Der UEFA droht vor der EM-Qualifikation am Sonntag ein Chaos bei der Auslosung. Schuld daran sollen die neue Nations League und der besondere Modus bei der EM-Endrunde sein. Zudem hat die UEFA mit einigen neuen Sonderregelungen den Modus der Auslosung der Qualifikations-Gruppen noch komplizierter gestaltet. Die spätere Auslosung der UEFA EURO 2020 im Dezember 2019 könnte außerdem nicht die endgültige Gruppeneinteilung bedeuten.


Ausnahmen über Ausnahmen in der EM-Qualifikation

Jetzt steht mal am Sonntag, 2. Dezember (12 Uhr MEZ in Dublin) die Auslosung der Gruppen für die EM-Qualifikation an. Im Fall der EM-Qualifikation und der Nations League fallen da ein paar (bisher) seltene Ausnahmen zusammen. Die Töpfe in der Quali-Auslosung richten sich heuer nach der Nations-League-Gruppenphase – damit hat es auch große Nationen wie Deutschland erwischt, die in der Nations League wenig überzeugt haben und so in Topf 2 rutschen.

Klingt für uns Fans ja nach spannenden Gruppen, wenn z.B. Deutschland aus dem zweiten Topf gezogen wird. Doch nachdem die EM-Endrunde 2020 in zwölf Ländern ausgetragen wird, gibt es diesmal keinen bereits fix qualifizierten Gastgeber. Dafür soll aber sichergestellt sein, dass sich der Großteil der Gastgeber für die Endrunde qualifiziert. Deshalb dürfen laut kicker.de in eine Quali-Gruppe maximal zwei Gastgeber gezogen werden – da sich pro Gruppe zwei Teams für die UEFA EURO 2020 qualifizieren. 

Die zwölf Gastgeber sind heuer aber bunt auf alle Töpfe aufgeteilt. Gespielt wird ja in England (London), Schottland (Glasgow), Irland (Dublin), Ungarn (Budapest), Deutschland (München), Spanien (Bilbao), Italien (Rom), Dänemark (Kopehagen), Russland (St. Peterburg) und Aserbaidschan (Baku). Da sind bereits einige Gruppenkonstellationen nicht mehr möglich, so sind zum Beispiel Schottland in Topf drei, Rumänien, Ungarn in Topf vier und Aserbaidschan gleich in Topf fünf zu finden. Die Dänen und auch die Deutschen werden aus dem zweiten Topf gezogen, die restlichen Teams sind in Topf eins.

Außerdem gibt es weiterhin viele politische Ausnahmen, durch die einige Mannschaften nicht zusammen in eine Gruppe gelost werden dürfen. Diese sind: Armenien und Aserbaidschan, Gibraltar und Spanien, Kosovo und Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Serbien oder Russland und die Ukraine. Dann hat die UEFA auch neue Regelungen eingeführt. Weite Auswärtsreisen sollen demnach für einige Länder Geschichte sein. Denn die UEFA möchte – wie es heißt – die Reisestrapazen minimieren und so könnte Aserbaidschan nicht auf Gibraltar, Portugal oder Island treffen. Durch diese Regelung ist auch Island in einer Gruppe mit Armenien, Zypern, Georgien oder Israel ausgeschlossen. Und die größte Ausnahme betrifft Kasachstan. Die Kasachen können nicht in einer Gruppe auf Andorra, Gibraltar, Spanien, Portugal, Frankreich, England, Schottland, Irland, Wales, Malta, Island oder die Färöer Inseln treffen. 

Zudem gibt es heuer auch wetterbedingte Ausnahmen. Da ein paar Qualifikationsrunden auch im März und im November ausgetragen werden, hat die UEFA einige Länder als Spielorte mit „einem hohen oder mittleren Risiko extremer winterlicher Verhältnisse“ festgelegt. Das sind Weißrussland, Estland, die Färöer Inseln, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen, Russland und die Ukraine. In einer Quali-Gruppe dürfen maximal zwei dieser Länder spielen.

Die Topfeinteilung für die Auslosung am Sonntag:

Topf 1: Topf 1: Schweiz, Niederlande, Portugal, England, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Kroatien, Polen

Topf 2: Deutschland, Island, Bosnien-Herzegowina, Ukraine, Dänemark, Schweden, Russland, Österreich, Wales, Tschechien

Topf 3: Slowakei, Türkei, Irland, Nordirland, Schottland, Norwegen, Serbien, Finnland, Bulgarien, Israel

Topf 4: Ungarn, Rumänien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Zypern, Estland, Slowenien, Litauen, Georgien

Topf 5: Mazedonien, Kosovo, Weißrussland, Luxemburg, Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Moldau, Gibraltar, Färöer

Topf 6: Lettland, Liechtenstein, Andorra, Malta, San Marino

Anm.: In Grün markiert = Gastgeber der UEFA EURO 2020

Doppelt hält besser – aber auch bei einer Auslosung?

Durch diese vielen sehr komplizierten Ausnahmen ist klar, dass bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen kaum jemand einen Überblick haben wird. Finden sich nach der kompliziertesten und komplexesten Auslosung in der Fußball-Geschichte aber dann doch die zehn Quali-Gruppen, dann werden nächstes Jahr in der Qualifikation 20 EM-Teilnehmer ausgespielt. Aber eben nur 20. Vier fehlen noch. Und die bringen das nächste Chaos mit sich. Denn die vier Startplätze sind ja die Wild Card-Plätze, die über die Nations League vergeben werden. Es qualifiziert sich aus den Divisionen A bis D jeweils eine Mannschaft – damit auch Underdogs. Diese werden in einem auf die Divisionen aufgeteilten Playoff ausgespielt – hängt noch davon ab, wer sich über die Qualifikation für die Endrunde qualifiziert.

Das Playoff in der Nations League um die letzten vier EM-Startplätze wird im November 2019 – nach Ende der EM-Quali – ausgelost, aber erst im März 2020 ausgespielt. Die EM-Endrunde wird hingegen im Dezember 2019 ausgelost. Das heißt: Die Auslosung zur Europameisterschaft 2020 findet mit vier „leeren“ Losen statt.

Irgendeinen Sinn wird das für die UEFA aber haben. Denn ein Blick auf den UEFA-Rahmenterminplan zeigt: Am 1. April 2020 soll es „wenn nötig“ eine weitere Auslosung für die EM-Endrunde geben. Eure Schlüsse daraus, die überlassen wir jetzt euch.

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