Nationalteam

Das erste Länderspiel unter Teamchef Marcel Koller

Kontrahenten: Ukraine – Österreich

Spieltag: 15. November 2011

Anpfiff: 20.00 Uhr MEZ

Spielort: Lemberg (Lwiw), Ukraine

Zuschauer: 31.879

Aufstellung Ukraine: Dykan; Fedetzi, Rakizki, Kutscher; Selin; Timoschtschuk; Rotan, Aliew, Jarmolenko; Milewski, Konopljanka

Aufstellung Österreich: Almer; Schiemer, Prödl, Pogatetz, Fuchs; Baumgartlinger, Alaba; Harnik, Arnautovic, Ivanschitz; Janko

 

Richtiggehend herbeigesehnt hat sich unsere Runde von Fans des österreichischen Nationateams dieses erste Spiel unter der Führung Marcel Kollers. Natürlich wollten wir ein gutes Spiel unserer Mannschaft sehen, dass sie zeigt, welches Potential wir in ihr vermuten und teilweise auch schon zu sehen bekommen haben.

Aber wir wollten auch Fragen beantwortet haben: Wird man eine Handschrift Marcel Kollers ausmachen können? Wird das Team die Euphorie, Spielbereitschaft und Lernwilligkeit, mit der es in den Tagen des Trainings zu Werke ging, auch im Spiel gegen eine durchaus als stark einzuschätzende ukrainische Mannschaft zeigen können? Wird es Marcel Koller vielleicht gar schaffen, dass er es seinen drei Vorgängern gleichmacht, und den Platz nicht als Verlierer verlässt? Wird es zu bemerken sein, dass man im Vorfeld des Spiels davon gesprochen hat, dass Österreichs größtes Problem zwischen den Torpfosten besteht?

Was die Aufstellung betrifft, bleibt festzuhalten, dass mit Franz Schiemer nur ein einziger Akteur in der österreichischen Bundesliga sein Geld verdient. Alle seine Teamkollegen spielen im Ausland, zum überwiegenden Teil in den Ligen unseres nördlichen Nachbarn Deutschland. Als einzige echte Überraschung kann man den Einsatz von Torhüter Robert Almer werten, der in Diensten des deutschen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf steht. Er bekam den Vorzug vor den beiden Schlussmännern des FK Austria Wien, Pascal Grünwald und Heinz Lindner.

Pünktlich zu Spielbeginn setzte vorweihnachtlicher Schneefall ein; nein es war kein Konfettiregen zu Ehren des immer noch nicht zur Gänze fertiggestellten Euro 2012 Stadions. Ein zaghaftes Abtasten beider Mannschaften war von Anfang an nicht zu sehen. Stattdessen versuchten vor allem die Österreicher ihren Gegner spätestens an der Mittellinie unter Druck zu setzen und das gleich mit mehreren Mann. Bälle konnten erobert werden, aber gerade in den ersten Minuten leistete sich die österreichische Mannschaft viele Fehlpässe und Ballverluste. Diese wurden aber mit beherztem Einsatz wieder wettgemacht.

Die Österreicher schafften es dann jedoch vermehrt den Ball länger kontrollieren zu können und suchten den schnellen Weg in die Spitze. In den ersten zwanzig Minuten zählten wir nicht weniger als zehn Torschüsse – freilich nicht jeder davon wirklich gefährlich. Aber die Ambitionen des Teams, einen schnellen Abschluss zu suchen, stimmten uns positiv. In diese Phase des Spiels, von der man mit Fug und Recht behaupten kann, unsere Nationalmannschaft hatte den Gegner unter Kontrolle, fiel jedoch der Gegentreffer. Die Ukraine brachte mit ihrem ersten (!) ernsthaften Torschuss den Ball an Torhüter Almer vorbei.

Ärgerlich! Völlig unnötig! Aliew überrannte an der Seite den an diesem Tag völlig überforderten Schiemer und brachte mit einem perfekten Stanglpass den Ball zu seinem Mitspieler Milewski, der trocken zum 1:0 einnetzte. Und es war das ganze Spiel über häufig unsere rechte Seite die durchaus indisponiert wirkte – sowohl Schiemer als auch Harnik hatten nicht ihren besten Tag.

