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Moment-Aufnahme: Die Emotionen zum Auftakt-Sieg eingefangen aus Bukarest

Und plötzlich war sie da, als ob sie stets ein Begleiter dieses ÖFB-Teams gewesen wäre: die Emotion. Nach trostlosen Darbietungen der heimischen Nationalmannschaft gelingt just zum EM-Auftakt der so wichtige Sieg. Eine Moment-Aufnahme aus Bukarest.

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Wen es bei Michael Gregoritsch´ Treffer nicht aus dem Sitz gerissen hat, der muss schon gestanden sein. Egal ob vor dem Bildschirm, auf der Tribüne oder auf dem Rasen, die Emotionen sie waren da – der Weg dahin war steinig. Bereits Stunden vor Anpfiff hatten die Nordmazedonier die rumänische Hauptstadt längst mit grölenden Fan-Gesängen vereinnahmt. Die Bukarester-Altstadt wurde schon ab Freitag Treffpunkt für nordmazedonische und österreichische Fans, um sich auf das Highlight am Sonntag einzustimmen. Clubs und Bars hatten rund im die Strada Lipsicani bis zwei Uhr nachts offen – bis zur Sperrstunde erinnerte alles an die Zeit vor der Pandemie. Mit Corona-Maßnahmen wird es in der Bukarester Ausgehmeile nicht so streng genommen.

Das ganze Wochenende waren die Bars, Clubs und Schanigärten in den Straßen der Altstadt voll mit Fußball-Fans – trotz meist regnerischen Wetters. Die österreichischen Fans waren zwar in Unterzahl, haben aber mit Fangesängen auf sich aufmerksam gemacht. Außerdem wurde einfach auch zusammen mit den Nordmazedoniern geplaudert und gefeiert. Im Stadion haben die Fans der Elf um Goran Pandev mit vielen Pfiffen stellenweise für eine hitzige Stimmung gesorgt haben, aber Probleme hat es zwischen beiden Fanlagern keine gegeben. Weder vor noch nach dem Match.

Bei den Fans der Nationalmannschaft kam spätestens mit dem spontan organisierten Fanmarsch von ca 50-60 Österreichern von der Partymeile in der Altstadt zum Stadion endgültig rot-weiß-rote EM-Stimmung auf. Als im Stadion die inoffzielle Bundeshymne „I am from Austria“ ertönte, „schmützte vielen das Eis von da Sö und das Bluat wurde auf amoi schnö“. 

https://youtu.be/8J1wc1x8n_c

Es waren die ersten Höhepunkte in rot-weiß-rot, die zum Glück während der 90 Minuten noch ihren Superlativ fanden. Die Führung aus dem Nichts machte nicht nur [spielerprofil spieler=“Stefan Lainer“] zu einem Protagonisten österreichischer Fußballgeschichte – sie ließ die Stimmung kippen und die Nordmazedonier verstummen. Vorerst nur für zehn Minuten, denn als Alt-Star Pandev das erste EM-Tor der Geschichte für die Süd-Ost-Europäer erzielte, brachen neben der Pressetribüne, die die Nordmazedonier beheimatete, alle Dämme.

Die folgende Schockstarre sie war spürbar. Die breite Brust, die [spielerprofil spieler=“Xaver Schlager“] und Kollegen nach dem Führungstreffer hatten, schrumpfte wieder – der Lautstärken-Pegel aus dem Österreich-Block ebenfalls. Mutige Nordmazedonier wurden nach Seitenwechsel von ihren unerschöpflichen Fans nach vorne gepeitscht, jubeln durfte am Ende das ÖFB-Team.

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Der Hohn, der [spielerprofil spieler=“Michael Gregoritsch“] im Laufe der Saison entgegen gebracht wurde, war groß – die Erleichterung und die Emotion bei seinem Treffer überstrahlte alles. Die Fußspitze des 27-Jährigen brachte Österreich erneut in Führung – erneut dreht die Stimmung. Allen Österreichern fällt ein Stein vom Herzen und auch der so oft kühl-wirkende Franco Foda kann seine Emotionen kaum bremsen. Die folgenden 15 Minuten werden zur Show. [spielerprofil spieler=“Andreas Ulmer“], der seit seiner ersten Nationalteam-Einberufung nur gelaufen, gelaufen und gelaufen ist, hat erstmals in seiner Karriere alle Zeit der Welt sich den Ball zum Einwurf zu holen und so tickte die Uhr für Österreich.

Während es von den Ränge bereits „oh wie ist das schön“-Sprechchöre hallt, setzt [spielerprofil spieler=“ Marko Arnautovic“] den Schlusspunkt. Die Ferse von [spielerprofil spieler=“Konrad Laimer“] findet den China-Legionär und der den Weg vorbei an Dimitrievski. Den historischen Moment durften dann noch [spielerprofil spieler=“Julian Baumgartlinger“], der von [spielerprofil spieler=“David Alaba“] umarmt die Kapitänsschleife erhält, und Dauerbrenner [spielerprofil spieler=“Stefan Ilsanker“] in ihren Lebensläufen verewigen.

Und die Nordmazedonier? Sie werden nach dem Spiel von ihren Fans gefeiert, als hätten sie gerade einen Monat später im Wembley gewonnen. Wie die österreichischen Unterstützer ihr Team feiern, tun es ihnen die Süd-Ost-Europäer gegenüberliegend gleich. Die Normalität sie war wieder da – mit Sprechchören, Toren und lang-vermissten Emotionen.

Tobias Kurakin

  Tobias Kurakin (Redaktionsleitung) Bei 12ter Mann seit 3/2018