Nun haben wir Gewissheit: Neo-ÖFB-Präsident Gerhard Milletich bestätigte nach dem Heimsieg gegen Moldawien, dass man mit Teamchef Franco Foda in die anstehenden WM-Playoffs gehen wird. Das ist in Anbetracht der aktuellen Situation auch die beste Entscheidung. Warum? Mehrere Gründe sprechen dafür.


Würde man Foda nun aus seinem Amt entlassen, würde man beim ÖFB die Baustelle, die gewiss besteht, unnötig vergrößern. Man wäre unter Zugzwang und müsste sich schleunigst nach einem Teamchef umsehen, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass möglicherweise nicht die besten Kandidaten verfügbar sind, da diese mit anderweitigen Aufgaben betraut sind.

Lässt man Foda im Amt, kann man einige Monate lang (spätestens bis März), intern – im Verband – sowie extern – beispielsweise mit Experten -, Gespräche führen, schon einmal am Profil eines neuen Teamchefs feilen und mögliche Kandidaten sondieren. Damit wird auch dem Risiko einer Hauruck-Aktion entgangen.

Ein Etappensieg wurde zudem bereits erreicht. Man hätte Foda theoretisch bereits nach den Oktober-Länderspielen (2:0 gegen Färöer, 0:1 gegen Dänemark) absetzen können, hat aber an ihm festgehalten und die kürzlich absolvierten Aufeinandertreffen gegen Israel und Moldawien erfolgreich bestritten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Man kann in Ruhe arbeiten. Teamchef Foda ist nun fix bis März angestellt. Würde man den Deutschen jetzt vor die Türe setzen, wäre der ÖFB, vor allem in Person von Milletich, regelmäßigen Fragen nach dem zukünftigen Teamchef ausgesetzt. Es würden Gerüchte und Spekulationen aufkommen – und damit möglicherweise der ein oder andere Kandidat abspringen. Das alles braucht der ÖFB in seiner aktuellen Situation nicht.

Darüber hinaus: Bringt ein neuer Coach das Nationalteam wirklich auf die Siegerstraße? Man stelle sich vor, der neue Teamchef, der vor dem wichtigen WM-Playoff übrigens keinen einzigen Lehrgang mit seinen Spielern bestreiten kann, scheitert in seinem ersten Spiel und versemmelt damit die Qualifikation für die WM. Das wäre ein denkbar schlechter Start.

Lässt man Foda im Amt, kann man eigentlich nichts falsch machen. Sollte er im WM-Playoff scheitern, kann man ihn mit der Begründung, das vorgegebene Ziel nicht erreicht zu haben, entlassen. Sollte man im Playoff tatsächlich erfolgreich sein und sich für das Großereignis in Katar qualifizieren, kann man sich danach immer noch zu Gesprächen zusammensetzen, die Ära Foda abermals reflektieren und schlussendlich eine Entscheidung treffen, ob es mit dem Mainzer weitergehen soll oder eben nicht.

Foda kennt die Spieler, die Spieler kennen ihn. Beide Seiten wissen, was sie von der jeweils anderen erwarten können. Installiert man jetzt einen neuen Teamchef, holt man sich Mr. X ins Boot. Und mit einem neuen Teamchef geht, wie gesagt, nicht automatisch Erfolg einher.