Eckball – Kopfball – Tor, so einfach sollte es gehen, doch gerade das ÖFB-Team hatte mit dieser Formel lange seine Schwierigkeiten. Bei der Europameisterschaft 2021 wurde eine fast siebenjährige Durststrecke des Nationalteams beendet.

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Die Ära von Franco Foda als ÖFB-Teamchef war bisher von der ein oder anderen spannenden Statistik geprägt. So ist der Deutsche mit einem Punkteschnitt von 1,9 pro Spiel der erfolgreichste Langzeit-Trainer der ÖFB-Geschichte. Nur Josef Walter 1964 und Georg Schmidt 1982 holten bei ihren fünf Länderspielen an der Seitenlinie der Österreicher mit 2.0 Punkten mehr Zähler als Foda.

Eine andere Statistik adjustiert dem Mainzer aber nicht das beste Zeugnis – zumindest bis zur Europameisterschaft. Vor dem Kontinentalturnier versprühte die ÖFB-Elf desaströse Harmlosigkeit von der Eckballfahne aus. Lediglich fünf der 55 österreichischen Treffer während der Ära Foda vor Beginn der Europameisterschaft fielen im direkten Anschluss an einen Eckball.

Die jüngsten Erfolgserlebnisse nach einem Corner wurden dabei auch nicht gegen Topnationen gefeiert. Während Martin Hinteregger im Juni 2018 noch nach einer Ecke von David Alaba mit voller Wucht zum zwischenzeitlichen Ausgleich traf, war vor der Euro die Ausbeute rar. Lediglich beim 3:0-Sieg über Luxemburg sowie beim 3:1-Erfolg über die Färöer-Inseln durften Gernot Trauner bzw. Aleksandar Dragovic nach einem Eckball jubeln. Zuvor durften in der EM-Qualifikation Stefan Lainer beim 2:1 gegen Nordmazedonien und Stefan Posch beim 1:0 in Slowenien die spielentscheidenden Treffer nach dem Standard erzielen.

Wer die Auftritte der österreichischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft aufmerksam verfolgte, staunte nicht schlecht. Nicht nur die spielerische Steigerung mit offensivem Angriffspressing funktionierte gegen Italien und die Ukraine nahezu perfekt, auch nach Eckbällen durfte in rot-weiß-rot endlich wieder gejubelt werden.

Christoph Baumgartner traf nach idealer Vorlage von David Alaba mit der Sohle von Bukarest zum viel-umjubelnden 1:0-Goldtor gegen die Ukraine und Sasa Kalajdzic versprühte mit einem Traumtor gegen Italien noch einmal Hoffnung in Österreich. Der Treffer des VfB-Stürmers war das erste Kopfball-Tor nach einem Eckball eines österreichischen Stürmers im Nationaltrikot seit knapp sieben Jahren. Im Oktober 2014 erzielte Marc Janko den 2:1-Siegtreffer nach einer Ecke von Christian Fuchs in der EM-Qualifikation in Moldawien.