Auch in der Ferne darf man siegen.

Das ÖFB-Nationalteam will in Moldawien seine Auswärtsschwäche ablegen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass man sich in Osteuropa schwer tut. Das Auswärtsspiel im Rahmen der WM-Qualifikation gegen Kasachstan (0:0) könnte möglicherweise sogar die WM-Teilnahme gekostet haben.

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Die letzte Reise in das osteuropäische Land ist den österreichischen Fußballfans noch in schlechter Erinnerung. Am 7. Juni 2003 verlor man in der EM-Qualifikation in Tiraspol mit 0:1. Auch gestandene Kicker wie Martin Stranzl, Alexander Manninger oder Paul Scharner konnten die Niederlage damals nicht verhindern. „Diese Niederlage ist keine Blamage, im heutigen Fußball gibt es keine Blamagen mehr“, versuchte der damalige Teamchef Johann „Hansi“ Krankl danach zu beschwichtigen. Für Moldawien war es der erste Sieg in einer EM-Quali-Runde nach acht Jahren. Zuvor hatte sich Österreich in Wien nur durch zwei Elfmetertore von Andreas Herzog einen 2:0-Sieg erkämpft. 

Teamchef warnt vor Selbstüberschätzung

Nach dem 1:1 gegen Schweden steht die Koller-Elf bereits gehörig unter Zugzwang. Aus den beiden Duellen gegen das kleine Land nordöstlich Rumäniens sind sechs Punkte eingeplant, zumal Konkurrent Montenegro die erste Pflicht bereits erfüllt hat und Moldawien mit 2:0 nach Hause schickte. 

Der Teamchef warnt aber davor, die beiden kommenden Gegner in der EM-Quali zu unterschätzen. „Es wäre gut, wenn wir nicht vorher groß reden, dass wir sechs Punkte holen werden, sondern es auf dem Platz zeigen“, so der Schweizer im Vorfeld des Länderspiel-Doppels. 22 Spiele habe er von den beiden Mannschaften analysiert, alleine zwölf von den Moldawiern. Da diese aber nun ihr erstes Spiel unter einem neuem Trainer bestreiten, könnte nun sowieso alles anders sein. Seine Spieler würden sich aber auf eine harte Gangart seitens der Osteuropäer einstellen müssen.

Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass sich das österreichische Team bei vermeintlich schwächeren Gegnern aus dem Osten Europas regelmäßig schwer tut. In der Qualifikation zur WM 2014, als auch in jener zur EM 2012 schaffte man in Kasachstan zwei Mal nur ein 0:0. Bei der Ausscheidungsrunde zur WM 2010 zerstörte eine 0:2-Niederlage in Litauen die nach einem 3:1-Auftaktsieg über Frankreich aufgekommene Euphorie. Und auch 2005 gelang beim 0:0 in Aserbaidschan kein Tor. 

Allein diese Ergebnisse zeigen, dass das Spiel in Chisinau am Donnerstag (20.45 Uhr) alles andere als ein Selbstläufer werden wird.

Probleme sind hausgemacht

Meist sind es gar nicht die Gegner, die die österreichische Mannschaft vor unüberwindbare Hürden stellen. Zwei Problemzonen haben sich in den letzten Spielen herauskristallisiert, die es im Kurz-Trainingslager in Stegersbach zu beseitigen gilt. 

Dem Team vorzuwerfen, dass es nicht in der Lage sei, das Spiel zu gestalten wäre falsch. Das gelingt nämlich ganz gut. Schwer wird es erst, wenn sich die gegnerische Mannschaft weigert, an diesem teilzunehmen. Das hat sich im Heimspiel gegen Schweden deutlich gezeigt. In den Phasen als sich die Skandinavier lustlos den Ball in den eigenen Reihen zuschoben, fand man keine Möglichkeiten zusätzlichen Druck zu erzeugen. Dass der Wille dazu dagewesen wäre ist unbestritten. Daher liegt die Gefahr auch am Donnerstag wieder darin, dass die Moldawier sich von vornherein hinten reinstellen und es darauf absehen, das Spiel zu zerstören. Agieren sie ihrerseits offensiv, wird Österreich zu Chancen kommen.

Womit wir auch schon beim zweiten großen Problempunkt angelangt wären. Einfach gesagt: die Stürmer treffen das Tor nicht. Die Tatsache, dass die Startelf des Schweden-Spiels in den jeweiligen Ligen noch ohne Torerfolg ist, untermauert das. Spieler wie Arnautovic, Harnik oder Janko, die in der Vergangenheit bereits Tore erzielt haben (zusammen respektable 34 im Team) schaffen es nicht mehr, ihre Gelegenheiten, die sie durchaus vorfinden, im Tor unterzubringen. Marko Arnautovic läuft einem Treffer im Team-Trikot gar seit seinen beiden Treffern in einem Test gegen die Ukraine (3:2) am 1. Juni 2012 hinterher. 

