Wer suchet, der findet – so einfach ist die Formel, an die sich die österreichische Fußballnational-Elf halten muss, wenn sie Erfolg haben will. Die 0:1-Niederlage gegen England offenbarte Verbesserungen in vielen Bereichen, die letzte Konsequenz im Offensiv-Spiel fehlt noch immer.

Co-Autor: Christoph Bosnjak


Ernüchternd, niedergeschlagen, gar deprimiert, resümmierte der heimische Fußball-Fan den letzten Lehrgang des Nationalteams. Mit der damaligen 0:4-Pleite gegen Dänemark schien die goldene Generation endültig als Duplikat seiner selbst enttarnt. Auch wenn es zugegeben wenig schlimmer werden konnte, zeigte sich das Nationalteam im ersten von zwei Testspielen vor der EM gegen England bereits stark verbessert. Die Abwehr wirkte sortiert, hielt das Tempo und Xaver Schlager und der wieder-genesene Konrad Laimer überzeugten auf zentraler Position mit Kampfeslust. Auch Marcel Sabitzer konnte gegen die Three Lions an bessere Zeiten im Team-Trikot anschließen.

Für ein Remis hat es am Ende dennoch nicht gereicht. Der gelobte Sabitzer hatte Pech und bediente mit einer glänzenden Rettungsaktion Saka, der den einzigen Treffer des Spiels erzielte. Dass sich die Österreicher nicht auf der Anzeigetafel verewigen durften, ist einer alten Weisheit geschuldet: wer nichts versucht, hat schon verloren. Beängstigend selten versuchten die heimischen Kicker schnell und konsequent im Spiel nach vorne. Vor dem Gegentreffer fehlte neben dem Tempo die Kreativität. Teamchef Franco Foda, der zu gerne anmerkt, dass er seinen Spielern im letzten Drittel alle Freiheiten lässt, dürfte verabsäumt haben, dass es die Aufgabe eines Trainers ist, klare Instruktionen zu geben.

Ein Nationalteam, das aufgrund der wenigen Spiele im Jahr, nur selten aus perfekt eingestimmten Spielern besteht, braucht klare Vorgaben – keine Freiheiten. Ein Beispiel: Beim VfB Stuttgart konnten Außenbahnspieler Borna Sosa und Goalgetter Sasa Kalajdzic ihre Abläufe in der vergangenen Saison über Monate hinweg perfektionieren – im Nationalteam ist das nicht möglich, weshalb es konkrete Anweisungen braucht. Gegen England fehlten diese jedoch. Die fehlende Marschrichtung im Spiel nach vorne machte sich letztlich in zahllosen und erfolglosen Flanken auf den stets gut-bewachten Kalajdzic bemerkbar. So boten die Österreicher statt schnellem Kurzpassspiel vermehrt zaghaftes Ball-Hin-und-Hergeschiebe auf dem Rasen zu Middlesbrough.

Faktencheck: Wie hoch presst Österreich wirklich?

Der ein oder andere mag sich noch an das Tiki-Taka-Tor Österreichs gegen Liechtenstein in der EM-Quali 2016 erinnern – das genau genommen aus mindestens zwei letzten Pässen entstand. Derzeit ist es zumeist dieser letzter Pass der Österreich fehlt. Die Möglichkeit, diesen zu finden, liegt unter anderem in einem eins gegen eins. Die technische Stärke einzelner Spieler ausnützend, könnten sich Räume ergeben, die letztlich bespielt werden müssen.

Es ist jedoch nicht alles schlecht. Das Spiel gegen den Ball – konkret das Pressing – hat in einigen Situationen bereits gut funktioniert. Foda hat sich die Red-Bull-Vergangenheit von einem Großteil der Startelf-Spieler zunutze gemacht und ein aggressives Anlaufen beordert. Wobei man hier auch die Qualität der Engländer erkennen konnte, die, wenn sie den Ball an den Füßen hatten, oft einen zumindest kleinen Schritt voraus, und damit nur mit Fouls zu stoppen waren.

Nun muss man sich in Erinnerung rufen, dass die Partie gegen das Team von Coach Gareth Southgate nur ein Testspiel war. Da kann man bekanntermaßen das ein oder andere ausprobieren, um zu schauen, an welcher Schraube noch gedreht werden muss. Im Spiel gegen den Ball hat das Ganze bereits gut ausgesehen. Diese Marschroute sollte Foda auch bei der EM beibehalten. Beim Offensivspiel muss der Teamchef noch nachschärfen, da fehlte die letzte Konsequenz.