Mit dem 4:2-Sieg gegen Belgien konnte sich das U17-Frauen-Nationalteam zum zweiten Mal für eine EM-Endrunde qualifizieren. Ein Riesenerfolg für das Team um Markus Hackl. Mit uns hat der U17-Teamchef über die Erwartungshaltungen und die Ziele bei der Endrunde, seine Laufbahn und die Nachwuchsarbeit in Österreich gesprochen. 


Herr Hackl, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit uns nehmen. Das U17-Nationalteam hat nach dem 4:2-Sieg gegen Belgien die Qualifikation zur EM-Endrunde 2019 in Bulgarien geschafft. Wie groß war die Freude nach diesem Erfolg?

Riesig. Wir haben ein Jahr auf dieses Ziel hingearbeitet und irrsinnig viel Energie in dieses Projekt gesteckt. Zusätzlich war dann noch der Spielverlauf im letzten und entscheidenden Spiel gegen Belgien etwas ganz Spezielles. Nach 0:2 Rückstand noch zurückzukommen und in der Nachspielzeit das entscheidende Tor zu machen, ist schon was ganz Besonderes.

In beiden Qualifikationsrunden konnte die Mannschaft in sechs Spielen 16 Punkte erspielen mit einer Tordifferenz von 20:3. Wie würden Sie die Qualifikation allgemein zusammenfassen?

In der ersten Runde haben wir gegen drei defensiv eingestellte Teams unsere Hausaufgaben erledigt, die Gegner durchwegs dominiert und kein Tor bekommen. Bei der Eliterunde war im Vorhinein klar, dass die Spiele gegen Finnland und Belgien sehr eng werden. Ich denke, dass wir uns schlussendlich verdient durchgesetzt haben.

Wie laufen die Vorbereitungen für die Europameisterschaft?

Aktuell sind wir gerade dabei, Videomaterial von den drei Gruppengegnern zu organisieren. Danach werden wir die Teams analysieren und die passenden Matchpläne entwickeln. Die unmittelbare Vorbereitung mit den Spielerinnen wird am 29. April beginnen. Am 3. Mai geht’s dann ab nach Bulgarien.

Wie hoch stufen Sie die Qualifikation zur Endrunde ein?

Wir sind unter den besten acht Nationen in Europa. Das ist für Österreich mit unserer geringen Anzahl an aktiven Fußballerinnen eine riesige Leistung.

Österreich gehört jetzt ja zu den acht besten europäischen U17-Mannschaften. Die Auslosung für die Endrunde ergab für das Nationalteam die Gegner Deutschland, England und Niederlande. Auf dem Papier klingt die Gruppe B alles andere als einfach. Wie würden Sie die Auslosung einstufen?

Grundsätzlich gibt es bei einer Endrunde keine leichten Gegner. Aber man kann schon sagen, dass wir in eine sehr starke Gruppe, mit drei europäischen Topteams, gelost wurden. Mein Team hat aber auch das Potential jeden in unserer Gruppe zu ärgern. Die Spielerinnen haben nichts zu verlieren und werden sich in jedem Spiel neu beweisen können. Wir werden hart daran arbeiten, um Überraschungen liefern zu können.

Nach der Europameisterschaft 2017 war der Frauenfußball in aller Munde, ein Hype um das Nationalteam entstand. Wie hat sich der Fußball in den zwei Jahren entwickelt und wie hat sich die Nachwuchsarbeit verändert?

Das Medieninteresse hat sicher zugenommen, was dazu führt das mehr Mädchen Fußballspielen wollen. Es gibt auch einige Projekte des ÖFB und der Landesverbände, welche die Breite stärken sollen. Bis sich das jedoch auf die Anzahl der Spielerinnen für die Nationalteams auswirkt, werden noch einige Jahre vergehen.

Wie hat sich der ÖFB in der Jugendarbeit und im Frauenfußball allgemein weiterentwickelt?

Für uns ist es sehr wichtig, dass möglichst viele talentierte Mädchen in die Landesverband-Ausbildungs-Zentren (LAZ) gehen und dort mit den besten Burschen trainieren. Diese gute Grundausbildung ist die Basis für unsere Arbeit im Nationalen Zentrum für Frauenfußball und in den Nationalteams. Das Niveau hat sich sicher in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Die Mädchen kommen aus verschiedensten Ecken in Österreich und spielen bei verschiedensten Vereinen. Kann man sagen, dass sich die Leistungsdichte bei den österreichischen Vereinen klar verbessert hat?

Es zeigt auf jeden Fall, dass der Sichtungsprozess für die Nationalteams gut funktioniert. Durch das Nachrücken vieler guter junger Spielerinnen in die Frauen-Bundesligen hat sich auch hier die Qualität verbessert.

Welche Ziele bzw. Hoffnungen haben Sie für Endrunde im Mai?

Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, es zu gewinnen. Dass jedoch die Trauben bei der EM hoch hängen, ist im Vorhinein klar. Ich hoffe, dass wir in unseren Spielen zeigen, warum wir uns für die Endrunde qualifiziert haben.

Wie war Ihr Werdegang und wie sind Sie eigentlich zum Frauenfußball gekommen?

Nach dem Abschluss meines Sportwissenschaft Studiums habe ich 2009 begonnen bei Rapid Wien im Nachwuchs zu arbeiten und betreute dann auch einige Jahre Männerteams im Amateurbereich. Zum Frauenfußball bin ich 2013 eher zufällig gekommen, als ich von einer freien Stelle als Trainer im Nationalen Zentrum für Frauenfußball gehört habe und mich sofort dafür beworben habe. Kurz darauf war ich auch beim Frauen U17-Team für 2,5 Jahre Co-Trainer von Dominik Thalhammer. Als dieser in die Trainerausbildung wechselte, bekam ich die Möglichkeit, den Teamchefposten zu übernehmen.

Was sind Ihre persönlichen und beruflichen Ziele?

Das größte unmittelbare Ziel ist mit Sicherheit der positive Abschluss der UEFA-Pro-Lizenz Ausbildung im kommenden Oktober. Ansonsten macht die Arbeit mit den talentiertesten Spielerinnen Österreichs großen Spaß und ich hoffe noch auf einige weitere EM-Endrundenteilnahmen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die EM-Endrunde!

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