Martin Harnik hat in der laufenden Saison ebenso wenig wie Arnautovic getroffen, einzig Marc Janko hat zwei Treffer – in Vorbereitungsspielen für Sydney FC – zu Buche stehen. Bereits gestern haben wir in unserem eigenen Bericht den aktuellen ÖFB-Teamkader einem Formcheck unterzogen („ÖFB-Formcheck vor Moldawien und Montenegro„).

Bisher hatten die drei Offensiv-Akteure ihren Stammplatz im Team fix, da konnte rundherum noch so viel passieren, Koller gab gegenüber den Kritikern nicht nach. Stellt er die drei wieder auf und bleibt erneut ein zählbarer Erfolg aus, macht er sich zum ersten Mal sehr angreifbar.

Sicherheitsvariante oder Risiko?

Überhaupt darf man auf die Startaufstellung sehr gespannt sein. Kollers Kader ist mittlerweile auch qualitativ breit genug aufgestellt, um zu variieren. Der Tormannfrage soll hier gar nicht allzu großes Gewicht verliehen werden, da ohnehin davon auszugehen ist, dass Robert Almer aufläuft und mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit andere Positionen das Spiel entscheiden werden. Dass Koller kein großer Freund von Experimenten, schon gar nicht bei Bewerbsspielen ist, hat sich bereits gezeigt. Daher werden die ganz großen Überraschungen wohl ausbleiben. Zumindest nachdenken darf man aber über die Besetzung der Außenpositionen. Christian Fuchs hat seine Nebenleute gegen Schweden das ein oder andere Mal ins Schwitzen gebracht. Einer der beiden Innenverteidiger ist fraglich, Martin Hinteregger ist mit einer Knieverletzung zum Team gestoßen, seine Einsatzfähigkeit wird sich im Laufe des Tages herausstellen. 

Sollte Koller rotieren, so werden schlussendlich die offensiven Spieler in Frage kommen. Die Idee, Valentino Lazaro als Außenverteidiger aufzustellen, klingt zwar interessant, wurde jedoch bereits verworfen. Positiv stimmt, dass die zentrale Achse Dragovic – Hinteregger – Alaba – Baumgartlinger – Junuzovic bestens funktioniert und vor allem defensiv sehr wenig zulässt.

An vorderster Front könnte nun vielleicht sogar Lukas Hinterseer zum Einsatz kommen. Mit Okotie, Janko oder der Variante mit einer „falschen Neun“ in Form von Martin Harnik stehen dem Nationaltrainer einige Möglichkeiten offen. Wer schlussendlich aufläuft, weiß wohl nur Koller selbst. 

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Moldawier hoffen auf Trainereffekt

Kaum ein Spieler im Kader des Gegners ist hierzulande jemandem ein Begriff. Der Großteil der Kicker der moldawischen Nationalmannschaft verdient sein Geld in der heimischen Liga. Dazu gesellen sich einige Legionäre, die in Russland, Rumänien oder der Türkei spielen. Mit dem zentralen Mittelfeldspieler Artur Ionita von Hellas Verona haben die Osteuropäer einen Mann in ihren Reihen, der heuer in der Serie A bereits zwei Tore erzielt hat und durchaus auch gegen Österreich für Gefahr sorgen könnte. 

Die Abwehr soll der routinierte Alexandru Epureanu zusammenhalten, der immerhin schon bei den russischen Klubs Anschi Machatschkala und Dinamo Moskau unter Vertrag war, inzwischen kickt er bei Basaksehir Istanbul. 

Im ersten Spiel der laufenden EM-Qualifikation in Montenegro schickte der mittlerweile entlassene Trainer Ion Caras seine Mannschaft in einer 3-4-3-Formation aufs Feld. Die Stürmerreihe bildeten mit Alexeev, Antoniuc und Dedov damals ausschließlich Leute aus der moldawischen Divizia Nationala. 

Wie der neue Mann auf der Bank, der bisherige U21-Coach Alexandru Curtianu, seine Mannschaft am Donnerstag aufs Feld schickt, ist schwer zu erahnen. Er wird jedenfalls alles daran setzen um seine Karriere mit einem positiven Erlebnis zu beginnen.

Zwei drittletzte Plätze in den Qualifikationsrunden für die EM 1996 und 2008 waren bisher in der Endabrechnung das Höchste der Gefühle, ansonsten musste man immer mit dem letzten oder vorletzten Platz vorlieb nehmen. Immerhin schaffte Moldawien aber bereits Siege über Ungarn, Wales und den aktuellen Gruppengegner Montenegro. 

Selbstvertrauen für Montenegro

Für das Heimspiel gegen Montenegro ist ein positives Abschneiden der österreichischen Auswahl am Donnerstag enorm wichtig. Mit einem Erfolgserlebnis im Gepäck ließe es sich auch gegen die stärker einzuschätzende Truppe um die Stars Vucinic und Jovetic leichter spielen. Vor eigenem Publikum soll am Sonntag im Ernst-Happel-Stadion (18.00 Uhr) der Länderspiel-Doppelpack erfolgreich abgeschlossen werden. Mit zwei Siegen und entsprechenden Resultaten in den anderen Gruppenspielen könnte Österreich die Führung in Gruppe G übernehmen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

(Jakob Penner)