Der österreichische Fußballbund ließ mit der Idee aufhorchen, die Lizenzierung der Bundesligisten von einem Frauenteam abhängig zu machen. Wie konkret ist die Zukunftsstrategie? Was sagen die Bundesligisten und Frauenteams dazu? Eine ExpertInnenrunde diskutiert.


Mit diesem Aufmachertext lud der Verein „Wir Frauen im Sport“ unter der Leitung von Obfrau Elisabeth Auer, die den Abend moderierte, am Mittwoch alle Interessierten nach Wien ein. Gemeinsam mit ExpertInnen sollte darüber diskutiert werden, ob es Sinn mache, den großen Männer-Bundesliga-Vereinen ein Frauenteam aufzuzwingen. Andernfalls, so die Idee, würden die Männervereine ihre Lizenzen verlieren. TeilnehmerInnen der fröhlichen Diskussionsrunde waren ÖFB-Präsident Leo Windtner, der Präsident des SKN St. Pölten Frauen Wilfried Schmaus, Sportdirektor Frauenfußball des FK Austria Wien, Martin Pototschnig und auch eine Frau, die Neulengbach-Spielerin Maria Gstöttner. Die geladenen Gäste der Männer-Bundeliga-Vereine hatten aus unterschiedlichen Gründen ihre Teilnahme an der Diskussion abgesagt, dafür aber Statements gesendet (weiter unten).

Anreizsysteme und anderes

Nachdem die Eröffnungsfrage in den Raum gestellt wurde, herrschte bei allen Beteiligten bald Einigkeit darüber, dass ein Zwang nicht zum gewünschten Ergebnis führen würde. Stattdessen stellte man einstimmig fest, dass man die Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs stärken und dazu passende Anreizsysteme für – na klar – die Männer schaffen müsse, eben ein wenig der großen Aufmerksamkeit Mädchen und Frauen zu widmen. Dafür, so Windtner, stehe er bereits in Kontakt mit einigen Landesverbänden und den Männer-Bundesliga-Vereinen. Wie diese Anreizsysteme aussehen könnten, wurde leider nicht beantwortet. Stattdessen entbrannte sehr schnell eine Diskussion darüber, dass der ÖFB zu wenig für den Frauenfußball tut – zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Präsenz, vor allem aber macht der ÖFB zu wenig Geld für die Fußballfrauen locker. Da waren sich alle einig. Einzig der ÖFB-Präsident vertrat eine andere Meinung. Er habe den Frauenfußball sehr wohl auf dem Radar. Nach einem kurzen Blick auf sein Briefing-Papier informierte er die Anwesenden darüber, dass man sogar sechs Personen innerhalb des ÖFB einzig für den Frauenfußball abgestellt hätte. Diese Auskunft überraschte wohl alle am Tisch. Fast, so schien es mir, auch den Präsidenten.

Von der Idee, die Liga zu verkleinern

Doch, dass der ÖFB in den letzten Jahren auch einiges in Sachen Frauenfußball getan hat, bestätigte auch Frau Gstöttner. Der Frauenfußball habe sich in den letzten 10 bis 15 Jahren weg vom Hausfrauen-Fußball, hin zu Fußball mit höherem professionellem Anspruch bewegt. Allerdings, so beklagte sie, sei die Abwanderung eben jener professionellen Fußballerinnen nach Deutschland, England oder auch Frankreich ein großes Problem, was sowohl Herr Schmaus, als auch Herr Potoschnig eifrig bestätigten. Auch hier sah man die Schuld ganz klar beim ÖFB: Man müsse die Liga verkleinern, damit sie besser werden könnte. „Denn“, so Herr Schmaus, „in Österreich gibt es nun mal keine 200 Bundesliga-Spielerinnen.“ Seine Argumentation leuchtet ein: Klar, dass man bei einer Zehnerliga mit ca. 20 Spielerinnen pro Verein diese 200 Spielerinnen bräuchte, damit man konkurrenzfähig bleibt. Da es die aber nicht gibt, muss man eben abspecken. Aber dass dann, abgesehen von drei, vier Vereinen, wohl keiner mehr in der Frauen-Bundesliga spielen würde, wurde den Beteiligten erst später klar.

Mehr Fußballakademien als Erfolgsgarant?

