Nach den ersten beiden Länderspielen im Kalenderjahr 2020 ist es auch an der Zeit eine erste Bilanz zu ziehen. Es liegt im tiefsten Inneren des Österreichers seine Unzufriedenheit nach außen zu projizieren. Folglich ist es wenig überraschend, dass ein Großteil der rund acht Millionen Teamchefs nicht sonderlich begeistert über die Darbietungen der heimischen Fußball Nationalelf sind, zu Recht – aber der Reihe nach.


Nach einer konsequenten und professionellen Leistung gegen Norwegen, die sich auch auf der Ergebnistafel wiederfand, verlor das ÖFB-Team am Montag gegen Rumänien. Der Kippschalter zwischen Licht und Schatten sitzt, bei der Foda-Elf gelinde gesagt, sehr locker. Während individuell das Team so stark wie seit Jahren aufgestellt ist, vermag das Kollektiv nicht zwei en Suite zu überzeugen. Nur wenige Spieler konnten ihre gute Darbietung aus Oslo mit nach Klagenfurt nehmen. Zumindest die jungen Hoffnungsträger Xaver Schlager und Teamneuling Christoph Baumgartner wussten jedoch in beiden Spielen ihre Qualitäten auszuspielen. Andere Kicker wie Champions-League-Halbfinalist Marcel Sabitzer präsentierten sich hingegen deutlich schwächer. Die Fehlersuche nach dem Länderspiel-Doppel beginnt bei alten Mustern und mündet in neuen Problemen.

Es zieht sich mittlerweile durch die gesamte Ära Foda – die Angst des Teamchefs vor der Offensive. Der 54-Jährige ist mit einem qualitativ hochwertigen Kader gesegnet, lässt diesen jedoch nicht zur vollen Endgeltung kommen. Mehrmals äußerten sich Teamkicker bereits, dass der geforderte Spielstil des Trainers diametral zu ihren Qualitäten steht. Statt sich an das, von den Salzburger-Bullen perfektionierte, schnelle Umschaltspiel zu orientieren, setzt Foda auf zaghaften Spielaufbau über die Zentrale. Im Angesicht, dass mit Konrad Laimer, Marcel Sabitzer, Xaver Schlager, Stefan Lainer und Valentino Lazaro gleich fünf wichtige Stammkräfte Bullen-DNA in sich tragen, wäre das Konzept leicht umzusetzen. Bereits von einem Teil der Mannschaft erlernte Automatismen, hätten in der Vorbereitung auf die EM 2020 umgesetzt werden müssen, trotz Verschiebung des Kontinentalturnier dürfte für eine Systemumstellung nun zu spät sein. Die Konsequenz und Kompaktheit des Teamchefs, manche würden sie auch als Ignoranz betiteln, gebe jedoch ohnedies wenig Hoffnung auf eine Veränderung.

Die Schuld am durchschnittlichen Kick der ÖFB-Mannschaft einzig und allein bei Franco Foda zu suchen, wäre jedoch sehr billig. Vor allem im Spiel gegen den Ball bemerkt man auch unter dem Deutschen einen erheblichen Leistungssprung gegenüber seinen Vorgängern. Zudem hatte Foda noch kein tatsächlich großes Turnier als Bühne, um seine Taktik den Maßstäben einer Europa- oder Weltmeisterschaft unterziehen zu lassen. Es liegt im Bereich des Möglichen das Österreichs derzeitiger Spielstil große Teams wie die Niederlande vor Probleme stellen kann. So gilt die Europameisterschaft im kommenden Jahr als Bewährungsprobe für das ÖFB-Team, alte Fehler müssen dabei jedoch vor aufgearbeitet waren.

