Egal, ob TIPICO-Bundesliga, UEFA Europa League oder im Nationalteam: Der sympathische Alexander Schlager zeigt sich überall von seiner besten Seite. In einem exklusiven Interview gibt er uns Einblicke zur diesjährigen Saison und zum Nationalteam.

Photo Credits: facebook.com/LASK


Alexander, wie geht’s dir mittlerweile nach der mehr als ein Monat langen Ausgangsbeschränkung?

Soweit geht’s mir eigentlich gut, da ich weiß, dass jeder aus meiner Familie, meine Frau, meine Kollegen aus dem Verein gesund sind. Ich habe, genau wie jeder andere auch, lernen müssen mit der Situation umzugehen. Mittlerweile versuche ich das beste aus der Situation zu machen und widme mich dem Sport und anderen Sachen, die ich gerne mache. So versuche ich die Zeit zu überbrücken, bis es dann bald wieder losgeht.

Am Mittwoch verkündete Sportminister Kogler, dass die Bundesligaklubs ab Montag den 20. April, wieder in Kleingruppen trainieren dürfen. Hat die Nachricht bei dir für Erleichterung gesorgt?

Teils teils. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich sehr, dass es wieder losgeht, dass man rauskommt und das macht, was man gerne tut. Auf der anderen Seite ist es doch ein komisches Gefühl, weil rundherum alles nicht normal ist und wir in einer abnormalen Situation feststecken. Für uns ist es auch dann komisch, wenn wir rausgehen und Fußball spielen. Trotzdem freue mich aber natürlich, dass ich ein paar Kollegen wieder treffen darf. Weiters bin ich auch gespannt, wie es weitergeht.

Nun heißt die Devise für die anstehende Meisterrunde „Geisterspiele“. Glaubst du, dass der heimische Fußball sehr darunter leiden wird?

Prinzipiell glaube ich das schon. Das Feeling und die Emotionen, die die Zuschauer und die Spieler im Stadion spüren, ist letztendlich das, was den Fußball auch ausmacht. Es ist leider nun mal nicht möglich. Bei der Weiterführung muss geschaut werden, was es für logische und risikominimierende Wege gibt. Wenn das alles eingehalten werden kann und wenn die Geisterspiele stattfinden können, wird das das Einzige sein, das uns übrig bleibt und dessen Weg wir dann voll mitgehen werden.

Anschließend zum Thema „Geisterspiel“ möchte ich dich fragen wie sich das Geisterheimspiel gegen Manchester United für dich angefühlt hat und ob es besser gewesen wäre dieses abzusagen?

Jetzt im Nachhinein gesehen war es doch ein komisches Spiel. Im Vorfeld war sehr viel Unwissenheit mit dabei, wo wir nicht gewusst haben, ob wir wirklich spielen werden oder nicht. Das Spiel selbst war auf der einen Seite schon lässig, weil wir halt gegen Manchester United gespielt haben. Auf der anderen Seite war es ein sehr komisches Gefühl, das sehr schwer zu beschreiben ist. Es fühlte sich nicht wie ein internationales Spiel an oder wie ein Spiel, wo es um wirklich viel geht. Vom Kopf her war es schon ein Lernprozess, weil es für uns alle das erste Mal war, dass wir in einer solchen Situation waren. Für mich persönlich war es auch äußerst herausfordernd. Im Nachhinein würde ich bezweifeln, ob es wirklich sinnvoll war in der Phase, in der das Land steckte, das Spiel zu spielen. Im Endeffekt ist es aber über die Bühne gegangen und es nicht mehr änderbar.

Nach dem Grunddurchgang stehen beim LASK in der Liga 17 Siege, drei Unentschieden und zwei Niederlagen am Konto. Hat man sich innerhalb des Vereins eine solche großartige Saisonleistung im Sommer vorstellen können?

Prinzipiell haben wir schon gewusst, dass wir etwas Außergewöhnliches leisten können, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Ich bin auch glücklich, dass es von einem erfolgreichen Spiel zum Nächsten ging und großartig geklappt hat. Im Sommer kann man mit so etwas natürlich nicht rechnen, aber wir haben immer das Maximale gegeben. Von dem her war es keine Überraschung, aber auf alle Fälle eine coole Geschichte. Auch in Zukunft werden wir natürlich alles dafür geben, dass es in dieser Weise weitergeht.

Von vielen Spielern, die in einer Meistermannschaft gespielt haben, hat man oft gehört, dass man die Saison über ein besonderes Gefühl gehabt hat. Ist so ein Gefühl bei euch auch spürbar?

