Am Freitagabend kehrt der Fußball in Österreich zurück. Die Sportfans blicken gespannt nach Klagenfurt. Denn die Premiere der coronabedingten Geisterspiele samt besonderer Sicherheitsmaßnahmen ist zugleich auch das Cupfinale zwischen Red Bull Salzburg und Austria Lustenau (20:45 Uhr/Live in ORF1). Wir haben mit Lustenau-Coach Roman Mählich vor dem Spiel noch telefoniert und ihn zum Interview gebeten.


12terMann.at.: Danke für die Zeit, Roman. Auch bei uns steigt schon das Kribbeln – bald gibt es das erste Corona-Geisterspiel in Österreich. Ihr bereitet euch schon seit fast zwei Wochen im Mannschaftstraining aufs Cupfinale vor – wie läuft derzeit das Mannschaftstraining? 

Es läuft alles nach Plan. Wir hatten wie angeordnet zwei Wochen Gruppentraining und jetzt zwei Wochen Mannschaftstraining. Es hat sich dann schnell eine Routine eingestellt und es hat keine Probleme gegeben. 

Wie war der Spieler- und Traineralltag während des Lockdowns?

Wir haben einmal kurz durchgerufen und gefragt wie es den Spielern und deren Familien geht. Speziell am Anfang war Fußball für mich weit weg – da ging es darum, dass unsere Familien – etwa meine Eltern, meine Schwiegereltern – gesund bleiben. Wir haben auch die sozialen Kontakte komplett eingeschränkt und das war es dann. In der ersten Woche war es aber nicht absehbar, dass wir heuer noch Fußball spielen können.

Aber bei euch gab es während des Lockdowns auch Home Training?

Das gab es. Es gab auch ein paar Spieler bei uns, die in Teilen Salzburgs oder in Tirol in Quarantäne waren. Die konnten das nicht so gut durchführen, weil sie nicht außer Haus durften. Der Großteil hat es soweit durchgezogen – es war für die Spieler wahrscheinlich keine angenehme Art, aber es ist nicht anders gegangen.

Reichen die zwei Wochen Mannschaftstraining um eine Profimannschaft ideal auf ein Cupspiel vorzubereiten? 

Die Frage stellt sich nicht, weil es ja alternativlos ist. Wir sind sehr froh, dass der Fußball wieder begonnen hat. Es hat ja eine Zeit lang nicht so ausgesehen, dass wir spielen können – und das Cupfinale war auch bei weiten kein fixer Bestandteil der Pläne. Wir sind sehr erleichtert, dass wir dieses Spiel dann doch durchführen können. Das ist für uns eine große Gschicht. Ich kann dem Ganzen nur Positives abgewinnen. Ob die Vorbereitungszeit eine kurze ist oder ob es Zuseher gibt, das steht alles im Hintergrund. Wir sind alle sehr glücklich und froh, dass wir spielen können.

Kann diese Pause für Salzburg eigentlich ein größerer Vorteil sein, weil die Bullen aufgrund der finanziellen Situation eine andere Infrastruktur haben und die Spieler dadurch in der Corona-Pause mehr Möglichkeiten hatten als vielleicht kleinere Vereine wie Lustenau? Spielt sowas eine Rolle?

Ich glaube, Salzburg hat genug Vorteile – von mir aus ist das noch ein weiterer. Das wird in diesem Duell nicht ausschlaggebend sein. Ob sie jetzt das Gruppentraining besser absolviert haben, weil sie einen größeren Staff und die bessere Infrastruktur haben, das weiß ich nicht um ehrlich zu sein. Es steht mehr dahinter. Vom Zeitaufwand und der Intensität des Trainings ist das auch bei den Proficlubs der zweiten Liga genauso wie bei den Clubs oben.

Welche Chancen rechnet ihr euch aus? Gibt es eine reelle Chance?

Eine reelle Chance gibt es, weil das Spiel gespielt werden muss – aber wir müssen uns nicht selbst anlügen. Wir sind Fußballer und ehrgeizig – als Sportler glaubst du immer an den eigenen Erfolg. Solange das Spiel nicht aus ist, haben wir die Chance, dass wir da eine ganz große Sensation schaffen. Das werden wir versuchen. Dass wir natürlich Außenseiter sind und es möglicherweise das Cupspiel mit der klarsten Chancenverteilung der letzten Jahre ist, ist auch klar. Das heißt ja nicht, dass wir keine Sensation schaffen können. Das wird sehr schwer – das wird auch an Salzburg hängen was drinnen ist. Wir werden alles versuchen, was in unserer Macht steht klarerweise. Aber schon alleine das Erreichen des Cupfinales ist für uns eine Riesen-Geschichte. Das ist eine tolle Aufgabe und ein Riesen-Erlebnis – wir freuen uns drauf.

Für Lustenau ist das ja ein sehr besonderes Spiel. Wie groß ist eigentlich die Vorfreude auf das Spiel unter solchen Umständen? Sprich, dass keine Fans da sind..

Es ist schade, dass keine Fans im Stadion sind. Aber das ist keine Situation, die sich von heute auf morgen eingestellt hat. Es überwiegt die Vorfreude, dass wir eine von zwei Mannschaften sind, die praktisch das erste Fußballspiel oder die Fußballsaison nach einer weltweiten Krise einläuten – und noch dazu mit einem Cupfinale. Ich kann dem, wie gesagt, nur positive Seiten abgewinnen.

Sie haben viele Cupfinali als Spieler erlebt – und dreimal den Cup gewonnen. Können Sie der Mannschaft dadurch etwas Entscheidendes weitergeben?

Mein Tipp an die Spieler ist, dass sie es genießen sollen. Es ist etwas, das man nicht all zu oft in einer Karriere erlebt. Wir haben nicht viele Spieler, die bisher Titel gesammelt haben – das ist jetzt die Chance. Die Ausgangsvoraussetzung zwischen den Cupspielen als Aktiver und jetzt als Trainer ist eine andere. Wir waren damals mit Sturm sehr oft Favorit, jetzt sind wir mit Lustenau krasser Außenseiter. Ich denke wir genießen das, wir bereiten uns gut vor, wir sind gut eingestellt, wir sind top motiviert, wir wollen eine Sensation und wir nehmen dieses Erlebnis so wie es ist – als eine Chance im Fußball was Großartiges zu erreichen.

Wie war es eigentlich die Geisterspiele in Deutschland als Zuseher zu verfolgen. Ungewöhnlich?

Ja aber auch daran gewöhnt man sich witzigerweise. Die ersten Spiele war das natürlich eigenartig. Umso öfter man es sieht, umso normaler wird es. Dass es schöner ist, wenn es eine gewisse Geräuschkulisse und Stimmung im Stadion gibt, ist ja ganz klar – das möchte jeder. Nur die Situation gibt es leider nicht her. Da gibt es von mir kein Jammern, wir nehmen das so wie es ist. Es wird in absehbarer Zeit auch wieder Spiele mit Zuschauern geben – davon bin ich überzeugt.

Austria Lustenau hat außerdem eine tolle Aktion gestartet. Fans können fiktive Karten fürs Finale kaufen, die Hälfte der Einnahmen wird an Traditionsklubs gespendet.