Schlussendlich wurde der Pflichtsieg beim EM-Auftakt gegen Nordmazedonien eingefahren und Österreich hat nun alle Trümpfe in der eigenen Hand, um sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Unterm Strich war es ein hartes Stück Arbeit. Dass es das werden würde hat man nach den vergangenen, eher bescheidenen, Leistungen des ÖFB-Teams aber schon erwarten müssen. 


Was positiv war

Doppelwechsel: Der Doppelwechsel von Franco Foda nach einer knappen Stunde stellte sich als spielentscheidend heraus. Marko Arnautovic und Michael Gregoritsch ersetzten Saša Kalajdžić und Christoph Baumgartner und beide eingewechselten Spieler sollten durch ihre Tore die Partie entscheiden, wobei es vor allem für den vielgescholtenen Gregoritsch ein besonders emotionales Tor war. Die erfolgreichen Wechsel sollten dem Team Selbstvertrauen geben, dass man auf der Bank Alternativen hat, die ein Spiel entscheiden können. Der Teamchef ist hier lobend zu erwähnen, dass er sich nach 60 Minuten für den notwendigen Doppelwechsel entschieden hat und die bis dahin wirkungslose Doppelspitze ersetzte.

Chancenauswertung: Fünf gute Chancen, drei Tore. Die Chancenverwertung war ein Mitgrund für den ersten Erfolg bei einer Endrunde seit 31 Jahren (2:1-Sieg bei der WM 1990 gegen die USA). Österreich ließ in den vergangenen Jahren immer wieder zu viele gute Chancen liegen, diesmal lief es hier nahezu perfekt. Wobei man bei den Toren zum 1:0 und 2:1 die beiden Weltklasse-Assists von Marcel Sabitzer (einer der Besten heute) und David Alaba hervorheben muss.

David Alaba: Seit Jahren suchen Teamchefs nach der idealen Position für Alaba im Team. Nachdem er bei den Bayern in den letzten Jahren zum Weltklasse-Innenverteidiger avancierte, wurde er von der Öffentlichkeit auch im Team dorthin gefordert. Foda ließ damit lange auch sich warten und setzte ausgerechnet beim EM-Auftakt auf diese Variante. Wieso man das davor in keinem Pflichtspiel probiert hat, bleibt sein Geheimnis. Wie auch immer, Alaba überzeugte auf der Position, spielte eine starke Partie. Als Österreich beim Stand von 1:1 in der zweiten Halbzeit begann nervöser zu werden orientierte er sich nach vor und legte mit der besten Flanke im ganzen Spiel den vorentscheidenden Treffer zum 2:1 auf. Auch irgendwie eine Ironie des Schicksals, dass gerade er dann vom linken Flügel das Spiel mitentscheidet. Von der UEFA zurecht zum “Man of the match” gekürt.

Pflicht erfüllt: Auch wenn Nordmazedonien zuletzt Deutschland besiegt hat. Der Auftaktgegner ist eine der schwächsten Mannschaften bei diesem Turnier. Die Qualifikation hat man, nachdem man in der regulären EM-Quali nach unter anderem zwei Niederlagen gegen Österreich gescheitert ist, erst über die Nations League Liga D geschafft. Österreich war hier also klarer Favorit und brauchte den Sieg unbedingt. Andernfalls wäre die Stimmung wohl medial und öffentlich sowie vielleicht auch gleich im Team gekippt. Der schlussendlich auch erkämpfte Sieg kann nun das genaue Gegenteil bewirken und der Foda-Elf einen Motivationsschub für den weiteren Turnierverlauf bescheren. Bei den Endrunden 2008 und 2016 stand man jeweils nach Auftaktniederlagen bereits mit dem Rücken zur Wand. Mit einem weiteren Punkt gegen die Niederlande oder Ukraine ist das Achtelfinale wohl sicher, mit Glück braucht es diesen aber gar nicht mehr.

