Der ehemalige ÖFB-Teamkapitän Andreas Ivanschitz verkündete am vergangenen Montag, 5. November, im Alter von 35 Jahren seinen Rücktritt vom Profifußball. Der Burgenländer kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken, die ihn in verschiedene Länder führte. Ein Porträt. 

Anfänge im Burgenland

Andreas Ivanschitz wurde am 15. Oktober 1983 in Eisenstadt geboren. Der Sohn des mittlerweile verstorbenen Klarinettisten und Musikpädagogen Ewald Ivanschitz, begann seine fußballerische Laufbahn beim ASK Baumgarten, bei dem er neun Jahre in der Jugendabteilung kickte. Im Alter von 14 Jahren wechselte der Burgenlandkroate in den Nachwuchs des österreichischen Rekordmeisters SK Rapid Wien. Hier sollte der Start seiner langen Profikarriere erfolgen, es aber auch zu einem ersten schweren Tiefpunkt kommen. 

Feindbild in Wien-Hütteldorf

Im zarten Alter von bereits 16 Jahren feierte Ivanschitz sein Debüt für die Rapid-Kampfmannschaft, bei der blamablen Cup-Niederlage gegen Ranshofen im Oktober 1999. Etwas weniger als sieben Monate darauf, kam er auch in der österreichischen Bundesliga gegen SV Austria Salzburg zu seiner Premiere. Seine größten Erfolge im Dress der Grün-Weißen waren der Meistertitel in der Saison 2004/05, sowie die Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Champions League im Herbst 2005. Darüber hinaus erreichte er mit den Hütteldorfern in der erfolgreichen Meister-Saison auch das ÖFB-Cup-Finale, welches jedoch gegen den Stadtrivalen FK Austria Wien verloren ging. 

Apropos Rivalität: Der nächste Karriereschritt, den Ivanschitz im Jänner 2006 zu einem Wechsel zum FC Red Bull Salzburg nutzte, sollte in seiner weiteren Laufbahn noch weittragende Konsequenzen mit sich bringen. Der Wechsel zum „Nachfolgerklub“ der Salzburger Austria brachte Ivanschitz ein sehr schlechtes Standing bei den Anhängern des SK Rapid ein. Der von den Fans oft als „Judaschitz“ titulierte Burgenländer wurde sogar während eines freundschaftlichen Länderspiels der österreichischen Nationalmannschaft gegen Schottland im ehemaligen Gerhard-Hanappi-Stadion 2007 auf schwerste Art und Weise verbal angegriffen. Die Beziehung zwischen Ivanschitz und seinem ehemaligen Verein war damit wohl für immer auf Eis gelegt. 

Der Beginn einer abwechslungsreichen Karriere

Ivanschitz konnte sich in der Mozartstadt nie durchsetzen und wurde daher bereits ein halbes Jahr später an den griechischen Erstligisten Panathinaikos Athen abgegeben. Mit den Athenern blieb ihm zwar ein Titelgewinn verwehrt, jedoch konnte er in der Saison 2008/09 ein zweites und gleichzeitig auch letztes Mal in der Königsklasse auflaufen, wo für Panathinaikos erst im Achtelfinale im Frühjahr 2009 Endstation war. 

Im Sommer 2009 wurde der Baumgartner für eine Dauer von zwei Jahren an den deutschen Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 verliehen. Zu Beginn seines Engagements in Deutschland spielte Ivanschitz bärenstark auf. In seinen ersten elf Spielen gelangen ihm sechs Tore und ebenso viele Vorlagen. In dieser ersten Saisonphase gelang den Mainzern sogar ein Sieg gegen den Rekordmeister FC Bayern München. Ivanschitz übernahm am sechsten Spieltag die Führung in der Scorerwertung, und gab diese erst am 13. Spieltag wieder ab. Ein etwas skurriler Rekord gelang ihm im April 2010, als er gegen den 1. FC Nürnberg nach gerade einmal 188 Sekunden den bis dahin schnellsten Platzverweis der Bundesligageschichte erhielt. Im Jänner 2011 wurde er endgültig von Panathinaikos losgelöst, erreichte am Ende jener Saison sensationell den 5. Endrang in der deutschen Bundesliga und verließ den 1. FSV Mainz 05 im Sommer 2013 Richtung Valencia. 

Nach zwei Jahren beim spanischen Traditionsverein UD Levante, bei dem er Höhen und Tiefen erlebte (unter anderem eine starke erste Saison, Trainerwechsel, Verletzungen) wechselte Ivanschitz im Sommer 2015 in eine etwas „exotischere“ Fußballliga, nämlich in die Vereinigten Staaten, zu den Seattle Sounders. In seinen eineinhalb Jahren im Nordwesten der USA feierte er mit dem Gewinn des MLS-Pokals im Dezember 2016 seinen größten Erfolg. Beim Elfmeterschießen im Finale gegen den Toronto FC verwandelte auch er einen Strafstoß erfolgreich. 

Rückkehr nach Europa und Karriereende

Im Jänner 2017 entschied sich Ivanschitz für einen weiteren Tapetenwechsel, und kehrte nach Europa zurück, zum tschechischen Erstligisten Viktoria Pilsen, bei dem er einen eineinhalb-Jahres-Vertrag unterschrieb. Zum Ausklang seiner langen Karriere gewann er mit den Pilsenern im Frühjahr 2018 noch die tschechische Meisterschaft. Im Sommer lief sein Vertrag aus und nach einer erfolglosen Club-Suche verkündete er nun sein Karriereende. 

Jüngster Nationalteam-Kapitän der Nachkriegsgeschichte

Auch im Dress der österreichischen Fußballnationalmannschaft kann Ivanschitz auf eine lange und erfolgreiche Zeit zurückblicken. Bereits mit 19 Jahren debütierte er am 26. März 2003 gegen Griechenland, ein gutes halbes Jahr später wurde er bereits zum Team-Kapitän befördert. Damit ist er der bis heute jüngste Nationalmannschaftskapitän der Nachkriegsgeschichte. Die Kapitänsschleife behielt Ivanschitz bis 2009, er führte Österreich auch bei der Heim-Europameisterschaft 2008 als Spielführer aufs Feld. Insgesamt bestritt er 69 Länderspiele (sein letztes gegen Tschechien 2014) und erzielte dabei 12 Treffer. 

Andreas Ivanschitz hat unter eine lange, abwechslungsreiche, von Höhen und Tiefen geprägte Karriere einen Schlussstrich gezogen. Stationen in Österreich, Griechenland, Deutschland, Spanien, den USA und Tschechien untermalen, dass er in seiner Profilaufbahn viel herumkam, viele verschiedene Fußball-Kulturen kennenlernte und auch den ein oder anderen Titelgewinn bejubeln konnte. Wir wünschen Andreas Ivanschitz auf diesem Wege alles erdenklich Gute für seinen weiteren Lebensweg!

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