Spätestens seit der 2:3-Niederlage gegen Altach am gestrigen Montag ist vermutlich jedem klar, dass RB Salzburg in einer Krise steckt. Aus in der Europa League, in der Liga schon sechs Punkte Rückstand auf den LASK, zahlreiche Akteure, deren Formkurve drastisch nach unten zeigt. Da kommt das für Donnerstag angesetzte Cup-Duell gegen den Rivalen aus Linz denkbar ungelegen, denn der Traditionsverein befindet sich in bestechender Form. Klar ist also, dass der Ausgang dieses Cup-Krachers den restlichen Saisonverlauf maßgeblich beeinflussen wird.


Salzburg – Ein Einbruch, der sich abzeichnete

Viele bezeichnen das Duell auch als ein „Endspiel“ – Für Salzburg und deren Trainer Jesse Marsch. Denn scheidet man nun auch im Cup aus, noch dazu gegen den Rivalen aus Linz, besteht gehöriger Gesprächsbedarf. Doch wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass der österreichische Serienmeister, der noch vor kurzem in der Champions League für Furore sorgte, so abstürzte? 

Die Antwort darauf findet man in der abgelaufenen Transferperiode. Die Abgänge von Erling Haland, Takumi Minamino und Marin Pongracic hatten drastische Auswirkungen, mit denen die Salzburger Führungskräfte in derartiger Form vermutlich nicht gerechnet hatten. Die erwarteten Neuzugänge blieben aus, lediglich Noah Okafor wurde vom FC Basel verpflichtet, in der Bundesliga kam er jedoch noch nicht zum Einsatz. Zudem befinden sich viele der verbliebenen Akteure in einem Leistungstief, zu nennen wären hier unter anderem Patson Daka, Dominik Szoboszlai und Maximilian Wöber

Während viele den Abgang von Top-Torjäger Haland als am verheerendsten empfanden, stellte sich jener von Pongracic als drastischer heraus. Die rechte Abwehrseite ist seither die Achillessehne von RB, weder Patrick Farkas noch Albert Vallci konnten seinen Abgang kompensieren, beide spielten zuletzt sehr schwach. Das wusste auch Europa League-Gegner Eintracht Frankfurt und nützte dies eiskalt aus. Gegen den schnellen und zweikampfstarken Kostic fand keiner der Beiden ein Mittel, auch in der heimischen Bundesliga bekleckerten sich die Außenverteidiger nicht gerade mit Ruhm.

Begonnen hat der Negativlauf ausgerechnet gegen den kommenden Gegner – den Linzer ASK. Zum Auftakt der Rückrunde verlor man zuhause mit 2:3, anschließend gelang den Bullen kein Sieg mehr. 1:4-Niederlage auswärts in Frankfurt, ein 2:2 gegen die formschwache Wiener Austria, danach ein 2:2-Unentschieden gegen Frankfurt, das das Aus in der Europa League bedeutete. Als wäre das nicht genug, setzte es gestern in Altach abermals eine Niederlage, man musste sich 2:3 geschlagen geben. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Sidney Sam traf doppelt, Jan Zwischenbrugger trug sich ebenfalls in die Torschützenliste ein. Da half auch ein Doppelpack von Hwang wenig, einem der wenigen Spieler der Salzburger, der noch konstant gute Leistungen zeigt.

Für einige Experten liegt der Ausgangspunkt noch weiter zurück, die Duelle gegen St. Pölten, Admira und Hartberg sollen schon Indikatoren dafür gewesen sein, dass Salzburg diese Saison kein leichtes Spiel haben wird. Sechs Punkte liegt man nun schon gegen den LASK zurück, es droht die Vize-Meisterschaft, die definitiv nicht den hohen Ansprüchen der Bullen entspricht. Welche Folgen jene für Jesse Marsch und die Bullen hätte ist noch unklar, es könnte jedoch ein ungemütlicher Sommer werden, sollte die Wende nicht gelingen.

Der Aufstieg des LASK

Doch sollte man bei all der Kritik an RB Salzburg nicht auf die Linzer vergessen, denn deren Leistungen in dieser Saison sind außergewöhnlich. Seit dem Aufstieg in die Bundesliga steigerte man sich kontinuierlich, die derzeitige Tabellenführung und das Erreichen des Europa League-Achtelfinales ist nur das i-Tüpfelchen jahrelanger, gut durchdachter Arbeit. Entscheidend war vor allem dieser Sommer, in welchem es gelang, den Großteil der Leistungsträger zu halten – und das trotz zahlreichen Angeboten. Einzig Maximilian Ullmann verließ den Verein, er wechselte zu Rapid Wien. Trauerte man jenem anfangs noch hinterher, hat man den geborenen Linzer nun vergessen, mit Marvin Potzmann und Rene Renner wurden zwei starke Ersatzmänner verpflichtet, die dem LASK sofort halfen.

Durch das Zusammenhalten des Kaders, der gezielt und gut verstärkt wurde, beispielsweise durch Innenverteidiger Filipovic, sowie Husein Balic, sowie das Integrieren von einigen Jugendspielern, gelang es den Linzern auf drei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen – noch dazu erfolgreich. Das Paradebeispiel hierfür ist Stürmer Marko Raguz, dem in dieser Saison der Durchbruch gelang. Zuletzt verdrängte er sogar Joao Klauss auf die Bank.Vor allem auf internationaler Bühne überzeugte der U21-Nationalspieler, in acht Spielen gelangen ihm fünf Tore. Zuletzt brillierte er im Sechzehntelfinale gegen Alkmaar, als nächster Gegner wartet kein geringerer als Manchester United. Nun steht für Raguz sogar eine Nominierung für die EM 2020 im Raum, zudem soll er bei einigen Vereinen aus Deutschland auf weit oben auf deren Liste stehen.

Am Donnerstag will der LASK seinen Lauf nun fortsetzen, seit neun Pflichtspielen sind die Linzer mittlerweile schon ungeschlagen. Ein weiterer Vorteil im bevorstehenden Duell ist der Erwartungsdruck. Denn während ein Ausscheiden der Linzer für jene kein allzu großes Drama wäre, würde es Salzburg noch tiefer in die Krise stürzen. Das bevorstehende Aufeinandertreffen der Clubs wird also richtungsweisend, genaue Prognosen zu erstellen ist schwierig. Klar ist nur, dass uns ein Spiel auf einem Niveau bevorsteht, dass es im österreichischen Fußball schon länger nicht mehr gab.

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