Österreich gegen Schweden. Der Kampf um Platz zwei in der Gruppe C ist voll entbrannt, der Sieger der Partie kann sich einen vielleicht entscheidenden Vorteil erarbeiten. Dennoch könnte der Qualifikationsmodus für Tränen sorgen.

"Zlatanieren" – im schwedischen Duden findet man unter diesem Verb die Beschreibung "stark dominieren". Eine Zuschreibung, die am Freitag hoffentlich auch auf das Auftreten der österreichischen Nationalmannschaft im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion zutreffen wird.

Gegen die Truppe rund um den unangefochtenen Superstar Zlatan Ibrahimovic, die in der Tabelle punktegleich mit Österreich und Irland auf Platz drei rangiert, wird das rot-weiß-rote Team einen sehr guten Tag benötigen, um bestehen zu können und den so wichtigen Dreier in trockene Tücher zu bringen.

Freilich wäre es vermessen, die Skandinavier auf ihren Leader und Kapitän zu reduzieren. Eine Tatsache, auf die auch Teamchef Marcel Koller bei jeder Gelegenheit hinweist. Schweden ist nicht nur Ibrahimovic. Er ist ein extrem wichtiger Spieler, aber wir dürfen den Fokus nicht nur auf ihn legen. Es sind auch viele andere da, die Tore schießen können“, so Koller.

 

"Ibracadabra" mit allen Freiheiten

Aus einer gesicherten Defensive heraus agiert Schweden meist in einem 4-2-3-1 System, in dem Ibrahimovic als hängende Spitze für die großen Momente sorgen soll. An vorderster Front fand sich zuletzt gegen Irland Tobias Hysen wieder, der 31-jährige von IFK Göteborg fehlt jedoch verletzungsbedingt. Somit ist wohl der Einsatz von Elmander, Torschütze beim heroischen 4:4-Remis in Deutschland, am wahrscheinlichsten. Am rechten Flügel könnte Sebastian Larsson (Sunderland) zum Einsatz kommen, sein Pendant am linken Flügel wird wohl Rasmus Elm werden, der jedoch auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann. In den letzten drei Länderspielen spielte die starke schwedische Hintermannschaft jeweils zu Null.

 

Mit breiter Brust gegen Schweden

Die Euphorie und Vorfreude der österreichischen Fans ist ungebremst, binnen kürzester Zeit war das Spiel ausverkauft. Auch die Spieler sind voller Vorfreude, die Stimmung im Team ist großartig. Martin Harnik zeigte sich angesichts der Aufregung um Zlatan Ibrahimovic genervt und meinte auf die Frage, wie man diesen entschärfen könne: Mir gefällt diese Denkweise nicht, weil wir jetzt wirklich einmal ein bisschen mit breiter Brust auftreten müssen. Wir brauchen uns vor den Schweden nicht zu verstecken.“ – eine durchaus gerechtfertigte Forderung. 

Denn vor allem die österreichische Offensive mit Arnautovic, Harnik, Junuzovic, Weimann und Hosiner kann mittlerweile jeden Gegner vor Probleme stellen und zeichnet sich durch extreme Dynamik und Variabilität aus, zuletzt gesehen in der Anfangsphase der Partie in Irland, als man Pressing und Offensivfußball in Perfektion praktizierte. 

Sicher läuft man Gefahr, dem von Beginn weg hohen Tempo Tribut zollen zu müssen, wie es in Dublin speziell nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Zlatko Junuzovic der Fall war, doch in solchen Spielen wird jeder Spieler gerne an seine Leistungsgrenzen und darüber hinaus gehen.

 

Noch Fragezeichen in der Aufstellung

Auf der Torhüter-Position hat sich Coach Koller noch nicht festgelegt, die Entscheidung wird zwischen Heinz Lindner und Robert Almer fallen, wobei Lindner in der WM-Quali zuletzt gegen Irland das Tor hütete und aufgrund seiner Spielpraxis das schlagende Argument haben könnte. 

