Heute Abend wird in Wien die Frage beantwortet, ob Österreich den Traum von Brasilien weiter träumen darf, oder eine WM-Endrunde einmal mehr ohne rot-weiß-rote Beteiligung über die Bühne gehen wird. Das Spiel gegen die punktegleichen Iren ist ein vorzeitiges Finale, nur der Sieger darf weiter hoffen.

"Wir müssen in Österreich gewinnen", gab der irische Startrainer mit Österreich-Erfahrung, Giovanni Trapattoni, nach der irischen Niederlage gegen die Schweden am Freitagabend die Devise für das heutige Finale aus. Es ist ein klassischer Fall dessen, was man im Fußball als "Entscheidungsspiel" bezeichnet. Der Gewinner darf sich weiterhin berechtige Hoffnungen auf Rio machen, der Verlierer wird die Segel streichen müssen. 

Beide Teams starten mit einem Negativerlebnis in die Partie, wobei die Heimniederlage der Iren wohl schmerzhafter ist, als die eingeplante, wenn auch im Zustandekommen schmerzvolle, Niederlage der heimischen Elf in Deutschland. 

Vor Selbstvertrauen strotzen werden beide nicht, es ist davon auszugehen, dass es eine zerfahrene Kampfpartie werden wird, die die 48.000 im Happel-Oval zu sehen bekommen werden.

Spannender Schlagabtausch in Dublin

Im Hinspiel der aktuellen Quali-Phase sah man in den ersten 20 Minuten den wohl stärksten Auftritt einer österreichischen Nationalmannschaft in den letzten zehn Jahren, das Koller'sche Pressing wurde in Perfektion ausgeführt, Irland hatte nichts in die Waagschale zu werfen. 

Knackpunkt war die Verletzung von Zlatko Junuzovic nach rund einer halben Stunde, die die Partie zum Kippen brachte. Ein unnötiger Elfmeter nach überhartem Einstieg von Pogatetz und ein Tor nach Eckball zur irischen Führung machten die frühe 1:0-Führung nach Tor von Harnik mehr als wieder wett. 

Österreich kam in einer turbulenten Schlussphase quasi mit dem Pfiff des Schiedsrichters zum 2:2-Ausgleich nach einem Weitschuss von David Alaba.

Irische Hoffnungen ruhen auf Keane

Der 34-jährige Kapitän, und mit 59 Toren in 127 Spielen sowohl Rekordtorschütze als auch -spieler, ist der unangefochtene Superstar im irischen Team. Im Hinspiel in Dublin hatte Keane noch verletzungsbedingt gefehlt, nun werden die österreichischen Verteidiger besonderes Augenmerk auf den Knipser legen müssen, denn Keane ist bekannt dafür auch Halbchancen in Tore umzumünzen. Abgesehen von Keane sucht man große Namen im irischen Team vergeblich, das Kollektiv ist die größte Stärke der Mannen in Grün. 

Keane konstatierte vor kurzem, dass Irland Zeit seiner Länderspielkarriere niemals einen Plan B gehabt hätte. Und dass sich das auch unter dem italienischen Startrainer nicht geändert hätte. Irland wird versuchen, über den Kampf in Spiel zu finden, eng am Mann stehen, hohe Bälle auf die Stürmer Keane und Long schlagen und so versuchen, der österreichischen Defensive weh zu tun. 

Beim 1:2 gegen die Schweden am vergangenen Freitag waren die Iren 70 Minuten lang durchaus die bessere Mannschaft, spielten viele Torchancen heraus und unterlagen letztlich unverdient. Österreich muss also gewarnt sein.

Die Aufstellung hat Trapattoni bereits im Vorfeld des Spiels verlautbart, taktische Geplänkel abseits des Spielfelds sind nicht das Seine. Mit der folgenden Elf wird Irland im klassischen 4-4-2-System ins Spiel gehen: 

Forde – Coleman, Dunne, O'Shea, Wilson – Walters, Green, McCarthy, Pilkington – Keane, Long

Gegenüber dem Schweden-Spiel wartet "Trap" mit zwei Änderungen auf, Paul Green von Leeds United ersetzt den verletzten Glenn Wheelan, etwas überraschend ist die Nominierung von Anthony Pilkington, der anstelle von James McClean auflaufen wird.

Österreichische Aufstellung macht sich von selbst – oder überrascht Koller?

Einen anderen Weg als der irische Coach wählt Marcel Koller, der sich mit der Aufstellung traditionell bis kurz vor Spielbeginn bedeckt hält. Das Deutschland-Spiel hat ihm mit Sicherheit einiges zu denken gegeben. 

