Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilen beginnt in Kürze, leider ohne die österreichische Nationalmannschaft. Bei den bisherigen 19 Auflagen des bedeutendsten Fußballturniers der Welt konnte sich die ÖFB-Auswahl acht Mal qualifizieren. Grund genug eine kleine Zeitreise zurück durch die bewegte WM-Geschichte unseres Landes zu machen, eine Geschichte voller Triumphe, Helden und Tragödien.

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Zunächst etwas Statistik: Im Laufe der Zeit absolvierte das Nationalteam insgesamt 31 WM-Spiele. Von diesen Spielen wurden 12 gewonnen, 5 Mal kam es zu einem Unentschieden und bei 14 Partien gingen die Österreicher als Verlierer vom Platz. Die Torbilanz fällt mit 46:52 leicht negativ aus. Bei vier Endrunden musste die ÖFB-Elf bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten, zwei Mal konnte die erste Runde überstanden werden und zwei Mal drangen die Österreicher sogar bis ins WM-Halbfinale vor.

 

1934, Gastgeber: Italien, Weltmeister: Italien

Nachdem die erste Weltmeisterschaft in Uruguay, vor allem auf Grund der hohen Reisekosten, noch ohne die Österreicher über die Bühne gegangen war, war es vier Jahre später so weit. Da in den Jahren zuvor das legendäre „Wunderteam“ alles in Grund und Boden gespielt hatte, zählte Österreich zu den Favoriten. Vor allem in der Heimat war die Erwartungshaltung groß, von der Mannschaft wurde nichts anderes als der Titel erwartet. Jedoch hatte ein Großteil der Wunderteamspieler schon Verträge im Ausland und stand daher nicht mehr zur Verfügung. Auch war die Vorbereitung und Organisation mehr als chaotisch. So wurden einige Nachtragsspiele der österreichischen Meisterschaft während der WM ausgetragen, wodurch manche Spieler gezwungen waren zwischen Italien und Österreich hin und her zu reisen.

Die 16 teilnehmenden Mannschaften wurden in gesetzte (darunter auch Österreich) und ungesetzte Teams unterteilt und die gesamte WM im KO-System ausgetragen. In der ersten Runde bekam es die ÖFB-Auswahl mit Frankreich zu tun, mit einem mühsamen 3:2 nach Verlängerung wurde diese Hürde genommen. Auch in der nächsten Runde behielt das Nationalteam mit einem 2:1 über Ungarn die Oberhand. Im Halbfinale wartete Gastgeber Italien und da sich Benito Mussolini den Titel wünschte, setzte er einige Hebel in Bewegung um diesen zu erreichen. So war der Schiedsrichter am Vorabend noch als Ehrengast beim „Duce“ geladen. Das Siegtor für den Gastgeber fiel, als zwei Italiener den österreichischen Keeper mit samt dem Ball in den Händen über die Torlinie stießen. Und ein anderes Mal köpfte der Schiedsrichter selbst eine Flanke aus dem italienischen Strafraum.

Im Spiel um Platz 3 setzte es eine 2:3 Niederlage gegen Deutschland, die Österreicher mussten die Mannschaft jedoch kräftig umbauen, so fehlte unter anderem Superstar Matthias Sindelar auf Grund von Verletzungen aus dem Halbfinalspiel.

 

1938, Gastgeber: Frankreich, Weltmeister: Italien

Da Österreich im Frühjahr 1938 zu existieren aufgehört hatte und jetzt ein Teil des Deutschen Reiches war, trat bei der WM in Frankreich eine aus Österreichern und Deutschen zusammengewürfelte Mannschaft an. Obwohl beide Nationalmannschaften zu den besten der damaligen Zeit gehörten, gelang es in der kurzen Vorbereitung nicht, ein funktionierendes Team zu formen. In der ersten Runde reichte es nur zu einem 1:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz. Im Wiederholungsspiel fünf Tage später setzten sich die Eidgenossen 4:2 durch und die WM war für großdeutsche Mannschaft vorbei.

 

1954, Gastgeber: Schweiz, Weltmeister: Deutschland

Bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz wurde Österreich mit Uruguay, Schottland und der Tschechoslowakei in eine Gruppe gelost. In jeder Gruppe gab es zwei gesetzte Mannschaften (Österreich, Uruguay) und zwei ungesetzte die jeweils nicht gegeneinander antreten mussten. Die beiden Gruppenersten qualifizierten sich für das Viertelfinale.