Der zweite Platz in der Innenverteidigung neben dem fix gesetzten Aleksandar Dragovic wird noch zwischen Emanuel Pogatetz und Sebastian Prödl vergeben. Auf den Außenpositionen haben Christian Fuchs und Györgi Garcis ihr Leiberl in der Startaufstellung wohl sicher, vor ihnen im defensiven Mittelfeld werden "Mr. Triple" David Alaba und Julian Baumgartlinger versuchen, Zlatan Ibrahimovic von Beginn weg nichts ins Spiel kommen zu lassen. 

Während Zlatko Junuzovic den Platz im zentralen Mittelfeld einnehmen wird, hat Koller auf den Flügeln die Qual der Wahl. Arnautovic, Weimann, Harnik, Ivanschitz und Jantscher kommen in Frage. An vorderster Front könnten auch Hosiner oder eventuell Janko, der sich seine fehlende Spielpraxis in den von uns beobachteten Trainings nicht anmerken ließ, zum Einsatz kommen. 

Ganz gleich wie der Teamchef sich entscheidet, die Ersatzbank wird mit hungrigen Spielern besetzt sein, die mit ihrer Einwechslung zu jedem Zeitpunkt ein neues Feuer entfachen können. Und mal ehrlich, wann hat es das im österreichischen Team zuletzt gegeben?

 

Bilanz spricht für Österreich

Für Freunde der Statistik sei nicht unerwähnt, dass Österreich bisher in 32 Spielen 15 Siege, bei fünf Unentschieden und zwölf Niederlagen einfahren konnte. ​In Spielen der WM-Qualifikation sieht es mit zwei Siegen und einem Remis in drei Begegnungen vor eigenem Publikum noch besser aus. 

Und wer weiß, vielleicht ist die Partie gegen Schweden ein gutes Omen, denn zuletzt qualifizierte sich Österreich 1997 dank des inzwischen legendären Treffers von Andi Herzog aus 30 Metern zum 1:0-Sieg gegen die Nordlichter für die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich.

 

Quali-Modus könnte zum Verhängnis werden

Wenig Aufmerksamkeit wurde bisher der Novität im Qualifikationsmodus zuteil, welche besagt, dass der nach Punkten schlechteste Gruppenzweite ausscheidet und nicht an den Relegationsspielen teilnehmen wird. Wirft man nun einen Blick auf die jeweiligen Tabellenzweiten der Gruppen A – I zeigt sich folgendes Bild:

A: Kroatien 16 Punkte / 6 Spiele
B: Bulgarien 10 / 6
C: Österreich 8 / 5
D: Ungarn 11/ 6
E: Island 9 / 5
F: Israel 11 / 6
G: Griechenland 10 / 5
H: England 12 / 6
I: Frankreich 10 / 5

 
Hier liegt Österreich zum jetzigen Zeitpunkt mit acht Punkten aus fünf Spielen tatsächlich am letzten Platz dieser Wertung. Umso wichtiger wäre es, mit einem Sieg zuhause gegen Schweden wichtige Punkte zu holen, um im Falle des Erreichens von Tabellenendrang zwei nicht als schlechtester Gruppenzweiter die Segel streichen zu müssen. Undenkbar, welch Tristesse das Eintreffen dieser Konstellation in der ohnehin so gebeutelten österreichischen Fußballseele auslösen würde.

Es ist an der Zeit, mit einem Sieg vor einer elektrisierenden Kulisse die Weichen auf Endrunde in Brasilien zu stellen. Das Nationalteam besteht aus starken Individualisten, die endlich wieder mit Freude zu den Teamzusammenkünften stoßen und die die Begeisterung in der Öffentlichkeit weiter aufrecht erhalten wollen. 

Angetrieben von einem vor Selbstbewusstsein strotzenden David Alaba, der in dieser Saison auf Clubebene alle Titel abräumte, können auch Harnik, Arnautovic, Weimann & Co. ihr Potential abrufen und wenn das geschieht, könnte die schöne Schlagzeile "Österreich zlataniert" am Samstag tatsächlich Realität werden.

Es ist an der Zeit für den nächsten Schritt in eine positive Zukunft des Nationalteams – es ist an der Zeit, wieder einmal Historisches zu vollbringen!

 

(Autor: jakobp)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.