Franco Foda bleibt bis November 2021, also inklusive der kommenden WM-Qualifikation, Trainer des österreichischen Nationalteams. Das berichtet zumindest die Kleine Zeitung diese Woche. Bei einer erfolgreichem WM-Qualifikation gilt das Arbeitspapier natürlich auch bis zur WM in Katar. In einem Redaktionswickel diskutieren unsere zwei Redakteure Tobias Kurakin und Sebastian Sohm über die angebliche Vertragsverlängerung des Deutschen.


Pro von Tobias Kurakin

Die Coronapandemie ist nicht der ideale Zeitpunkt auf Teamchef-Suche zu gehen oder intern Unklarheiten stehen zu lassen. Während die ganze Fußballwelt Kopf steht, ist Beständigkeit ein guter Ratgeber für jede Mannschaft. Zwar ist Franco Foda mit Sicherheit nicht die perfekte Lösung für die Trainerbank im Ernst-Happel-Stadion, aber derzeit führt kein Weg an ihm vorbei.

Nach der Absetzung von Marcel Koller im Jahr 2017 wurde lang und breit über die Nachfolge des Schweizers debattiert. Anstatt eines großen Namens mit internationaler Erfahrung entschied sich der ÖFB damals für den erfolgreichen Sturm-Trainer aus Deutschland. Foda war und ist nicht die beste Wahl für den Teamchefposten, aber der Weg wurde eingeschlagen und muss nun gegangen werden. Foda hat mit dem Nationalteam den Erfolg eingefahren, der von ihm erwartet wurde. Die Qualifikation für die Europameisterschaft wurde, zugegebenermaßen ohne Feuerwerk, geschafft und die Entwicklung der Spieler geht in die richtige Richtung. Unter Foda entwickelten sich Konrad Laimer und Stefan Lainer zu absoluten Leistungsträgern im Team-Dress und auch der zuvor oft gescholtene Marcel Sabitzer spielt für das Nationalteam befreit auf. Nach drei Jahren mit Höhen und Tiefen scheint Foda langsam seinen Stamm gefunden zu haben, der kommendes Jahr bei der Europameisterschaft für Freude in rot-weiß-rot sorgen könnte.

Eine Veränderung auf der Trainerbank würde die Kontinuität stören und wäre aufgrund der gegebenen Umstände wohl alles andere als ratsam. Bei der Zielsetzung bäckt der ÖFB noch immer kleine Brötchen. Noch immer sind erfolgreiche Qualifikationen das höchste Ziel und trotz hervorragend aufgestellten Kaders ist das verständlich. Viel zu oft scheiterte Österreich in vermeintlich machbaren Qualifikationsgruppen, als dass eine Qualifikation als Selbstläufer angesehen werden kann. Das Team befindet sich im Lernprozess und vor allem in diesem ist die angesprochene Kontinuität ein wichtiger Bestandteil. Foda kann zudem sehr gut mit jungen Spielern arbeiten, wie er bereits beim SK Sturm im Jahr 2007 unter Beweis gestellt hat. Damals gelang es Foda eine junge Truppe rund um Daniel Beichler, Jakob Jantscher und Andreas Hölzl aufzubauen. Mit Blick auf den Kader des Nationalteams sicherlich keine schlechte Referenz. Foda findet demnach anscheinend den Kontakt zu Konrad Laimer, Alexander Schlager und Xaver Schlager.

Die Verlängerung Foda inklusive der WM-Qualifikation 2022 ungeachtet der Leistung der EM 2021 ist zudem nur fair. Auch Marcel Koller hatte nach verpatzter Europameisterschaft den Trainerstuhl weiterbekleiden dürfen, Foda verdient den gleichen Vertrauensvorschuss vom ÖFB. Kontinuität, Fairness, Weitsicht und zuletzt erbrachter Erfolg sind die logischen Charakteristika die Foda im Amt halten.  

Contra von Sebastian Sohm

Durch die letztendlich doch noch souveräne Qualifikation für die EURO 2020 hat sich der Vertrag des Teamchefs Franco Foda bis zur Endrunde verlängert. Wegen der EM-Verschiebung darf er sich sogar mit seinem bisherigen Vertrag ein Jahr mehr im Amt halten. Das ist, aufgrund der Qualifikation, verdient. Foda hat seinen Job erledigt. Aber hat er ihn soweit erledigt, dass sein Vertrag zum jetzigen Zeitpunkt auch gleich für die WM-Qualifikation zu verlängern ist? Ich denke nicht.

Foda hat bis jetzt nur das absolute Minimum aus seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit herausgeholt. Anfängliche sieben Siege in Freundschaftsspielen haben von den Ergebnissen her großes Erwarten lassen. Gefolgt ist allerdings nur wenig Erstaunliches. Vier Pflichtspiele, je zweimal gegen Polen und Bosnien-Herzegowina, gab es gegen Mannschaften die auf Österreichs Augenhöhe oder vielleicht ein Stück weit darüber sind. Zwei Punkte und Null geschossene Tore schauten heraus. Ansonsten gab es in der Nations League und EM-Qualifikation einige Pflichtsiege, zwei Blamagen und nur wenig spielerischen Glanz. Und das, obwohl dem Teamchef das in seiner Spitze und Breite beste Nationalteam seit Jahrzehnten zur Verfügung steht. Zudem hat der Kader auch ganz klar Stärken im aktiven und offensiven Fußball. Foda kommt aus seiner Haut aber nicht heraus und spielt selbst gegen schwächere Teams lieber mit angezogener Handbremse.

Tabellarisch haben das Halten der Nations-League-Liga B (nachdem man aus Topf 1 gezogen wurde) und der zweite Platz in der EM-Quali (hier wurde man aus Topf 2 gezogen) herausgeschaut. Es ist somit jeweils das Minimum (Nicht-Abstieg bzw. Qualifikation als Gruppenzweiter) erreicht worden. Ein solider Job, der hier erledigt wurde. Mehr aber nicht.

Für die Europameisterschaft qualifizieren sich übrigens 44% aller an der Qualifikation teilnehmenden Länder. Die EM-Teilnahme ist zwar nicht selbstverständlich, ein Scheitern wäre angesichts dieser Zahl und dem derzeit zur Verfügung stehenden Kader aber blamabel gewesen.

Sportlich gibt es daher derzeit keinen Grund mit Foda zu verlängern. Es besteht keine Not. Der ÖFB wird bestimmt keinen Anruf bekommen haben, ob Foda ab August 2021 verfügbar ist und daher unter Druck geraten sein. Vielmehr sendet man das Signal, mit der EM-Qualifikation wäre man bereits zufrieden. Egal wie die EM, oder die Nations League im Herbst (sofern sie stattfindet) verlaufen, der ÖFB würde mit Foda langfristig weitermachen wollen. Dieses Signal ist in meinen Augen falsch. Foda hat bis jetzt noch nicht bewiesen, dass er das Nationalteam besser machen kann. Wenn er dies in den nächsten 14 Monaten schafft, steht einer Verlängerung nichts im Wege. Stand jetzt, spricht aber nichts dafür.