Zum Ende der Diskussion war man sich einig, den Vorschlag des ÖFB-Präsidenten anzunehmen und sich auf die Nachwuchsförderung zu konzentrieren. Das würde gelingen, indem man mehr Fußballakademien nach dem Vorbild St. Pöltens, der besten Akademie des Landes, erbauen würde. Wie man das finanzieren kann, fragten die Herren Schmaus und Potoschnig. Die flotte Antwort des Präsidenten, dass die Vereine sich selbst um den Aufbau der Akademie kümmern sollten, ließ selbst einigen ZuschauerInnen die Kinnlade hinunter klappen. Aber er lenkte schnell ein und fand eine weitere Option, um die Akademien zu realisieren: Man müsse die Politik verstärkt in die Pflicht nehmen, denn schließlich seien es die Politiker, die die Mittel für die notwendige Infrastruktur, um der Förderungen der Nachwuchsspielerinnen gerecht zu werden, hätten. Damit war der Frieden zwischen den Beteiligten am Podium wiederhergestellt. Man hatte einen neuen Buhmann gefunden, der sich leider nicht in die Diskussion einbringen konnte.

Von „Wir Frauen im Sport“ eingeholte Statements von Bundesliga bzw. Vereinen:

Thomas Drabek, Geschäftsführer FC Flyeralarm Admira, zum Thema Frauenfußball und Bundesliga-Lizenz:
„Frauenfußball hat großes Potential und der Hype nach dem Erfolg bei der Europameisterschaft war im ganzen Land zu spüren! Dies haben wir auch bei Spielen der ÖFB-Damen in der Südstadt erleben dürfen, die im gesamten Jahr 2019 ihre Heimspiele bei uns ausgetragen haben. Wir stehen für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Sport, jedoch sollte ein Frauenteam nicht aus Zwang bzgl. der Bundesliga-Lizenz gegründet werden müssen. Dies schadet dem Frauenfußball mehr als es helfen würde.“

Christian Ebenbauer, Bundesliga-Vorstand
„Der Frauenfußball hat in Österreich in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Angetrieben von den Erfolgen des Nationalteams, der Ligareform und der damit einhergehenden Vermarktungsoffensive sowie dem Nationalen Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten wurden wichtige Schritte zur Entwicklung des Frauenfußballs in Österreich gesetzt. Mit dem spusu SKN St. Pölten, SK Sturm Graz, Wacker Innsbruck, FK Austria Wien, dem SV Horn wird aktuell die Hälfte der Planet Pure Frauen-Bundesliga direkt oder über Spielgemeinschaften durch Klubs der Österreichischen Fußball-Bundesliga gestellt. Wichtig wird bei zukünftigen Schritten insbesondere sein, den Unterbau und die Breite zu stärken, um ein gesundes Wachstum vom Nachwuchs- bis hin zum Spitzenfußball zu ermöglichen. Gezielte Fördermaßnahmen und Anreizschaffung sind zielführender als bspw. verpflichtende Mannschaftsnennungen, bei denen nicht auf die Rahmenbedingungen in der jeweiligen Region Rücksicht genommen wird.“

Statement des FC Red Bull Salzburg:
„Das Hauptaugenmerk des FC Red Bull Salzburg liegt – seit vielen Jahren schon – auf der umfassenden und professionellen Ausbildung junger Spieler. Diese Nachwuchsförderung ist durch unsere umfangreichen Kooperationen, u. a. mit der Red Bull Fußball Akademie und dem FC Liefering, geprägt und hat viele Erfolgsgeschichten (u. a. Martin Hinteregger, Stefan Ilsanker, Konrad Laimer, Stefan Lainer, Valentino Lazaro, Xaver Schlager, Hannes Wolf) geschrieben. Um auf diesem Niveau erfolgreich agieren zu können, sind die Anforderungen infrastrukturell, konzeptionell und auch personell enorm hoch. Das Thema Frauenfußball ist aber dennoch auch bei uns im Klub und in den Gremien der Bundesliga immer wieder thematisiert worden. Wir als FC Red Bull Salzburg befassen uns im Zuge einer mittel- bzw. langfristigen Planung damit, wie eine erfolgreiche Umsetzung für uns Sinn machen könnte. Aus mehreren Gesichtspunkten sollte aber auch in diesem Bereich die Nachfrage das Angebot bestimmen, weshalb wir die verpflichtende Einführung als wenig produktiv erachten.“

 

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