Ganz anders die Zentrale um Baumgartlinger und Alaba, die die meisten Bälle kontrolliert weiterspielten. Auch die linke Seite mit Fuchs und Ivanschitz spielte offensiv gewohnt sicher und gefährlich. Eine statistische Einblendung in der dreißigsten Minute bestätigte unser Gefühl, dass die Ukraine dominiert wird: Österreich war zu diesem Zeitpunkt zu 60% in Ballbesitz. Vor der Pause unterstrichen die Österreicher noch mit drei guten Schüssen, dass sie nicht als Verlierer vom Platz gehen wollen: Arnautovic mit dem Aussenrist (28.) und Alaba (32.) schossen knapp vorbei, Fuchs per Freistoß (45.) scheiterte am Torhüter.

In der 51. Minute vergibt Janko die bisher beste Chance der Österreicher, indem er von der Strafraumgrenze den Ball zu unplatziert in die Hände des Tormannes spielte. Den Ball bekam er mittels langem Pass von Arnautovic. So kann es weitergehen! Die Partie war noch lange nicht entschieden und die Österreicher zeigten Technik, Kampfgeist und den Willen zum Erfolg.

In der 60. Minute dann der erste und einzige Wechsel durch Marcel Koller. Kavlak ersetzte den glücklosen Harnik. Warum durfte aber Schiemer auf dem Platz bleiben, der sehr unsicher agierte? Hier hätte sich doch auch ein Austausch gegen Klein angeboten! Und wir hoffen, dass György Garics bei Bologna wieder zu früherer Stärke zurückfindet und unser Team an der rechten Seite verstärken kann.

Das Spiel wird nun etwas ruhiger, Österreich nicht mehr so dominant. Aber aus einem Konter, eingeleitet von Fuchs, entsteht der Ausgleich. Fuchs schlägt eine Maßflanke auf Janko, der den Ball knapp vor die Torlinie köpft. Dort wartet der massiv von Arnautovic bedrängte Kutscher um den Ball ins eigene Tor zu befördern. Der Schiedsrichter schreibt offiziell Janko das Tor zu. Es steht 1:1 und wir glauben sogar noch an den Sieg! Vor allem weil sich in den nächsten Minuten ein Powerplay unserer Mannschaft entwickelte. Pogatetz (76. und 77.) und Ivanschitz (77.) hatten die Möglichkeiten die Partie zu drehen, nutzten diese aber nicht.

Nach dem Ausschluss eines Ukrainers in der 81. Minute verlegt sich dessen dezimierte Mannschaft auf das Konterspiel. Österreich versucht weiterhin, aber viel funktioniert nun nicht mehr. Alaba in der 83. per Kopf und Ivanschitz in der 84. Minute bekommen noch einmal die Chance auf den Siegtreffer. Diesen schießen jedoch unsere Gegner – ähnlich wie das 1:0. Ein Steilpass Richtung Torout, von dort ein Pass in den Rücken unserer Abwehr, Schiemer und Prödl viel zu einfach ausgespielt und somit in der 92. Minute 2:1. Aus einem letzten Aufbäumen heraus schießt Janko in der 93. Minute noch ins Außennetz und damit war die Partie vorbei.

Solche Spiele darf man nicht verlieren. Wann hat Österreich zuletzt in einem Auswärtsspiel derart ballsicher agiert? In der 84. Minute immer noch einen Ballbesitz von sagenhaften 64%. Das Verlieren war einerseits sicher unverdient, aber andererseits sicher nicht unglücklich. Die Konzentrationsmängel, die zu den Toren geführt haben, gehören einfach abgestellt und dann ist viel mehr drinnen. Es war aber in Ansätzen eine durchdachte Taktik zu erkennen, die durchaus gut umgesetzt wurde: frühes Pressing und Suchen der Zweikämpfe, keine Zimperlichkeiten. Genauso wollen wir unser Team sehen und Marcel Koller scheint ihnen das gut vermittelt zu haben.

In diesem Sinne: wir konnten einen vielversprechenden Auftritt unseres Nationalteams beobachten. Den Weg nach oben geht es mit einem Marcel Koller, der für Gesprächskultur, Videoanalyse, sportwissenschaftliche Methoden und ganz allgemein akribische Arbeit (sehr viele Spiel- und Spielerbesuche) steht, jedenfalls leichter. Nur weiter so!! Wir freuen uns aufs Frühjahr!

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