Dominik Thalhammer wird neuer Trainer des LASK und verlässt damit nach neun Jahren das Frauen-Nationalteam. Thalhammer trainierte die ÖFB-Frauen von 2011 bis 2020 und hat großen Anteil daran, wo der Frauenfußball in Österreich heute steht. Wir blicken noch einmal auf die Zeit unter Teamchef Thalhammer zurück.


In den letzten Jahren ist ein großer Hype um den Frauen-Fußball in Österreich entstanden – und Hauptverantwortlich für einen Hype wie diesen ist wie so oft ein erfolgreiches heimisches Nationalteam. Das ist Thalhammer in den letzten Jahren gelungen. Das Interesse an der heimischen Liga und an den Frauen-Nationalteams ist größer geworden. ÖFB-Teamspielerinnen sind den Medien in Österreich nun auch eine Erwähnung wert, wenn sie mit ihrem eigenen Verein im Ausland Erfolge feiern oder zu einem neuen Club wechseln. 

2011 war das noch alles anders. Da war an Länderspiele im Hauptabend von ORF1 und an mehrere tausend Zuschauer in der Südstadt nicht zu denken. Als Thalhammer übernahm hat das Frauen-Nationalteam noch an keiner Endrunde teilgenommen, auch Playoffs für Welt- und Europameisterschaften waren alles andere als Selbstverständlich. In der Qualifikation für die WM 2011, also noch vor der Ära Thalhammer, wurde etwa in Anger, Amstetten, Krems und Ottensheim gespielt. Heimspielorte der EM-Quali für die Endrunde 2013 waren unter anderem Bruck an der Mur und Vöcklabruck. Das Zuschauerinteresse war begrenzt, doch schon in der ersten Qualifikation unter Teamchef Thalhammer gelang den ÖFB-Frauen ein erster Achtungserfolg. Österreich erreicht erstmals das Playoff für die Europameisterschaft, hier ist aber leider gegen Russland Endstation.

Danach geht es weiter bergauf. Die WM 2015 wird zwar noch verpasst, doch mit dem Gewinn des freundschaftlichen Turnieres Cyprus Cup 2016 gelingt ein weiterer Achtungserfolg. Die ÖFB-Frauen qualifizieren sich dann auch eindrucksvoll für die Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden – als Zweiter hinter Norwegen bzw. vor Wales, Israel und Kasachstan.

Der Hype steht in den Startlöchern, die Thalhammer-Elf ist bei der EM dann sogar in ORF1 zu sehen – toll, dass der ORF sofort auf den Hype aufgesprungen ist und auch einen großen Teil dazu beitragen hat, dass viele vor den Fernsehern mitfiebern.

Das Frauen-Nationalteam übersteht die Gruppe mit der Schweiz (1:0-Sieg), Frankreich (1:1) und Island (3:0-Sieg) souverän und holt sich den Gruppensieg. Die Frauen stehen im Viertelfinale, Thalhammer hat das Team bisher taktisch perfekt auf jeden Gegner eingestellt – vor allem das defensive Gegenpressing sorgt damals für Begeisterung. Der Erfolgslauf geht weiter, die ÖFB-Frauen zwingen im Viertelfinale den Weltklasse-Gegner Spanien ins Elfmeterschießen und setzen sich dort durch. Österreich steht im Halbfinale, im ORF sahen durchschnittlich 897.000 Personen das Spiel und für das Semifinale gegen Dänemark wird sogar ein Public Viewing am Wiener Rathausplatz eingerichtet. Tausende Zuschauer feuern die Mädels vor der großen Leinwand an, sogar Bundespräsident Alexander van der Bellen schaut vorbei – die Euphorie ist enorm. 

Österreich scheidet zwar im Elfmeterschießen gegen Dänemark aus, die Folgen der sensationellen EURO 2017 sind aber noch bis heute im positiven Sinne zu spüren. Die Spiele des österreichischen Nationalteams sind regelmäßig in ORF1 zu sehen, gespielt wird nicht mehr in Anger oder Ottensheim, sondern in der Südstadt vor mehreren tausend Fans. Fanclubs feuern vor Ort an und die Fancommunity des Frauen-Fußballs in Österreich ist vor allem dank der Erfolge bei der EM 2017 größer geworden. 

„Das hat sich unglaublich gewandelt. Mein Bekanntheitsgrad ist durch die Euro eklatant gestiegen. Es passiert oft, dass ich auf der Straße, beim Einkaufen oder am Fußballplatz angesprochen werde. Ich finde das schön und bin dankbar, dass es so ist“, sagte etwa Thalhammer 2018 in einem Interview mit dem Kurier. Die taktische Herangehensweise und natürlich auch gleichzeitig ein starker Kader, den der heute 49-Jährige richtig eingesetzt hat, bescheren ihm 2017 von der Bundessport-Organisation den Titel des Trainer des Jahres, zusammen dem Frauen-Nationalteam wird er bei der Sportler des Jahres Wahl 2017 zur Mannschaft des Jahres gewählt.

Die WM 2019 wird zwar verpasst und es gibt – was bei Misserfolgen aber in Österreich eh immer ist – kritische Stimmen. Die Qualifikation zur Euro 2021 läuft besser, die ÖFB-Frauen haben bisher alle vier Spiele gewonnen. Nun verlässt Thalhammer nach über neun Jahren den ÖFB, sein Werdegang zeigt was er unglaubliches im Frauen-Fußball mit vielen anderen aufgebaut hat. Dominik Thalhammer wird dem österreichischen Frauen-Fußball fehlen, kann aber beim LASK unter Beweis stellen, dass Vorbehalte dem Frauen-Fußball gegenüber endgültig Geschichte sein sollten.

Worauf darf sich der LASK jetzt freuen? Auf einen Trainer der bereit ist jede Taktik auszuprobieren, der das Team taktisch richtig auf den Gegner einstellen und vor allem auch alle überraschen kann. Talenteförderung gehört auch zu seinen Stärken. Thalhammer war in den letzten neun Jahren auch eine Zeit lang Leiter des Nationalen Zentrums für Frauenfußball in St. Pölten und sportlicher Leiter der Trainerausbildung des österreichischen Fußballbundes. Jetzt ist noch die Frage des Thalhammer-Nachfolgers im ÖFB offen. Mit Irene Fuhrmann gibt es aber bereits eine mögliche Kandidatin.

Der Abgang Thalhammers kam für viele aber überraschend – auch für das Nationalteam. „Wir wussten nichts und haben es auch erst über das Internet erfahren – schade. Natürlich waren wir als Team überrascht und hätten es gerne persönlich vom Trainer erfahren. Nach so langer Zeit, die man zusammen gearbeitet hat, kann man schon verlangen, dass man es persönlich erfährt. Sportlich gesehen kann man seinen Schritt durchaus verstehen und ich wünsche ihm nur das Beste“, sagt etwa ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger gegenüber 12teFrau.