Der Pokalsieg des FC Pasching ist eine der größten Sensationen in der jüngeren österreichischen Fußballgeschichte. Ein Verein, der schon so viel durchmachen musste, von Skandalen und Krisen geprägt war, gewann in der Saison 2012/13 als erster Regionalliga-Verein den österreichischen Pokal. Ein Erfolg, bei welchem auch Red Bull Salzburg seine Finger im Spiel hatte. Wir lassen dieses Wunder nochmal Revue passieren.


Die Geschichte Paschings

Doch gehen wir alles erstmal chronologisch durch. Der FC Pasching, der jetzt unter dem Namen „FC Juniors OOe“ bekannt ist, musste schon so einiges durchmachen. Gegründet wurde der Klub 1946 als „ATSV Pasching“, seine Anfangszeit verbrachte er im österreichischen Amateurfußball. Es dauerte bis zu Beginn der neunziger Jahre, ehe dem Dorfverein der Durchmarsch in die Bundesliga gelang. Damals sorgte man zudem für Aufsehen, als man im UI-Cup Werder Bremen im Halbfinale eliminierte und erst im Finale am FC Schalke 04 scheiterte. Darüber hinaus gelang den Paschingern in den ersten fünf Bundesligasaisons viermal die Qualifikation für’s internationale Geschäft.

Von Namenswechseln und Krisen

Doch Pasching ist vor allem für seine vielen Namenswechsel bekannt. Aus „ATSV Pasching“ wurde „ASKÖ Pasching, daraus, dem örtlichen Einkaufszentrum angelehnt, „SV PlusCity Pasching“. 2003 entfiel dann der Ortsname komplett, der Verein lief anschließend nur noch als „FC Superfund“ auf. Richtig kurios wurde es jedoch im Jahr 2007, kurz vor der in Österreich ausgetragenen EM. Um für die Europameisterschaft und das neu errichtete Wörtherseestadion in Klagenfurt einen passenden Erstligaklub parat zu haben, übersiedelte der Verein nach Klagenfurt und wurde prompt in SK Austria Kärnten umbenannt. Der neue Verein existierte ganze drei Jahre, ehe er Konkurs anmelden musste.

Neugründung und Übernahme

Nach dem Ortswechsel wurde der FC Pasching als „FC Superfund Pasching“ neu gegründet und musste fortan wieder zurück in die fünfte österreichische Liga. Erneut gelang der Durchmarsch in die Regionalliga. Mit der Pleite von SK Austria Kärnten, drohte jedoch auch den Paschingern das erneute Aus, da Hauptsponsor Superfund den Verein verließ. Kurz vor knapp stieg Red Bull ein und machte die Oberösterreicher zu einem Kooperationsklub von Red Bull Salzburg, der neue Sponsor agierte jedoch eher im Hintergrund. Mit der Kooperation kam auch neues Personal nach Pasching, so wechselte das Trainerteam um Gerald Baumgartner, der die zweite Mannschaft Salzburgs betreute, den Klub. Neben diesen kamen auch erfahrene Spieler wie Hans-Peter-Berger nach Oberösterreich. Dass jedoch im ersten Jahr der Pokalsieg gelang, gleicht einem Wunder.

Der Weg zum Pokalsieg

In der ersten Runde musste der FC Pasching zu Hause gegen Traditionsklub SV Austria Salzburg ran und setzte sich nur knapp mit 2:1 durch. In der 2. Runde drohte dann das frühe Scheitern, mit Austria Lustenau bekam Pasching einen schweren Gegner zugelost, der in der zweiten Liga um den Aufstieg mitspielte. Zwar ging man schon früh durch Nacho Casanova in Führung, gelang den Gästen kurz vor dem Ende doch der Ausgleich. In der folgenden Verlängerung musste Pasching nach bereits drei Minuten den Rückstand hinnehmen, jedoch traf erneut Casanova zum Ausgleich. In der 117. Spielminute sorgte Markus Blutsch für die Überraschung und schoß seinen Klub zum 3:2-Sieg. Im Achtelfinale wurde den Paschingern wieder ein brisantes Duell zugelost, man traf ausgerechnet auf SK Austria Klagenfurt, dem Nachfolger von Austria Kärnten. Damals setzte man sich allerdings souverän mit 2:1 durch, die Treffer gelangen Kovacec und Casanova. 

