David Alaba, Martin Harnik und Marc Janko – sie waren die drei Helden, die sich am 8. September 2015 in Stockholm auf der Anzeigetafel verewigten. Nach einem fulminaten 4:1-Sieg über Schweden durfte sich am Ende jeder Fan, Spieler und Funktionär als Sieger fühlen, dessen Brust ein Adler zierte.


Der Sieg gegen Schweden bedeutete die historisch-erstmalige sportliche Qualifikation für eine Fußball-Europameisterschaft. Der beim Amtsantritt noch verhöhnte Teamchef Marcel Koller stieg von Medien und Fans hochgejubelt in den heimischen Fußballolymp auf und war nicht gewillt von diesem abzusteigen. Die furiosen Darbietungen der rot-weiß-roten Ballkünstler in Stockholm waren der Höhepunkt einer furiosen Reise, die über Russland, Schweden, Montenegro, Moldawien und Liechtenstein schließlich nach Frankreich führte.

Jedem Beginn wohnt bekanntlich ein Zauber inne und auch der österreichische Schönwetterfan hielt es damals mit Hermann Hesse und erwartete, ob der glänzenden Qualifikation, ein schillerndes Turnier. Die Erwartungen wurden jedoch leider enttäuscht und der Zauber, der sich in der Formation 4-2-3-1 so glorreich verbreitete, wurde von Ungarn, Portugal und Island bei der Endrunde entschlüsselt. Ein Punkt und ein Tor waren zu wenig, um den Traum für mehrere Wochen aufrechtzuerhalten. Was folgte, war der Abstieg vom Olymp auf den Boden der österreichischen Raunzer-Mentalität. Der Zauber von Stockholm, er war verblichen und auch die Helden von damals sind nicht mehr zur Gänze jene, die wir “unsere Nationalspieler” nennen dürfen. Kapitän Christian Fuchs, Doppeltorschütze von Stockholm Martin Harnik, der Retter gegen Portugal Robert Almer und die “Strafraumkobra” Marc Janko, sowie das Hirn Zlatko Junuzovic haben ihr rot-weiß-rotes Trikot an den Nagel gehängt. Auch Marcel Koller musste seinen Schreibtisch räumen.

Die Helden von damals sie sind nicht mehr. Das Schützenfest von Stockholm ist ein Kapitel österreichischer Sportgeschichte, mit Betonung auf den zweiten Wortteil. Das anbrechende neue Jahrzehnt bietet genug Fläche, um neue Epen von Sieg und Gloria heimischer Kicker zu schreiben. Der Zauber kann oder muss eigentlich wieder gefunden werden, denn er ist es, der den Sport ausmacht und uns in sehnsüchtiger Manier fesselt. Die Fußstapfen sind groß, besonders jene von Janko, auszufüllen sind sie jedoch allemal und vielleicht gibt es ja bereits 2020 ein versöhnlicheres Ende der erfolgreichen EM-Qualifikation. 

 

Für alle Nostalgie-Fans empfehle ich den Artikel von Kollegen Lorber, der uns nochmal durch die Frauen-EM 2017 führt:

Als Österreich sein ganz persönliches Sommermärchen erlebte

 

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