Die ÖFB-Auswahl konnte mit einem 1:0 über Schottland und einem 5:0 über die Tschechoslowakei den Gruppensieg feiern und traf im Viertelfinale auf Gastgeber Schweiz. Das Viertelfinalspiel, das unter dem Namen „Hitzeschlacht von Lausanne“ in die Geschichte einging, dürfte auch vielen jüngeren Fans ein Begriff sein. Bei tropischen Temperaturen ging die Schweiz rasch mit 3:0 in Führung. Kurt Schmied im Tor der Österreicher erlitt bald nach Spielbeginn einen Sonnenstich, durfte aber nicht ausgewechselt werden. Er wurde von einem hinter dem Tor stehenden Betreuer mit nassen Schwämmen gekühlt, dieser gab dem orientierungslosen Schmied auch Anweisungen bei Angriffen der Schweizer. Innerhalb von nur zehn Minuten konnten die Österreicher den Rückstand in eine 5:3 Führung verwandeln. Schließlich endete das Spiel mit einem 7:5 Sieg für Österreich, was bis heute das trefferreichste Spiel bei einer Fußball-WM ist.

Im Halbfinale wartete der spätere Weltmeister Deutschland und schickte die ÖFB-Elf mit einem 1:6 vom Platz was sicher auch auf die Anstrengungen beim Viertelfinale zurückzuführen war. Im Spiel um Platz 3 setzte sich Österreich mit 3:1 gegen den amtierenden Weltmeister Uruguay durch. Dieser Platz ist bis heute die erfolgreichste österreichische WM-Platzierung aller Zeiten.

 

1958, Gastgeber: Schweden, Weltmeister: Brasilien

Bei der WM in Schweden meinte es die Glücksfee nicht sehr gut mit Österreich. So wurde die Nationalmannschaft in eine Gruppe mit dem späteren Weltmeister Brasilien, dem späteren Europameister Sowjetunion und dem „Mutterland des Fußballs“ England gelost. Dementsprechend fielen auch die Ergebnisse aus. Gegen Brasilen setzte es ein 3:0, gegen die Sowjetunion hatte man mit 2:0 das Nachsehen. Im letzten Gruppenspiel reichte es zumindest zu einem 2:2 gegen England, trotzdem war die WM für Österreich als Gruppenletzter vorbei.

 

1978, Gastgeber: Argentinen, Weltmeister: Argentinien

Nach einer Durststrecke von 20 Jahren ging 1978 wieder eine WM mit österreichischer Beteiligung über die Bühne. Die 16 teilnehmenden Mannschaften wurden in vier Gruppen gelost. Die Gruppensieger und Zweiten stiegen in die Zwischenrunde auf.  Dort wurden zwei Gruppen zu je vier Teams gebildet, die beiden Gruppensieger bestritten das Finale, die Gruppenzweiten kämpften um Platz 3.  

Österreich bekam es in der Vorrunde mit Spanien, Schweden und Brasilien zu tun. Nach einem 1:2 über Spanien, einem 1:0 über Schweden und einer 1:0 Niederlage gegen Brasilien zog Österreich völlig überraschend als Gruppensieger in die nächste Runde ein. In der zweiten Gruppenphase wurde Österreich mit den Niederlanden, Italien und Deutschland zusammengelost. Doch in ersten Gruppenspiel gegen die Niederlande setzte es eine derbe 1:5 Niederlage. Da auch das nächste Spiel gegen Italien mit 1:0 verloren ging, war bereits vor dem letzten Spiel klar, dass Österreich ausgeschieden war.

Das sportlich eigentlich unbedeutende Spiel gegen Deutschland in einem gewissen Ort namens Cordoba wurde aber zu einem, wenn nicht dem größten Mythos der heimischen Sportgeschichte. Die Schadenfreude war groß als man mit einem 3:2 Sieg den amtierenden Weltmeister Deutschland ebenfalls mit nach Hause nehmen konnte. Die Bilder von damals und der legendäre Radiokommentar von Edi Finger werden jedem heimischen Fußballfan ein Begriff sein.

