Franco Fodas taktische Ausrichtung lässt sich am besten am Duo Ilsanker-Baumgartlinger festmachen. Gemeinsam lassen die Abräumer jede noch so spielerisch starke Offensive an sich zerschellen.


Egal ob gegen die Fußballästheten aus Nordirland, die filigranen Ballkünstlern aus Lettland oder die Kurzpass-Revoluzzer aus Norwegen, Franco Foda setzt auf die nahezu bahnbrechende Entdeckung der Doppelsechs. Ob der schieren Übermacht der genannten Gegner ist es kein Wunder, dass Julian Baumgartlinger, Stefan Ilsanker oder Florian Grillitsch die Aufgabe zukommt, die drohende Angriffsflut zu unterbinden. Der altbekannte Spruch mit einer Offensive gewinnst du Spiele, mit der Defensive Titel dürfte Franco Foda so gefesselt haben, er würde sich gut als Tattoo-Motiv für den Deutschen im Falle eines Europameistertitels anbieten. Fraglich bleibt nur, ob auch Fans und Medien einen Titel mitfeiern könnten, bringt der von purer Ekstase sprühende Fußball jedes noch so gesunde Herz an seine Grenzen.

Nahezu keine nennenswerte offensive Alternativen finden sich im Pool der Nationalmannschaft. So wäre eine Kombination aus einem Sturm rund um Gribic, Kalajdzic und Gregoritsch nur verschwendeter Platz am Taktik-Board, der dem kongenialen Defensivduo Ilsanker-Baumgartlinger Raum zur Entfaltung stehlen würde. Zusammengerechnet kommen Österreichs Sechser (Laimer, Baumgartlinger, Ilsanker, Grillitsch) in 148 Länderspielen auf beachtliche drei Tore. Die spielerische Klasse sei den genannten hier nicht in Abrede gestellt. Es mag Gegner wie die Niederlande geben, gegen die die Doppelsechs ein 1:6 auf der Anzeigetafel verhindern könnte.

Ob, frei nach Hans Krankl, uns ganz Europa für das Defensivduo noch beneiden wird, bleibt trotzdem fraglich. Ähnlich wie der Fakt, ob das heimische Nationalteam nach Rückstand eine Partie mit dieser Ausrichtung noch hoch gewinnen könnte. Dabei müsste es sich ja nicht um eine einfache Aufgabe handeln, wie ein 0:5 zur Pause gegen Spanien zu drehen. Man würde sich schon eine knallharte Herausforderung wie ein 0:1 gegen Lettland als Gradmesser erwarten, um die Variabilität im fodschen Konstrukt zu ergründen. Denn nur die fußballerischen Künstler aus dem Baltikum dürften es schaffen, sich den Weg durch die schier unüberwindbare Defensive zu bahnen. Oder eben auch Griechenland, Norwegen, Rumänien, Nordmazedonien