellung in Wien wieder gedeht. Während Stadtrivale Austria Wien die Meisterrunde wohl verpassen wird, fehlt Rapid Wien noch ein Punkt, um sich endgültig in den ersten sechs festzsetzen. Die bisherige Spielzeit der Hütteldorfer war keineswegs perfekt, vor allem im heimischen Alllianz Stadion war man sehr unbeständig und gewann gerade einmal zwei Spiele. Die große Stärke der Wiener lag auf Gegners Platz, dort holten sie 22 ihrer insgesamt 32 Punkte. Trainer Didi Kühbauer hat es nach einem ersten schwierigen Halbjahr als Rapid-Coach verstanden, eine Startaufstellung zu finden, die von Spiel zu Spiel konstant ihre Leistung bringt. Sommer-Neuzugang Taxiarchis Fountas schlug mit elf Toren voll ein und Spieler wie Christoph Knasmüllner (acht Torvorlagen) und Jungstar Kevin Arase riefen ihr Potenzial endlich ab.

Das Verlangen nach neuen Spielern war bei Rapid nicht allzu groß. Lediglich Ercan Kara und Dejan Petrovic wurden als Alternativen verpgflichtet, sie werden aber überwiegend in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammeln. Stürmer Aliou Badji wurde nach dem „Trikotgate„, er lief im Urlaub im Red Bull-Salzburg-Trikot durch die Gegend, nach Ägypten abgegeben. Ansonsten verlief die Vorbereitung des Rekordmeisters relativ ruhig, sie bestritten einige Testspiele und rotierten in diesen viel, um jede Formation auszuprobieren.

Rapid wirkt diese Saison deutlich gefestigter als in den letzten Jahren. Im Herbst gab es zwar viele Up und Downs, alles in allem ist die Entwicklung aber positiv. Immerhin konnten sie den bockstarken Wolfsberger AC hinter sich lassen und feierten beeindruckende Siege, wie zum Beispiel den 4:0-Auswärtserfolg beim Tabellenzweiten LASK Linz. Dieser Aufwärtstrend wird sich nach einem soliden Winter und einem gefestigten Mannschaftsgefüge weiter fortsestzen.

PROGNOSE: 3. PLATZ

 

Wolfsberger AC (4. Platz, 31 Punkte, Torverhältnis 41:23)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: noch zwei Punkte und man ist fix in der Meistergruppe

Restprogramm: TSV Hartberg (H), WSG Tirol (A), SKN St. Pölten (A), SK Rapid Wien (H)

Nach einem fulminanten Saisonstart, als man sogar mit Spitzenreiter Red Bull Salzburg Schritt halten konnte und in der Europa League gegen die internationalen Topteams Borussia Mönchengladbach und AS Rom für Furore sorgte,  ging dem Wolfsberger AC gegen Ende hin ein wenig die Luft aus. Von Oktober bis Dezember gab es lediglich zwei Siege, dafür einige Unentschieden und empfindliche Niederlagen wie gegen den SCR Altach. Die Ursachenforschung ist schnell erfolgt: Erfolgscoach Gerhard Struber verließ den Verein völlig unerwartet in Richtung englische Championship, wo er dem FC Barnsley vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit bewahren soll. Sein Assistenzcoach und iterimistischer Nachfolger Mohamed Sahli machte seinen Job in den letzten Spielen im Herbst zwar nicht schlecht, die Mannschaft konnte allerdings nicht an die Leistungen unter Struber anknüpfen. Nun soll der ehemalige Sturm-Kicker Ferdinand Feldhofer den WAC wieder in die Erfolgsspur zurückbringen. Der Steirer kam von Zweitlisgisten SV Lafnitz und hat mit den Lavantalern nur ein Ziel: die direkte Qualifikation für Europa.

Der Abgang von Struber belastete den Kärntner Klub noch in der Wintertransferphase. Marcel Ritzmaier und Kapitän Michael Sollbauer nahmen sich ebenfalls der Herausforderung England an und folgten ihrem Coach nach Barnsley. Auch Salzburg-Leihgabe Anderson Niangbo, im Herbst immerhin sieben Mal erfolgreich, kehrte zu seinem Stammverein zurück. Damit verlor der Tabellenvierte gleich drei wichtige Stützen der Mannschaft. Als Ersatz sollen Milos Jojic und Miguel Vieira, beide sind Leihgaben von Europa League-Gegner Basaksehir Istanbul, fungieren. Vor allem Jojic ist international durchaus bekannt, schließlich stand er in Deutschland bei Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln unter Vertrag. Er kann den Wolfsbergern auf jeden Fall weiterhelfen.