Definitiv. Es ist eigentlich das, was unsere Mannschaft auch auszeichnet. Du merkst einfach, dass sich alle Spieler wohl fühlen, sich gut untereinander verstehen und es wie eine zweite Familie ist, zu der man täglich hinfährt. Man verbringt sehr viel Zeit miteinander, aufgrund der hohen Anzahl der Spiele und da man viel gemeinsam reist. Du merkst einfach, dass da alle mitziehen.

Nach der Punkteteilung steht ihr noch immer mit drei Punkten Vorsprung auf Salzburg auf Platz 1. Welches Ziel habt ihr euch mannschaftsintern für die Meisterrunde ausgemacht?

Es ist natürlich selbstverständlich, dass du den 1. Platz nicht hergeben willst. Wir sind in einer Position, in der wir absolut keinen Druck verspüren und befreit aufspielen können. Nach wie vor bleibt der internationale Startplatz als Ziel, wo wir hier auch auf einem positiven Weg sind. Es ist nach der Punkteteilung wieder sehr eng geworden. Bei den nächsten zehn Spielen muss es uns gelingen, wieder voll da zu sein. Wenn wir das Beste herausholen bin ich mir ziemlich sicher, dass hier viel dabei rauskommen wird.

Die diesjährige UEFA Europa-League Saison vom LASK glich einem Märchen. Neben grandiosen Leistungen und mehreren Siegen wurde der Name des Vereins in ganz Europa bekannt. Wie würdest du unseren Lesern dies aus deiner Sicht kurz beschreiben?

Es ist schwierig zu beschreiben. Ähnlich wie du es gesagt hast, glaube ich, dass es eine sehr spezielle Zeit ist und war. Wenn man sich die Spiele in der Gruppenphase anschaut, dann bekommt man bei jedem Spiel die Gänsehaut am Körper. Spiele unter der Woche, spät am Abend mit Flutlichtern und vollem Haus sind einfach etwas ganz Besonderes. Für solch irrsinnig schöne Momente lebt man als Fußballer und ich bin froh, dass ich sie so positiv erleben durfte.

Wettbewerbsübergreifend standest du bis auf das Cup-Viertelfinale gegen Sturm Graz bei jedem Match über die volle Spielzeit im Tor. Auch wenn die Laufleistung der Tormänner nicht mit der der Feldspieler zu vergleichen ist, ist bei dir trotzdem die hohe Belastung in den Knochen spürbar gewesen?

Ja, sicher. Es ist auch für uns sehr intensiv, weil die mentale Anspannung sehr hoch ist. Zwischen Spielen innerhalb einer Woche merkst du die Müdigkeit im Kopf, bei der man schauen muss, dass man sich auch in diesem Sinne gut erholt. Hier ist es wichtig mit Training, Physiotherapie, Regeneration und dem Leben außerhalb des Fußballs eine gute Mischung zu finden. Ich versuche auch vom physischen und psychischen Aspekt alles rauszuholen, was mir auch gut gelungen ist und hoffentlich auch in Zukunft gelingen wird.

Bevor du im Sommer 2017 beim LASK unterschrieben hast, warst du in den drei Jahren zuvor bei vier Klubs (RB Leipzig U19, Liefering, FAC und Grödig). Was hast du aus diesen drei turbulenten Jahren mitgenommen?

Es waren sehr spannende Zeiten. Bei Leipzig habe ich die deutsche Fußballmentalität mitnehmen können und es war auch das erste Mal, dass ich von meiner Familie getrennt war. Auch wenn es sehr ungewohnt war, hat es mir nicht nur für den Fußball, sondern auch für das Leben generell viel gebracht. In diesem Jahr habe ich sehr viele Einsätze bekommen, was für mich sehr wichtig war und mir auch weitergeholfen hat. Beim SV Grödig habe ich in jungen Jahren bereits meine ersten Bundesliga- Einsätze sammeln dürfen. Hier habe ich auch gelernt, woran es mir fehlt und was ich noch brauche. Im Jahr drauf ging ich zum FAC einen Schritt zurück in die zweite Liga, um hier Spielpraxis zu sammeln, was mir auch sehr gut mit 23 oder 25 absolvierten Spielen gelungen ist. Die Einsätze, die ich in diesen drei Jahren gemacht habe, kommen mir jetzt zugute und stimmen mich positiv, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Beim LASK ist es dir mit großartigen Leistungen gelungen, einen längerfristigen Vertrag bis 2023 zu unterschreiben. Kann man sagen, dass es zwischen dem LASK und Alexander Schlager Liebe auf den ersten Blick war?

