Die österreichische Fußballnationalmannschaft beendet das Länderspieljahr 2020 auf dem Papier erfolgreich. Bei genauerem Hinblick gibt es noch einige Defizite zu erkennen. Wir präsentieren euch vier Erkenntnisse aus den Länderspielen im November – positive wie negative.


Österreich hat einen breiten Kader

Freilich war in diesem kühlen Herbstmonat nicht alles schlecht, was die heimischen Fußballer auf den Rasen legten. So bewies eine stark-veränderte österreichische Elf, die maximal die dritte Garnitur sein dürfte, dass auch sie gewinnen kann. Der 3:0-Erfolg in Luxemburg hat einmal mehr unter Beweis gestellt, wie breit der Pool der heimischen Kicker mittlerweile geworden ist. Gernot Trauner gilt hier besonders herauszustreichen. Der LASK-Innenverteidiger war es der Österreich gegen tiefstehende Luxemburger erlöste. Philipp Wiesinger durfte zudem in seinem ersten Einsatz im ÖFB-Team wie sein Teamkollege prompt über sein erstes Länderspieltor jubeln. Die Breite, die Franco Foda derzeit zur Verfügung hat, ist ein wahrer Luxus und selbst bei europäischen Topnationen wie Belgien in dieser Größenordnung nicht gegeben.

Dem Team fehlt es an Kreativität

Obwohl der Kader breit ist und die Spieler individuell unbestrittene Klasse haben, vermag das Kollektiv nicht zu überzeugen. Zaghaftes Pressing erst ab der eigenen Hälfte und teils kreativloses Passspiel sorgen für wenig Begeisterung vor den Fernsehbildschirmen. So tut sich die Foda-Elf sowohl gegen passive Gegner wie die Nordiren, als auch gegen Spielgestalter wie bemühte Norweger, die auch auf offensives Pressing setzen, äußerst schwer. Es fehlt oft am Selbstvertrauen im eins-gegen-eins die vorhandene Klasse auszuspielen. Man darf hoffen, dass Mut und Entschlossenheit mit den Fans bald in die Stadien zurückkehren. Ansonsten würde das maue Ball-Hin-und-Hergeschiebe zwar auf den Statistik-Zetteln für Österreich sprechen, jedoch definitiv nicht bei der Unterstützung der eigenen Fans.

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Die Mannschaft kann, wenn sie muss

Dass die heimischen Kicker anders können, erkennt man immer dann wenn sie müssen. So drängt mehr die Not als der Wille David Alaba und Co. zu spielerischen Gustastückerl. Ansonsten ist es nämlich unerklärlich, warum sich die ÖFB-Elf über 70 Minuten gegen Nordirland auf die Heilskraft von hohen Bällen berief, ehe sie prompt nach dem Gegentreffer gefällig und schnell über die Mitte und Außenbahnen spielte. Der Ausgleich gegen Nordirland wurde mit der Brechstange geschossen, war jedoch ein Paradebeispiel für die mögliche spielerische Dominanz, die Österreich über 90 Minuten sorgen hätte können. Grbic´ Tore gegen Nordirland und Norwegen waren indes ein Beweis für die individuelle Klasse, welche die rot-weiß-rote-Truppe öfters hätte beweisen können.

Der Torjäger ist gefunden

Zum Abschluss noch etwas positives. Wie bereits angesprochen, bewies Adrian Grbic mit seinen Toren individuelle Klasse und Kaltschnäuzigkeit. Die schier endlose Suche nach einem Strafraumstürmer, der auch außerhalb des Sechzehners kreativ ist, könnte nun beendet sein. Grbic ist ein Musterbeispiel eines modernen Stürmers. Im Zusammenspiel mit Marko Arnautovic dürfte der Frankreich-Legionär die langersehnte Lösung für ganz vorne sein. Die Statistik von vier Treffern aus sieben Länderspielen passt – dass die Europameisterschaft um ein Jahr verschoben wurde, in diesem Fall auch.