Der Schock steckt uns noch allen in den Knochen, aber die Erleichterung nimmt zum Glück langsam Oberhand. Währenddessen sorgt teilweise aber die mediale Berichterstattung rund um den Vorfall mit Christian Eriksen in unserer Redaktion für Kopfschütteln. Wir stellen uns nämlich Fragen, und zwar über ziemlich alles. 


Von Sebastian Sohm und Lukas Lorber

Nur mal kurz zusammengefasst: Wir waren vor dem Fernseher in den ersten Momenten allesamt nicht im Klaren, was jetzt wirklich passiert. Warum ist das Spiel pausiert? Wieso rollt der Ball nicht? Was ist los? So wird es nicht nur uns als Zuseher gegangen sein, sondern auch den Kollegen in den Fernsehstationen. Im Laufe der Zeit hat sich dann herauskristallisiert, was genau passiert ist und man hat schon als Zuseher bemerkt, dass hier wirklich Hilfe vor Ort benötigt wird. Und das dringend. Großes Lob hier an dieser Stelle an die ORF-Kommentatoren Anna-Theresa Lallitsch und Helge Payer, die völlig richtig reagiert und sich keinen Mutmaßungen zugewandt haben. Das war vorbildhaftes Verhalten.

Was es zu diesem Zeitpunkt nicht gebraucht hat, sind Bilder von einer Reanimation, verzweifelten Mitspielern, die die Situation abgeschirmt haben – manche sogar mit dem Gesicht zum regungslosen Mitspieler – und einer verzweifelten Ehefrau. In so einer Situation kann man wohl nie alles richtig machen, das fordern wir auch nicht. Die Situation kommt unerwartet, sie ist erschreckend und überfordert wohl jeden Menschen, der auch nur ein bisschen Empathie empfindet. Zu hinterfragen ist das ganze jedoch trotzdem, sogar sehr stark.

Man muss nicht alles sehen. In so einer Situation möchte jeder Informationen bekommen, aber niemand muss diese Bilder sehen. Niemand darf diese Bilder sehen. Es steht ganz klar in der Verantwortung der Kameramänner und Regisseure, dass man die Situation nicht einem Millionenpublikum präsentiert. Bei einem Flitzer muss laut UEFA-Vorgaben sofort die Kamera den Fokus auf etwas anderes legen. Dort wird direkt gehandelt und bei solch einer Situation wie heute in Kopenhagen können Bilder der Herzdruckmassage ohne Filter in die Welt geschickt werden? Es braucht hier eindeutig Vorgaben, um das in der Zukunft zu verhindern. Jeder Feuerwehrmann, jeder Sanitäter, jeder Ersthelfer bei einem Unfall weiß, wie schwierig so eine Situation ist. Von allen Seiten kommen Menschen daher, werfen ihre Moral über Bord und versuchen irgendeinen Blick zu erhaschen. 

Uns fällt zu dieser Situation noch einiges ein: Fotos in den sozialen Medien, die Eriksen zeigen, wie er aus dem Stadion transportiert wird. Die immer weiter steigende Anzahl an Pflichtspielen in einer Saison, die im besten Fall von UEFA oder FIFA durch noch mehr Bewerbe erhöht werden sollen und so weiter und so fort. Bevor wir uns jedoch in zu vielen Gedanken verlieren, wollten wir noch sagen: Passt auf euch auf. 

Wir wünschen Christian Eriksen nur das Beste und hoffen, dass er bald wieder gesund wird. Seiner Familie und allen Angehörigen wünschen wir viel Kraft.

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