(bescheidenes Lachen) Ich bin sehr froh, dass mich der LASK damals als Aufsteiger verpflichtet hat. Ich habe einen persönlichen Bezug zum ehemaligen Trainer Oliver Glasner und zum Trainer Wolfgang Wimmer gehabt, jedoch war die Verpflichtung meiner Person nicht selbstverständlich. Im ersten Jahr habe ich versucht, als zweiter Tormann etwas zurückzugeben. Im Jahr darauf war ich dann sehr froh, dass die Wahl des Einsertormanns auf mich gefallen ist und ich zeigen konnte was ich kann. Bisher ist es deswegen beim LASK mehr als positiv verlaufen.

Bei transfermarkt.at steht, dass eine 17% Wahrscheinlichkeit besteht, dass du im Sommer zu Red Bull Salzburg wechselst. Wie reagierst du auf die medialen Gerüchte zu einem bevorstehenden Wechsel zum Ligakonkurrenten?

Als das Gerücht damals zum ersten Mal publik wurde, war ich schon sehr überrascht, woher das kommt. Es hat mich weder jemand kontaktiert, noch ist etwas anderes zu Stande gekommen. Von dem her war es kein seriöses Gerücht, weswegen ich es auch nicht ernst genommen habe. Deswegen mache ich mir auch nicht viele Gedanken darüber, weil ich das hier und jetzt beim LASK zu genießen versuche. Was in der Zukunft kommt, kann man sich noch später anschauen.

Bevor ich zur Nationalmannschaft komme würde ich von dir gerne wissen, ob es dein Ziel ist, den Sprung in eine der Top 5-Ligen Europas zu schaffen?

Definitiv. Ich glaube auch, dass dies der Traum und auch der Wunsch von jedem Fußballer ist. Es ist natürlich schwer, dieses zu realisieren, jedoch ist es wichtig Ziele zu haben, die einen antreiben und immer weiter fordern. Seit meiner Kindheit ist die Premier League meine Wunschliga. Ich fände es sehr schön, wenn dieser Traum Realität werden könnte.

Am 16. November 2019 war es gegen Nordmazedonien endlich soweit, dass du nach mehreren Nominierungen für das Nationalteam am Platz stehen durftest. Ein großartiges Gefühl, oder?

Unfassbar. Es ist bis heute einer der prägendsten Momente, die ich je erlebt habe. Es war so speziell und wunderschön, besonders auch der ganze Tag, der mit viel Emotionen gefüllt war und den ich auch bis ans Ende meines Lebens nicht mehr vergessen werde.

Arbeitest du auf das Ziel hin, bei der EURO 2021 im Kader oder auch vielleicht als Stammkeeper dabei zu sein?

Auf jeden Fall. Ein solches Großevent ist so ziemlich das Höchste, was man mit dem Nationalteam erreichen kann. Wenn man als Spieler schon bei dem Team dabei war, dann möchte man natürlich auch zu diesem Großereignis mitfahren. Auch wenn ich einer bin, der sich mehr auf das Hier und Jetzt konzentriert, schwebt das schon im Hinterkopf. Ich versuche mich hier über die Leistungen beim Verein zu empfehlen und genau auf das wird es auch ankommen. Wenn ich bis dahin alles gebe und raushaue geht es sich hoffentlich aus, bei der EURO 2021 dabei zu sein und auch im Tor zu stehen.

Nun wird spekuliert, dass du dir mit Cican Stankovic ein Kopf-an-Kopf-Rennen, um die Stammkeeper-Position lieferst. Fördern dich solche ÖFB-interne Konkurrenzkämpfe?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das überhaupt nicht so sehe. Auch wenn ich ein sehr gutes Verhältnis zum Cican habe, haben wir im Endeffekt nicht soviel miteinander zu tun. Er muss schauen, dass er seine Leistungen beim Verein bringt und ich meine. Ich versuche meinen Fokus komplett auf mich und niemanden anderen zu richten.

Zum Schluss würde ich noch gerne wissen, ob das Nationalteam die Hürde Gruppenphase nehmen kann oder es sogar über das Achtelfinale hinaus schafft?

Unsere Mannschaft bringt sehr viel Qualität mit und hat einiges von der letzten EURO in Frankreich dazugelernt. Deswegen bin ich schon positiv gestimmt, dass wir hier für Furore sorgen können. Ein konkretes Ziel kann ich leider im Vorhinein eines solch großen Turnieres nicht nennen. Natürlich ist es umso schöner, je weiter der Weg geht. Wichtig ist es hier von Spiel zu Spiel schauen und sich bestmöglich gegen die besten Spieler der Welt zu präsentieren. Wenn wir das schaffen können, wird es auch weit gehen können.

Es hat mich sehr gefreut mit dir das Interview machen zu dürfen und ich wünsche dir nur das Beste für die nächste Zeit.

Super und vielen Dank. Ciao.

 

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