Der unerwartete Unbruch sorgte beim WAC für ein Chaos zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Man schied in dieser Phase in der Europa League aus, verlor in der Liga den Anschluss an die Spitze und wurde sogar noch von Rapid Wien überholt. Neo-Coach Feldhofer hat als Trainer noch nicht viel Erfahrung und hinter den Neuzugängen steht ein Fragezeichen. Es kann auch nicht erwartet werden, dass Shon Weissman, der mit 17 Volltreffern Top-Torschütze der Liga ist, weiterhin nach Belieben trifft und auch Top-Assistgeber Michael Liendl wird nicht jünger. Der WAC steht vor einem herausfordernden und schwierigen Frühjahr.

PROGNOSE: 5. PLATZ

 

Sturm Graz (5. Platz, 28 Punkte, Torverhältnis 33:23)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: gute Chancen auf die Meistergruppe, sieben Punkte Vorsprung auf den siebten Platz

Restprogram: SV Mattersburg (H), Admira Wacker (A), Austria Wien (H), Red Bull Salzburg (A)

Die ersten 18 Runden glichen bei Sturm Graz einer Achterbahnfahrt. Nach starkem Start verliefen einige Spiele nicht nach Wunsch. Nach einem 3:3-Remis in Mattersburg brannten bei Trainer Nestor El Maestro und Sportdirektor Günther Kreisl sogar die Sicherungen durch. Vor allem zuhause präsentierten sich die Grazer sehr schwankend, von neun Spielen gewann und verlor man jeweils vier, eines endete Remis. Der Aufstieg in die Runde der besten sechs Teams scheint dennoch relativ sicher, aber ausruhen dürfen sich die „Schwoazen“ auf keinen Fall. Mit sechs Punkten aus den ersten zwei Parteien gegen die schwächer einzuschätzenden SV Mattersburg und Admira Wacker kann man die Meisterrunde aber bereits vorzeitig fixieren.

John Michael Lema wurde an Hartberg verliehen und Stürmer Markus Pink an die Admira verkauft. Der langzeitige Stammspieler Fabian Koch verließ den Verein in Richtung Tirol. Für Ersatz wurde gesorgt: Stürmer Kevin Friesenbichler und Mittelfeldspieler Lukas Jäger kehrten aus der zweiten deutschen Bundesliga nach Österreich zurück und sollen den Steirern die zuletzt vermisste Durchschlagskraft wieder einhauchen.

Sturm wird alles daran setzen, sich für Europa zu qualifizieren. Die Chancen darauf stehen zumindest nicht schlecht, der Rückstand auf die vor ihnen liegenden Teams Wolfsberger AC und Rapid Wien ist wettzumachen. Wenn die Neuverpflichtungen einschlagen und die Konstanz in der heimischen Merkur Arena wieder auftaucht, ist ein Europaticket so gut wie sicher.

PROGNOSE: 4. PLATZ

 

TSV Hartberg (6. Platz, 28 Punkte, Torverhältnis 33:37)

Neuzugänge:

Abgänge:

Ausgangslage: gute Chancen auf die Meistergruppe, sieben Punkte Vorsprung auf den siebten Platz

Restprogramm: Wolfsberger AC (A), Rapid Wien (H), LASK Linz (A), WSG Tirol (H)

In Hartberg startete man wohl noch leicht verkatert in die Wintervorbereitung. Nach einem 2:2-Heimremis gegen Tabellenführer Red Bull Salzburg in der letzten Runde vor der Winterpause gegen Salzburg ließ man die Korken knallen und feierte den sensationellen Herbst ausgiebig. Hartbergs große Stärken lagen vor allem darin, dass sie gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte reihenweise punkteten und vor allem im Kollektiv großen Kampfgeist zeigten (bei Admira Wacker siegte man in Unterzahl und ohne Keeper, gegen SCR Altach sogar mit zwei Mann weniger). Auf Dario Tadic, mit 11 Treffern der Torgarant, war wie immer Verlass und auch Torhüter René Swete überzeugte mit wichtigen Paraden.  Durch die vielen Siege hat sich Hartberg in eine sehr komfortable Ausganslage gebracht: Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den nächsten Verfolger Austria Wien aus der unteren Tabellenhälfte, die erstmalige Teilnahme an der Meisterrunde somit zum Greifen nahe.

Im Winter ließen es die Oststeirer ruhig angehen. Lediglich Flügelspieler John Michael Lema wurde von Sturm ausgeliehen. Mit dem 19 jährigen U21-Teamspieler gewinnt Hartberg noch an Kreativität im Offensivspiel und Qualität dazu. Außenverteidiger Patrick Obermüller kehrte zu Stammverein Rapid Wien zurück, ansonsten wurde der Kader aus der Hinserie zusammengehalten.

Die verbleibenden vier Spiele der regulären Saison sind zwar schwierig, aber wie es die Steirer wiederholt bewiesen haben, nicht unmöglich. Spätestens im abschließenden Heimspiel gegen das momentane Schlusslicht WSG Tirol könnten sie den größten Erfolg der Vereinsgeschichte unter Dach und Fach bringen. Das wird Hartberg angesichts des großen Punktevorteils auch schaffen.

PROGNOSE: 6. PLATZ

 

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