Deutschland hat am Dienstagabend in der UEFA Nations League bekanntlich eine historische Klatsche kassiert. 6:0 in Spanien – die höchste Niederlage seit dem 0:6 in Berlin gegen Österreich im Mai 1931. 89 Jahre hat es also gedauert, bis die Deutschen wieder eine Abfuhr in dieser Höhe kassiert haben. Am 24. Mai gewinnt 1931 das österreichische Nationalteam in Deutschland mit 6:0, es ist die Geburtsstunde des sogenannten “Wunderteams“, das in der Fußballwelt noch für weitere Furore sorgt.

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Die Mannschaft von Bundeskapitän Hugo Meisl wird nach dem Spiel vor 40.000 Zuschauern in Berlin von den deutschen Medien als “Wunderteam” bezeichnet. Ein Ruf, dem sie bis 1933 auch gerecht wird. Schon acht Tage zuvor, am 16. Mai 1931, gewinnt Österreich gegen Schottland mit fünf zu null und sorgt auf der Insel für Aufsehen. Damals holt das Nationalteam einen Titel, nämlich jenen des “inoffiziellen Weltmeisters.” Das ist ein fiktiver Titel, der seit den 1870er Jahren vergeben wird. Nach einem 0:0 im allerersten Länderspiel zwischen England und Schottland 1872, setzen sich die Engländer 1873 im zweiten offiziellen Länderspiel gegen Schottland durch und holen sich den fiktiven Titel, der bis heute (derzeit Italien) weiterwandert – vorausgesetzt der aktuelle Titelträger verliert das Länderspiel. 

1931 holt sich Österreich eben gegen die Schotten, die damals Titelträger waren, die inoffizielle Weltmeisterschaft (Unofficial Football World Championships – UFWC). Die Österreicher sind damals das erste Land, das nicht aus dem Vereinigten König stammt, das sich den UFWC-Titel holt. Kurz: Die Österreicher holen diesen Titel erstmals von der Insel. Fast zwei Jahre lang wird der Titel verteidigt – weil das Wunderteam unter Hugo Meisl für Furore sorgt. Zuerst mit dem 6:0 in Deutschland, der Kantersieg wird im September 1931 mit einem 5:0-Heimsieg über die Deutschen erneut bestätigt. Zwei Spiele, 11:0-Tordifferenz gegen Deutschland 1931. Im November 1931 gelingt unter anderem noch ein sensationelles 8:1 in der Schweiz, Teamchef Meisl will den Begriff “Wunderteam” aber trotzdem aus dem Wortschatz der heimischen Medien und Fans verdrängen. “Heute gibt es keine Wunder mehr, und am allerwengisten bei uns. Der Teufel möge denjenigen holen, der diesen albernen Ausdruck erdacht hat”, so Meisl, der damals als Bundeskapitän bezeichnet wurde. Trainer war eigentlich Jimmy Hogan

Auch die nächsten Spiele sorgen dafür, dass der Begriff “Wunderteam” verankert bleibt. 1932 besiegt das Nationalteam u.a. den damaligen Erzfeind Ungarn mit 8:2. Die Krönung ist der 3:1-Heimsieg über die Schweiz am am 23. Oktober 1932. Es ist auch das Endspiel des Europapokals 1931/32 – dem Vorgänger der Europameisterschaft. Österreich gewinnt das Turnier und wird quasi Europameister – dem Wunderteam zu verdanken. Fast zwei Monate später, am siebten Dezember, verliert das Team von Hugo Meisl erstmals wieder ein Spiel. England holt sich mit dem 4:3 den inoffiziellen Weltmeistertitel zurück. Danach beginnt der “Zerfall” des Wunderteams. 

Wenige Tage nach der Niederlage gegen England gelingt noch ein 6:1 in Belgien. Am 12. Februar 1933 gewinnt Österreich in Frankreich mit 4:0, es gilt als das letzte Spiel des Wunderteams. Grund: Der Stammgoalie, der damals unvorstellbare Paraden vollbracht hat, Rudolf Hiden wird vom Präsidenten des Verein Racing Club de Paris entdeckt. Er wechselt nach Paris, sein damaliger Verein Wiener AC bekommt 80.000 Francs – umgerechnet knapp 122.000 Euro. Hiden beendet auch seine Teamkarriere. Viele andere Spieler probieren daraufhin auch ihr Glück im Ausland – der Fokus liegt nicht mehr auf der Nationalmannschaft und es schleichen sich wieder viele ungewohnte Niederlagen ein. Es ist das Ende des Wunderteams. 

Der Kader des Wunderteams:

Tor
Rudolf Hiden

Rechter Back
Roman Schramseis
Karl Rainer 

Linker Back
Josef Blum
Karl Sesta

Rechter Half/Läufer
Georg Braun
Johann Mock

Centerhalf
Josef Smistik
Leopold Hofmann

Linker Half/Läufer
Karl Gall
Walter Nausch

Rechter Flügel
Karl Zischek

Rechtsverbinder
Friedrich Gschweidl

Mittelstürmer
Matthias Sindelar

Linksverbinder
Anton Schall

Linker Flügel
Adolf Vogl