Was negativ war

Blödes Gegentor: Gerade bei einem sogenannten Pflichtsieg ist es oft von Vorteil, schnell 1:0 in Führung zu gehen. Umso blöder, wenn man sich kurz darauf durch eine Fehlerkette das Leben wieder schwer macht. Dem 1:1 durch Goran Pandev ging eine missglückte Ballannahme von Xaver Schlager im Mittelfeld voraus, dem völlig unbedrängt der Ball von der Brust viel zu weit weg sprang – Ballverlust. Es folgte ein massiver Fehler von Martin Hinteregger, der eine Hereingabe, ebenso ohne groß Druck zu verspüren, lässig mit dem Außenrist des schlechter postierten linken Fußes klären wollte und dabei Marcel Sabitzer abschoss. Souveränes Klären oder kontrollierte Ballannahme wären beides möglich gewesen. Dass dann Daniel Bachmann den Ball auch noch ausließ (es war wohl kein Stürmerfoul), setzte der Fehlerkette die Krone auf. Und Österreich machte damit plötzlich einen an sich harmlosen Gegner stärker.

Fehlendes Flügelspiel: Es ist schon seit Längerem ein Problem, dass das österreichische Flügelspiel de facto nicht vorhanden ist. Andreas Ulmer und Stefan Lainer sind solide Außenspieler, aber erfolgreiche Eins-gegen-Eins-Situationen oder Läufe bis zur Toroutlinie sucht man nahezu vergebens. Das wäre aber bei einer Aufstellungsvariante im 3-5-2, wo diese beiden die Flügel geben, notwendig. Das 1:0 von Lainer war natürlich ein hervorragender Laufweg des Gladbach-Legionärs, gefährliche Hereingaben von rechts lieferte er aber ebensowenig wie sein Gegenüber Ulmer. Wenn dann auch von den Offensiven kein richtiger Flügelspieler am Platz ist, schaut es düster aus. Das war gegen Nordmazedonien umso problematischer, als durch die Mitte kein Durchkommen war. Hier hätte ein Verbreitern des Spiels dem österreichischen Spiel oft gut getan. Valentino Lazaro ist eine Option dafür.

Fehlende Kreativität durch die Mitte: Der vorherige Punkt ist auch deswegen schwer ins Gewicht gefallen, weil beim rot-weiß-roten Mittelfeld die Kreativität fehlte, den nordmazedonischen Riegel durch die Mitte zu knacken. Xaver Schlager sowie Konrad Laimer erwischten beide nicht ihren besten Tag. Laufbereitschaft ausgenommen, die ist aber gerade bei einem EM-Spiel obligatorisch. Ein Florian Grillitsch kann sich wohl Hoffnungen machen, gegen die Niederlande in die Startelf zu rutschen. Mangels Ideen – und Bewegung der Mitspieler in offene Räume – versuchte man oft den Ball weit nach vorne in Richtung Kalajdžić oder Baumgartner zu chippen, eine erfolglose Variante. Am besten funktionierten noch die seltenen langen Diagonalbälle von Sabitzer wie beim 1:0. Schnelle Kombinationen, scharfe Bälle zwischen die Linien oder durch die Abwehr, all das war viel zu wenig zu sehen. Das technische Rüstzeug hätte das Team dazu.

Martin Hinteregger: Der EM-Auftakt war nicht die Partie von Martin Hinteregger. Dem Frankfurt-Legionär fehlte oft die gewohnte Entschlossenheit, wie übrigens auch schon gegen die Slowakei teilweise. Das ist man vom zuverlässigen Kärntner so nicht gewohnt. Nach vorne konnte er auch weniger Akzente als sonst setzen. Insgesamt steht er für eine Defensive (Ausnahme Alaba), die es dem Gegner oft zu leicht machte gefährlich zu werden. Steigerungspotential definitiv vorhanden und auch notwendig. Österreich wird für ein erfolgreiches Turnier einen Hinteregger in Topform brauchen.

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