 

Im Viertelfinale wartete dann mit Rapid Wien der erste Bundesligist, der als klarer Favorit in die Partie ging. Doch selbstbewusste und leidenschaftliche Paschinger wussten sich zu helfen und setzten sich durch einen Casanova-Treffer, trotz Überlegenheit der Wiener, mit 1:0 durch. Im folgenden Halbfinale hieß der Gegner Red Bull Salzburg, womit man auf den größeren Kooperationsverein traf. Auch hier galt Pasching als klarer Außenseiter, es roch nicht wirklich nach Sensation. Doch Pasching nahm die zuvor aufgekommene Euphorie mit und bezwang den amtierenden Meister denkbar knapp mit 2:1. Zunächst sah es jedoch nicht danach aus, nach 48 Spielminuten sorgte Havard Nielsen für das 1:0. Doch 20 Minuten später glich Kovacec aus, ehe Daniel Kerschbaumer nur zehn Minuten später den 2:1-Endstand erzielte. Im anderen Halbfinale bezwang Austria Wien mit dem SV Ried eine weitere Mannschaft aus Oberösterreich, womit das Finale im Ernst-Happel-Stadion zwischen Regionalligist Pasching und dem zukünftigen Meister Austria Wien stattfand. Bereits der Einzug ins Finale war eine der größten Sensationen in der Geschichte des Pokals und bewies einmal mehr, dass dieser seine ganz eigenen Gesetze hat. Da die Wiener durch deren Platzierung in der Liga ihren internationalen Startplatz ohnehin sicher hatten, war schon vor dem Spiel klar, dass Pasching für die Qualifikation zur Europa League teilnahmeberechtigt war.

 

Das Endspiel, das am 30. Mai 2013 ausgetragen wurde, fand vor 16.500 Zusehern statt und wurde von Harald Eisner geleitet. Wider Erwarten hatten die Paschinger, um ihre Stars Schobesberger, Casanova und Kovacec mehr vom Spiel und machten deutlich, dass der Cup-Sieg das klare Ziel war. Das Team von Trainer Baumgartner war taktisch prima eingestellt und machte es der Austria, die mit Philipp Hosiner eigentlich einen äußerst treffsicheren Stürmer in ihren Reihen hatten, schwer. In der 47. Spielminute gelang Daniel Sobkova das einzige Tor an diesem Abend, womit er die Sensation perfekt machte und Pasching zum Pokalsieg führte.

Das Ende des Märchens

Die Euphorie nach dem Pokalsieg hielt lange an, die Paschinger galten als Helden, auch weil sie auf ihrem Weg zum Titel, die zu dieser zeit stärksten Bundesligisten eliminierten. Im Folgejahr durfte man dann, als Regionalligist, auch in der Qualifikation zur Europa League ran. Man traf auf den portugisischen Klub „GD Estoril-Praia„, der als Erstligist die Favoritenrolle inne hatte und das Hinspiel mit 2:0 gewann. Das Rückspiel musste der FC Pasching zudem in Linz absolvieren, da das heimische Waldstadion nicht für das internationale Geschäft zugelassen war. In diesem mussten sie sich mit 1:2 geschlagen geben, womit das Märchen endete. Nichtsdestotrotz ging der Lauf Paschings in die Geschichte ein und bleibt wohl für immer unvergessen.

Allen Nostalgikern empfehle ich dieses Video, das den Pokalsieg des FC Pasching nochmals zusammenfasst:

Titelbild Credits:

Michael Kranewitter, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0”

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