 

 

Als 2016 das österreichische Nationalteam mit Glanz und Gloria nach Frankreich reiste, munkelte man in der Alpenrepublik über einen möglichen EM-Titel. Von einer nahezu makellosen Qualifikation geblendet, waren die Erwartungen an die einstige Koller-Truppe zu hoch. Das Team zerbrach schließlich am Druck und an sich selbst. Vor allem hochgezogene Führungsspieler ließen in Frankreich aus. David Alaba, zuvor etatmäßiger Elferschütze der Nationalelf, zog sich im entscheidenden Gruppenspiel aus der Verantwortung und ließ Innenverteidiger Aleksandar Dragovic aus elf Metern anlaufen und scheitern. Christian Fuchs, damals Kapitän und in der Qualifikation noch offensiv wie defensiv auffällig und bissig wie ein Fuchs im Hühnerstall, verlor in Frankreich gänzlich seine Form und sein Standing. Marc Janko, einst Goalgetter Nummer eins verzeichnete bei der Endrunde keine einzige Torchance.

Mit Talenten ist der österreichische Fußball derzeit genug gesegnet, tatsächliche Führungskräfte sind jedoch rar gesät. Marko Arnautovic, der viel mehr ob seines bedingungslosen Einsatzwillen, als wegen seiner Qualität von den Fans geliebt wird, wird dieses Jahr kein Länderspiel bestreiten. Es ist demnach an der Zeit neue Herren in die Führungsrolle zu bringen. Während Martin Hinteregger in der Defensive stets aufs Neue dirigiert und den Laden im Zaun hält, fehlt es ohne Arnautovic offensiv um einen Leitwolf. Bezeichnend, dass ausgerechnet Youngstar Baumgartner den Ball nach zähen Hin- und Hergeschiebe beim Stand von 1:3 gegen Rumänien in die Mitte flankte und somit Karim Onisiwos Anschlusstreffer vorbereitete.

Der Sprung in die Spielführer-Rolle liegt bereits Marcel Sabitzer. Sowohl bei RB Leipzig, als auch im Auswärtsspiel gegen Norwegen füllte der gebürtige Grazer perfekt, die von Arnautovic hinterlassene Lücke. Ein präziser Elfmeter und eine eindrucksvolle Körpersprache sind die eindrucksvolle Bilanz, die gegen Rumänien leider nicht bestätigt werden konnte. Diese Baustelle dürfte jedoch bis zur Europameisterschaft schließbar sein. So ist die Nations-League nicht zuletzt der ideale Probegalopp für taktische und personelle Flexibilität und Kreativität.

Eng mit der Leader-Rolle verbunden, zeigt sich im Nationalteam derzeit ein weiteres Problem – die Suche nach den Knipsern. Während Marc Janko in der EM-Qualifikation für 2016 noch wie am Fließband traf, vermisste man bei der folgenden WM-Qualifikation wie auch derzeit einen echten Goalgetter in rot-weiß-rot. Noch hat die goldene Generation keinen Starstürmer hervorgebracht. Während Arnautovic in die Jahre kommt und ein Teamende aufgrund seines China-Engagements nicht auszuschließen ist, müssten junge Stürmer bei Franco Foda Reihe stehen. Michael Gregoritsch scheint nur bedingt zu funktionieren und wäre viel mehr ein Joker für die Schlussphase als des Rätsels beste Lösung. Diese könnte sich jedoch in Person von Adrian Grbic gefunden haben. Der Frankreich-Legionär durfte just erstmals A-Team-Luft schnuppern und könnte bei regelmäßiger Spielpraxis eine wichtige Stütze für die EM 2021 werden. Darüber hinaus könnte sich Sasa Kalajdzic in den Mittelpunkt drängen und müsste zumindest in einem Fünfjahres-Plan am Teamchef-Zettel stehen.

Bis zur großen Bewährungsprobe ist noch ein Jahr Zeit, Österreichs goldene Generation zum Glänzen zu bringen. Baustellen gibt es bis dahin noch genug, doch auch einfache Pläne um diese Fertigzustellen. Der Druck dürfte diese Endrunde zumindest deutlich geringer sein als wie vor vier Jahren.