Seit gestern Abend ist es Gewissheit, dass auch die Weltmeisterschaft 2022 ohne Österreich stattfinden wird. Das Nationalteam muss also bis mindestens 2026 auf die nächste Teilnahme warten. Im Rückblick betrachtet war die aktuelle Qualifikationskampagne für Franco Foda und sein Team vor allem eines: Eine Enttäuschung voller Pleiten, Pech und Pannen.

Als im Dezember 2020 die Gruppen für die Qualifikation ausgelost wurden, war die Zuversicht in Österreich noch groß. Man erwischte eine Gruppe, die man durchaus als “machbar” bezeichnen konnte. Die Gegner Dänemark, Schottland, Israel, Färöer und Moldau gaben Hoffnung, sich erstmals seit 1998 wieder für eine Endrunde qualifizieren zu können.

Gekommen ist es schlussendlich völlig anders. Nach zehn Spielen standen magere 16 Punkte zu Buche, in der Tabelle landete man auf dem vierten Platz und konnte nur die Fußballzwerge von den Färöer und aus Moldau hinter sich halten. Das ist enttäuschend, hier braucht man nichts beschönigen. Gegen Dänemark ging Österreich in beiden Spielen als Verlierer vom Platz und konnte dabei selbst keinen Treffer erzielen. Auch Schottland, das bei der Europameisterschaft mit einem Punkt und einem Tor als Gruppenletzter ausschied, schaffte es, gegen Österreich nicht zu verlieren. Ein Remis in Glasgow und ein schottischer Sieg im Happel-Stadion stehen zu Buche. Gegen die vermeintlich direkten Gegner um die vordersten Tabellenplätze hat Österreich also in vier Spielen nur ein Remis geholt und dreimal verloren und von möglichen 12 Punkten genau einen geholt. Auch Israel musste man sich in der Endabrechnung geschlagen geben. Die 5:2 Blamage in Haifa wird noch länger nicht vergessen sein, immerhin konnte man diese Scharte mit dem 4:2 im Heimspiel in Klagenfurt ein wenig ausbessern. Zumindest gegen Färöer und Moldau hielt man sich mit vier Siegen schadlos, das als Erfolg zu feiern kann aber auch nicht das Ziel von Österreich sein.

Durch den Sieg in der Gruppenphase der Nations League hatte Österreich aber weiterhin die Chance, sich für die Endrunde zu qualifizieren. Auch hier konnte man sich über mangelndes Losglück nicht beschweren: Wales im Halbfinale und als letzte Hürde Schottland oder die Ukraine, also drei Mannschaften mit denen man das Nationalteam durchaus “auf Augenhöhe” sehen kann. Dass das leider anders ist, mussten wir gestern Abend wieder erfahren. 

Die Millionenfrage ist natürlich: Warum? Woran hat es gelegen? Weshalb passt die Wirklichkeit so gar nicht mit dem Anspruch zusammen? Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Österreich sein Potential, das ohne Zweifel in der Mannschaft steckt, nicht auf dem Platz umsetzen kann. Offensiv ist vieles auf Zufall oder auf einen Geistesblitz eines Einzelspielers aufgebaut. Wie viele schön und mit Struktur herausgespielte Tore hat das Nationalteam in den letzten Spielen erzielt? In 10 Gruppenspielen gelangen Österreich 19 Treffer – Acht davon in den letzten beiden Partien. In der Defensive ist man leider auch immer wieder für ein Gegentor anfällig. Nur zwei von 10 Spielen endeten ohne ein Tor des Gegner. 

Nach dieser WM-Qualifikation muss man auch die Frage stellen dürfen, ob Teamchef Franco Foda (noch) der richtige Trainer ist. Man hat nicht das Gefühl als ob sich Österreich unter seiner Regie zu großen Leistungen aufschwingen könnte. Und wenn man nach dem Aus gegen Wales zu Protokoll gibt, dass man “nicht unerfolgreich war”, “mehr gewonnen als verloren hat” und “einiges erreicht hat” bleibt wohl mancher Fan des Nationalteams mit einem etwas ungläubigen Staunen zurück. Man hat die Ziele nicht erreicht – Punkt! In der gesamten bisherigen Ära Foda hat Österreich nicht ein einziges Pflichtspiel gegen eine in der Weltrangliste höherstehende Mannschaft gewonnen.

Fakt ist, dass der Vertrag von Franco Foda durch die verpasste Qualifikation nach dem nächsten Länderspiel gegen Schottland ausläuft. Wie es danach weitergeht? Man darf gespannt sein.

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