0:1 in England, 0:0 zuhause gegen die Slowakei. Das Nationalteam hat sich die EM-Generalprobe etwas besser vorgestellt. Vor allem im Match gegen die Slowaken wurde die Kreativität im Ballbesitzspiel vermisst, die gegen Nordmazedonien gebraucht wird. Aus Fansicht gibt es nach den mittelmäßigen Testspielen aber einen Strohhalm, an den man sich klammern kann: Das Trainerteam, das sowieso fix bei der EURO dabei ist, nicht abschreiben und auf eine klassische Blendgranate hoffen. 


Es war im Großen und Ganzen ein enttäuschendes Länderspieldoppel. Ein 0:1 beim EM-Mitfavoriten England und Chancen auf den Ausgleich klingen ja eigentlich nicht so schlecht. Die Engländer haben am Mittwochabend jedoch Spieler eingesetzt, die bereits aus dem EM-Kader gestrichen wurden. Gareth Southgate bot eine schwächere B-Elf auf, die gegen Österreich taktisch nicht viel machen musste.

Das Nationalteam zog sich anfangs zurück, hoffte die “Three Lions” mit Balleroberungen und Umschaltspiel zu knacken. Die Wahrheit sah leider anders aus. Defensiv sind die Österreicher in Middlesbrough tatsächlich über weite Strecken gut gestanden, die Offensive mit sehr viel Potenzial hat aber eben dieses Potenzial nicht ausschöpfen können. Mit schnellem Umschaltspiel Torchancen kreieren klappte in England kaum. Auch mit Ballbesitz war es nicht anders. Nach dem 1:0 der Engländer kam man nämlich besser ins Offensivspiel – aber das auch nur, weil sich die englische Ersatzelf zurückzog. So kam Österreich noch zu Ausgleichschancen, überzeugte aber nicht mit großer Kreativität im Ballbesitz. Die Torchancen waren einfach die logische Folge einer sehr passiven englischen Mannschaft. 

Eine Problematik, die sich gegen die Slowakei wiederholte, wenn nicht sogar erhärtete. Österreich war viel am Ball, ein großes Offensivfeuerwerk blieb jedoch aus. Das Nationalteam leistete sich kaum empfindliche Fehlpässe, es gelang aber hingegen auch selten ein guter letzter Pass. Erst mit der Einwechslung von Marko Arnautovic ging noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Letztendlich gelang aber auch im zweiten Testspiel vor der EM kein Tor, viel Positives wird Österreich aus diesen Spielen also nicht zur EURO mitnehmen. 

Offensiv fehlt die Kreativität, defensiv steht man zwar gut, es gelingt dann aber kein gutes Umschaltspiel und das Tempo im Aufbauspiel fehlt. Dazu kommen wenig nachvollziehbare Wechsel – etwa die Einwechslung des defensiven Mittelfeldspielers Stefan Ilankser für den quirligen Offensivspieler Christoph Baumgartner – gegen die Slowakei beim Stand von 0:0, wo eigentlich frische offensive Inputs benötigt wurden. 

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Gegnerbeobachter werden wohl kaum neue, lehrreiche Aufschlüsse aus den Partien mitnehmen. Denn diese Probleme sind bereits im März im Rahmen der WM-Qualifikation aufgetreten. Aber vielleicht geht es Teamchef Franco Foda genau darum. Eine klassische Blendgranate. Zwei unspektakuläre – und man muss auch sagen sportlich nicht sehr wertvolle – Testspiele, in denen für Foda-Verhältnisse sehr viel rotiert und gewechselt wurde. Vielleicht will sich die Nationalmannschaft einfach nicht in die Karten blicken lassen und bei der EURO alle überraschen. 

Es ist jedenfalls ein Strohhalm, an den man sich aus Sicht eines Fans klammern kann. Die Blendgranate. Eine geringe Erwartungshaltung, wenig Druck und sportlich zwei Testspiele, die jetzt kein herbeigesehnetes neues Gesicht der Mannschaft gezeigt haben. Im Hintergrund gibt es aber vielleicht tatsächlich taktisch ausgeklügelte Pläne, wie man alle drei Gruppengegner überraschen und souverän das Achtelfinale erreichen kann. Zu wünschen wäre es jedenfalls uns allen.

Jetzt den Teufel an die Wand zu malen bringt nichts. Dieses Betreuerteam wird fix bei der Europameisterschaft dabei sein, jetzt gilt es darauf zu hoffen, dass es sehr wohl einen Plan fürs Turnier gibt. Und darauf, dass dieser unglaublich starke Kader auch endlich mal bei einem Großereignis für Furore sorgt. Wenn nicht, dann sind wir nach der EURO wohl eh wieder auf Teamchef-Suche.