Vor dem Anpfiff ist die Stimmung unter den rund 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Happel-Oval gut – außer wenn Stadionsprecher Andy Marek es wagt, den Namen des heutigen Gegners in den Mund zu nehmen.

Wenig überraschend kommt die deutsche Bundeshymne bei den österreichischen Fans nicht gerade gut an. Es sind vereinzelt Pfiffe zu hören. Stadionsprecher Andy Marek mahnt: „Fairplay! Fairplay!“

Sabitzer und die Manner Schnitte

20:45 Uhr, Schiedsrichter Slavko Vincic pfeift an. Um 20:47 Uhr hat Österreich den ersten gefährlichen Abschluss. Deutschland vertändelt den Ball im Spielaufbau, Baumgartners Abschluss aus spitzem Winkel fällt zu unpräzise aus.

Kein Grund zur Sorge für Deutschland. Die Nagelsmann-Elf lässt den Ball in der Folge flüssig durch die eigenen Reihen und Österreich hinterherlaufen. Gegen den Ball steht Deutschland ebenfalls hoch, Pressingfußball trifft auf Pressingfußball.

Die Gleichung ergibt ein schnelles, unterhaltsames und ebenso ungenaues Spiel. So fehlt Gregoritsch nach 17 Minuten, als er nach einem sehenswerten Zuspiel hinter die deutsche Dreierkette durch ist, Maß.

Die Großchance gibt Österreich dafür Schub. Die Staubsauger Seiwald sowie Schlager betreiben Sisyphus-Arbeit und unterbinden wiederholt schwarz-rot-goldene Gegenstöße, womit sich die Rangnick-Elf für mehrere Minuten in der Gäste-Hälfte festsetzen kann.

Österreich belohnt sich nach einer halben Stunde. Gregoritsch legt gekonnt ab, Baumgartner hat die Übersicht, Sabitzer bekommt den Ball und schließt staubtrocken ab. Zwischen Ball und Pfosten hat keine Manner Schnitte mehr Platz. „Döp, döp, döp“ schallt es durch das Happel-Oval, danach hüpft auf den Tribünen jeder, der kein Deutscher ist.

Deutschlands Reaktion? Die bleibt aus. Österreich geht mit einer knappen Führung in die Pause.

Schnörkellos gegen dezimierte Deutsche

Für die zweite Hälfte wird Thomas Müller eingewechselt und von denen, die zu Österreich halten, ausgepfiffen.

Es bleibt laut. Mwene wird unsanft gelegt und beschwert sich bei Übeltäter Sane. Dieser hat nicht gerade einen Sahnetag, fährt seinem Kontrahenten ins Gesicht und sieht dafür Rot. Wieder hüpfen im Zuschauerraum alle, die keine Deutschen sind.

Der Platzverweis tut dem EM-Gastgeber des nächsten Jahres nicht gut. Österreich nimmt das Heft in die Hand, spielt flüssiger, ist aufmerksamer, agiert spritziger, verpasst es vorerst aber, nachzulegen – bis zur 73. Minute.

Österreich lauert und sticht dann eiskalt zu. Gregoritsch schirmt ab und steckt durch. Baumgartner lupft. Österreich 2, Deutschland 0. „Döp, döp, döp!“

Selbstverständlich ist Deutschland um eine Reaktion bemüht. Österreich hat aber Schlager (bekanntlich gleich zwei davon). Einen Distanzversuch lenkt der Salzburg-Schlussmann über das Tor.

Das Tor sollte schließlich keine der beiden Mannschaften mehr treffen – obwohl Österreich eine Fülle an Chancen hat. Entrup bekommt noch sein Länderspiel und hilft mit, das 2:0 herunterzuspielen. Einen Sieg gegen Deutschland, nehmen wir.