 

 

1982, Gastgeber: Spanien, Weltmeister: Italien

Bei der WM in Spanien spielte Österreich mit Deutschland, Algerien und Chile in einer Gruppe. Die beiden ersten Spiele gegen Chile (1:0) und Algerien (2:0) konnten gewonnen werden. Vor dem letzten Gruppenspiel stand fest, dass Deutschland unbedingt gewinnen musste, um die nächste Runde zu erreichen. Ein Sieg, der 3:0 oder höher ausfallen würde, hätte allerdings das Ausscheiden von Österreich zur Folge gehabt.

Und so kam es zu einem der unrühmlichsten Kapitel der heimischen Fußballgeschichte. Nach der schnellen Führung für Deutschland stellten beide Teams ihre Angriffsbemühungen ein. Der Ball wurde nur mehr in den eigenen Reihen gehalten oder einfach lange nach vorn geschlagen. So blieb es beim 1:0 für Deutschland und beide Teams zogen zu Lasten von Algerien in die nächste Runde ein. Die „Schande von Gijon“ hatte zur Folge dass ab der nächsten Europameisterschaft bei großen Turnieren die letzten Gruppenspiele nur mehr zeitgleich ausgetragen wurden und werden.

In der Zwischenrunde traf Österreich auf Frankreich und Nordirland. Nach einer 1:0 Niederlage gegen die Franzosen und einem 2:2 gegen Nordirland war die WM 1982 für Österreich zu Ende.

 

1990, Gastgeber: Italien, Weltmeister: Deutschland

Bei der WM in Italien traten 24 Mannschaften an welche in sechs Gruppen aufgeteilt wurden. Die Gruppensieger und Zweiten sowie die vier besten Gruppendritten erreichten das Achtelfinale. Österreich bekam es in Gruppe A mit Gastgeber Italien, der Tschechoslowakei und den USA zu tun.

Das Auftaktspiel gegen Italien ging mit 1:0 verloren, das Siegtor für die Gastgeber fiel erst zehn Minuten vor dem Spielende. Auch die zweite Partie gegen die Tschechoslowakei endete mit einer 1:0 Niederlage, diesmal fiel der Gegentreffer aus einem Elfmeter. Das letzte Gruppenspiel gegen die USA konnte Österreich nach Toren von Andreas Ogris und Gerhard Rodax mit 2:1 gewinnen. In der Rangliste der Gruppendritten reichte es jedoch nicht zu einem Platz unter den besten Vier und so musste das ÖFB-Team nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

 

 

1998, Gastgeber: Frankreich, Weltmeister: Frankreich

Die WM in Frankreich war die Erste, bei der 32 Mannschaften an der Endrunde teilnahmen. In acht Gruppen zu je vier Mannschaften wurden Gruppensieger und Gruppenzweite ermittelt, die dann ins Achtelfinale aufstiegen.

Österreich wurde in eine Gruppe mit Italien, Kamerun und Chile gelost. Das erste Spiel gegen Kamerun gestaltete sich lange ausgeglichen, etwa nach 75 Minuten gerieten die Österreicher aber in Rückstand. Als schon die Nachspielzeit angebrochen war sorgte Toni Polster mit dem Ausgleich für Jubel bei den heimischen Fans. Auch in der zweiten Partie gegen Chile sah es lange nach einer Niederlage aus. Diesmal war es Ivica Vastic vorbehalten in der Nachspielzeit für den Punktgewinn zu sorgen.

Nach zwei 1:1 Unentschieden hatte Österreich vor dem Spiel gegen Italien noch alle Chancen auf den Aufstieg. Doch zwei Tore der Italiener in der zweiten Halbzeit dämpften die Hoffnung. Zwar konnte Andreas Herzog mit einem Elfer wieder in der Nachspielzeit für einen österreichischen Treffer sorgen, aber durch die 2:1 Niederlage war die vorerst letzte WM für Österreich nach der Vorrunde vorbei.

 

 

Wie man sieht hat Österreich eine sehr bewegte und wechselvolle WM-Geschichte. Hoffentlich wird sie bald wieder um ein Kapitel erweitert, die nächste Chance dazu bietet sich 2018 in Russland.

 

(Autor: Matthias Riemer)

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