Man denke nur an die katastrophalen Fehlpässe seines Kapitäns, dem man eigentlich die meiste Routine innerhalb der Truppe attestieren möchte. Oder die blassen Vorstellungen der gesamten Offensivabteilung um Arnautovic, Ivanschitz, Harnik und Weimann. 

Ganz klar, ein Spiel gegen eine der besten Mannschaften der Welt deckt Schwachstellen gnadenlos auf. Deswegen wäre es aber dennoch unklug, gerade vor so einer wichtigen Partie den Spielern, die bereits bewiesen haben, dass sie imstande sind, gute Leistungen abzurufen das Vertrauen zu nehmen und stattdessen unerfahrene Spieler, mit der Gefahr, sie zu verheizen und medial abwatschen zu lassen, ins kalte Wasser zu werfen. 

Die einzige Frage, die sich stellt, ist wohl jene nach dem Platz im Angriff. Gerade gegen die Iren könnte ein Turm á la Marc Janko im Strafraum bei Standards und Flanken eine effektive Waffe sein. Zumal die Alternative Andreas Weimann in seinen bisherigen Auftritten im Trikot des Nationalteams noch recht wenig überzeugen konnte und wohl eher als Joker eingesetzt werden wird. 

Julian Baumgartlinger wird nach seiner Gelb-Sperre ohne Schockerlebnis in die Startelf zurückkehren und neben Veli Kavlak, der trotz Nasenbeinbruchs spielen wird, die Drecksarbeit im defensiven Mittelfeld verrichten. 

Den Platz im offensiven zentralen Mittelfeld könnte stattdessen David Alaba übernehmen, nachdem Ivanschitz in Deutschland weitestgehend nicht vorhanden war. Auf den Flügeln hofft Koller wieder einmal auf Genieblitze eines Marko Arnautovic – hoffentlich nicht erneut vergeblich. Martin Harnik könnte auf der rechten Seite gegen Irland besser ins Spiel kommen und im eins-zu-eins mehr Nadelstiche setzen als gegen die Deutschen.

Wie vor jedem Länderspiel haben wir auch diesmal unsere redaktionsinterne Aufstellung für das aktuelle Länderspiel zusammengestellt – mit dieser Startelf würden wir das ÖFB-Nationalteam heute gegen Irland ins Rennen schicken:

 

 

 

 

"Müssen jetzt schauen auf Tabelle!"

Zum Zeitpunkt des Anpfiffs in Wien werden die Spieler bereits über das Ergebnis des Auswärtsspiels der Schweden in Astana gegen Kasachstan informiert sein. Spätestens bei einem wahrscheinlichen Sieg der Schweden wird klar sein, dass nur der Sieger dieser Partie weiter Chancen auf den begehrten zweiten Platz hinter Deutschland haben wird. 

Zurecht erinnerte Giovanni Trapattoni in der Pressekonferenz vor dem Spiel in seinem einzigartigen Dialekt: "Wir müssen jetzt schauen auf Tabelle.". Damit bringt Trapattoni es gewohnt subtil auf den Punkt, sagt aber alles, was gesagt werden muss. Drei Punkte müssen her, um den großen Traum aufrecht zu erhalten – das gilt für beide Mannschaften. 

Die Begegnung hat absoluten Endspiel-Charakter und das wird allen Beteiligten bewusst sein. Wie die drei Punkte zustande kommen, interessiert niemanden – aber sie müssen her. Eine Niederlage und somit das Abhaken des WM-Traums könnte innerhalb des Verbandes für einiges an Kopfzerbrechen sorgen und auch punkto Vertragsverlängerung Marcel Kollers eine Rolle spielen. Wie wohl Kollers Primärziel ja eigentlich die Qualifikation für die EM 2016 war und nach wie vor ist – vielleicht haben wir uns da von vielen starken Auftritten und der sichtbaren Verbesserung in den letzten beiden Jahren etwas zu sehr blenden lassen.

Und ein persönlicher Aspekt des Autors am Rande sei kurz gewährt: Auch die Reise zum Auswärtsspiel nach Schweden würde sich bei einem Nicht-Sieg um einiges unspannender präsentieren…

Auf den 12.Mann wird wieder einmal Verlass sein, die Zuschauer im Prater-Oval werden die Mannschaft nach vorne peitschen und alles geben, um sie zum so wichtigen Sieg zu tragen. Und auch ein Großteil der 12terMann-Redaktion wird dem Team vor Ort die Daumen drücken, bis es schmerzt.
 

(Autor: jakobp)

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