LASK-Spieler Reinhold Ranftl hat bereits alle Höhen und Tiefen des Fußballerdaseins durchlaufen. Nachdem er von Sturm Graz als nicht gut genug eingestuft und an das damalige Kellerkind Wiener Neustadt verkauft wurde, stand er in seiner noch jungen Karriere am Scheideweg. Er konnte sich dort jedoch schnell zum Stammspieler etablieren und sorgt heute sogar auf internationaler Bühne für Furore. Als Lohn für seine harte Arbeit über die letzten vier Jahre wurde Ranftl von Franco Foda für die letzten beiden Länderspiele des Jahres in den ÖFB-Kader einberufen. Zuerst nur auf Abruf nominiert, rückte er wegen der Verletzung von Alessandro Schöpf sogar in das Hauptaufgebot nach. Den steinigen, aber nachhaltig goldrichtigen Weg des Steirers haben wir uns angeschaut.


Anfänge und Wechsel zu Sturm Graz 

Ranftl wurde 1992 in Feldbach geboren. Nachdem er im Landesleistungszentrum in Gnas (LAZ Gnas) erstmals im Fuß fasste, startete er seinen fußballerischen Werdegang in der Jugendabteilung des SVU Kapfensteins. Sechs Jahre später wurde mit dem Ufc Fehring der damals wohl größte Verein aus der näheren Umgebung auf ihn aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. 2008 debütierte er in der Kampfmannschaft, mit der er drei Jahre in der viertklassigen Landesliga spielte. Insgesamt kam er dabei auf 47 Spiele und 4 Tore. Im selben Jahr wurde er sogar in den Kader des U17-Jugendnationalteams einberufen, für die er 22 Minuten gegen Estland spielte. 2010 erfolgte dann der Schritt zu Sturm Graz, wo er anfangs bei den Amateuren auflief. Dort kam er drei Saisonen regelmäßig zum Einsatz und bestritt im Mai 2013 sein erstes Bundesligaspiel für die Profis. Im weiteren Verlauf kam er vermehrt jedoch nur in der Reserve zum Zug, bis er von Jänner bis Juni 2014 an den TSV Hartberg in die damals erste Liga verliehen wurde.

Die Jahre des Durchbruchs 

Nach dem halbjährigen Arrangement, in dem er durchaus zu überzeugen wusste, folgte der endgültige Abgang von Sturm Graz. Um 150.000 Euro zog es ihn im Sommer 2014 zum SC Wiener Neustadt. Für die Niederösterreicher war Ranftl Stammspieler und stand stolze 30 Mal am Platz. Dabei gelang ihm im April 2015 ausgerechnet gegen Sturm sein erstes Bundesligator. Obwohl Ranftl danach eine regelrechte Serie startete (5 Tore in 5 Spielen), konnte er den Abstieg im ersten Jahr nicht mehr verhindern. Im Sommer 2015 wechselte Ranftl um 300.000 Euro zum LASK, die genauso wie Wiener Neustadt in der zweithöchsten Spielklasse vertreten waren. Er war von Anfang an ein Leistungsträger und hatte in der Saison 2016/17 mit insgesamt zwölf Scorerpunkten großen Anteil am überlegenen Aufstieg der Linzer. Danach durfte der damals 25-jährige endlich wieder Bundesligaluft schnuppern und überraschte mit dem LASK alle: Platz 4 in der ersten Saison, in der darauffolgenden folgte bereits der sensationelle Vizemeister-Titel hinter den überragenden Salzburgern.

Ranftl entwickelte sich unter Oliver Glasner rasant weiter und agiert in der aktuellen Saison als Torjäger. Mit Neo-Trainer Valerien Ismael hat der Steirer eine deutlich offensivere Rolle inne und steht nach 12 Spielen bereits bei 4 Torerfolgen und 2 Assists. Und das als Rechtsvertediger! Auch in der Europa League war Ranftl schon an 3 Toren der Linzer direkt beteiligt und schaffte es nach dem 4:1-Jahrhundertsieg gegen Eindhoven sogar in die Elf des Spieltages. Die Krönung für die stärkste Phase seiner Karriere bekam er mit der Ernennung zum Spieler des Monats Oktober in der Bundesliga. Als seine größten Stärken gelten seine Schnelligkeit und Zielstrebigkeit. Außerdem spielt er schon seit einigen Jahren im selben Team, mit fast den glichen Mitspielern, was den LASK zu einer eingespielten Truppe macht. Vor allem er und Thomas Goiginger sind ein kongeniales Duo auf der rechten Seite. Laut transfermark.at liegt Ranftls Marktwert bereits bei knapp einer Million Euro. Damit hat er diesen in den letzten vier Spielzeiten fast verdreifacht.

Erstmalige Einberufung 

All diese persönlichen Errungenschaften bewegten Teamchef Franco Foda nun also dazu, den gebürtigen Feldbacher für die Qualispiele gegen Nordmazedonien und Lettland auf Abruf zu nominieren. Nach dem Ausfall vom Schalker Alessandro Schöpf hat er es jetzt in den A-Kader geschafft. Während er sich im Heimspiel gegen Nordmazedonien wohl noch hinter Stefan Lainer auf der Rechtsverteidigerposition anstellen wird müssen, scheint ein Debüt gegen die Letten nicht ausgeschlossen. Da das ÖFB-Team nur noch einen Punkt zur Qualifikation benötigt, könnte Foda in Riga rotieren und Ranftls Stunde somit geschlagen haben. Entschieden wird dann wohl zwischen ihm und Deutschland-Legionär Christopher Trimmel.

Ranftl wurde vor seinem Abgang von Sturm mitgeteilt, dass andere mehr Talent hätten als er. Seine Laufbahn schien sich in die falsche Richtung zu bewegen, bis er es dann trotz Abstiegs schaffte, sich bei Wiener Neustadt einen Namen zu machen. Beim LASK startete er in den Folgejahren endgültig durch. Ein Ende dieses Aufstieges ist nicht absehbar. Mit 27 befindet sich Ranftl noch im besten Fußballeralter. Ein weiterer wichtiger Karriereschritt in Form eines Wechsels ins Ausland scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Steckbrief  Reinhold Ranftl
Geburtsdatum 24.01.1992 (27 Jahre)
Geburtsort Feldbach
Position Rechter Verteidiger
Verein LASK Linz
Bisherige Vereine

1999-2005 SVU Kapfenstein (Junioren)
2005-2010 USC Fehring
2010-2013 SK Sturm Graz II
2013-2014 SK Sturm Graz
2014 TSV Hartberg (Leihe)
2014-2015 SC Wiener Neustadt
2015-  LASK Linz

Budesliga-Debüt 11.05.2013 für Sturm Graz
Bilanz in der Bundesliga 113 Spiele, 12 Tore und 11 Vorlagen

 

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2 thoughts on “PORTRAIT: Reinhold Ranftl – vom Abstellgleis ins Nationalteam

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    18. November 2019 at 19:39
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    Er hat auch das LAZ in Gnas besucht… :D

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    18. November 2019 at 19:40
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    Worauf wir natürlich sehr stolz sind… :D

    Reply

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