Nach den beiden Nations-League-Spielen gegen Kroatien und Dänemark geht das ÖFB-Team im ersten Lehrgang unter Teamchef Ralf Rangnick in die Halbzeit. Was bereits jetzt feststeht: Dieses Team macht Lust auf mehr.

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In-game Coaching par excellence

Das haben Marko Arnautovic und Co. bereits im kroatischen Osijek unter Beweis gestellt. So war sich Rangnick ziemlich schnell bewusst, dass die rot-weiß-rote Dreier- respektive Fünferkette vor allem auf den Flügeln anfällig für kroatische Vorstöße war. Nach einem kurzem Zuruf von der Seitenlinie aus war das Problem allerdings bereits gelöst und es wurde auf eine Viererkette umgestellt. Kurz vor der Pause ging man mit 1:0 in Führung.

Jetzt hätte man darüber nachdenken können, die Führung in der zweiten Hälfte über die Zeit zu bringen. Möglicherweise einen Defensivakteur einzuwechseln und den Kroaten den Ball zu überlassen. Der Teamchef nahm dann zwar Arnautovic vom Feld, der durch Nicolas Seiwald ersetzt wurde und mit Christopher Trimmel kam ein Defensivspieler in die Partie. Die knappe 1:0-Führung wurde jedoch keineswegs verwaltet. Stattdessen spielte man weiter nach vorne und lag nach 60 Minuten bereits mit 3:0 voran. In der letzten halben Stunde ließ man nichts mehr anbrennen und holte beim Debüt von Rangnick einen überraschenden Sieg.

Herrschte im Auswärtssektor in Osijek pure Euphorie, wussten die Verantwortlichen den Sieg richtig einzuordnen. In der letzten Stunde habe man es zwar gut gemacht, die ersten 25 bis 30 Minuten offenbarten jedoch Verbesserungspotenzial.

12terMann.at war beim Länderspiel in Osijek live vor Ort.

Eine wertvolle Niederlage

Schon bei seiner Antrittspressekonferenz kündigte Rangnick Rotation an – und die gab es im Heimspiel gegen Dänemark dann auch. Nur Xaver Schlager und Konrad Laimer blieben im Vergleich zum Spiel in Kroatien in der Startelf. Dennoch wirkte die Elf auf dem Platz wie eine Einheit. Man feuerte sich bei jeder gelungenen Defensivaktion gegenseitig an. Man spielte mutig und mit einem klaren Plan nach vorne, eroberte im gegnerischen Drittel viele Bälle und bot den Zuschauerinnen und Zuschauern trotz eineinhalbstündiger Verspätung einen hohen Unterhaltungswert.

Auch David Alaba scheint seine Position im Team endlich gefunden zu haben. Rangnick kündigte bereits an, dass er ihn im Zentrum am stärksten sieht. Damit sollte der Deutsche recht behalten. Der Abwehrspieler von Real Madrid machte als Innenverteidiger am Montag eine sehr starke Partie.

Im Oktober 2021 analysierte Laimer nach der 0:1-Auswärtsniederlage in der WM-Qualifikation gegen Dänemark, dass man im letzten Drittel nie gefährlich wurde und der letzte Punch gefehlt habe. Nur wenige Monate später war das komplette Gegenteil zu sehen. Man hatte 17 Abschlüsse, wenn auch nur einer aufs Tor ging. Einmal traf man den Pfosten. „Die Dänen haben eine unglaubliche Physis, ihre Leute hinten sind gefühlt alle 3,10 Meter groß“, gab Laimer im Oktober ebenso zu Protokoll. Und obwohl die dänische Hintermannschaft eine starke Performance ablieferte, stellte man sich ihr mit breiter Brust entgegen und war, trotz Größenunterschieden, mindestens ebenbürtig.

Man hatte nie das Gefühl, als würden die Spieler auf dem Feld die Köpfe in den Sand stecken und sich vorzeitig mit einer Niederlage abfinden. Selbst nach dem unglücklichen 0:1 durch Højbjerg raffte man sich auf und glich in der zweiten Hälfte zum 1:1 aus. Mit einer Punkteteilung hätten sich beide Seiten wohl zufriedengegeben – Stryger Larsen hatte allerdings andere Pläne.

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Und trotz der 1:2-Niederlage kann man stolz auf die Leistung der Mannschaft sein. Fußball ist zwar ein Ergebnissport, manchmal tut es jedoch gut zu wissen, dass das Team bis zum Schluss alles in die Waagschale wirft und sich nicht mit einer Niederlage zufriedengibt – auch wenn diese schlussendlich nicht verhindert werden konnte. Und nochmal: Das Spiel gegen Dänemark war erst das zweite Länderspiel unter Ralf Rangnick, in dem im Vergleich zur ersten Partie gleich neun Neue starteten.

Eines ist jedenfalls gewiss: Es macht wieder Spaß, dem Nationalteam zuzuschauen. Man fiebert bis zum Schluss und fühlt mit den Spielern mit, wenn sie als Verlierer vom Platz gehen. Man sollte zwar nicht alles in den Himmel loben. Es wird selbstverständlich auch Rückschläge geben. Eine positive Entwicklung ist jedoch bereits jetzt erkennbar. Es scheint als hätte man es geschafft, das Feuer, das die letzten Jahre und Monate nur glühte, endlich zum Lodern zu bringen. Das macht Lust auf mehr.