Die Diskriminierungs- und Sexismusdebatte von Frauen im Fußball ist längst auch in Österreich angekommen. Spätestens seit bei Rapid der nach Sexismus schreiende Banner auf den wegen Corona leeren Rängen zu sehen war. Auch nach der Aufregung rund ums Banner werden immer mehr Stimmen gegen Frauenfeindlichkeit im Fußball laut. Doch hat der Fußball ein größeres Seximusproblem als gedacht? Wir haben dazu auch Stimmen von den SKN St. Pölten Frauen.


Gleiche Bezahlung für Männer und Frauen? Was schon in der normalen Welt nach Wunschkonzert klingt, ist im Sport noch viel absurder. Erst jüngst hatten die höchst erfolgreichen US-Fußballerinnen ihren eigenen Verband USSF wegen Diskriminierung und ungleicher Bezahlung verklagt. Und schon waren sie zum wiederholten Male gescheitert. Das Urteil fällte ein Richter – keine Richterin. Zwischenzeitlich rechtfertigte der amerikanische Fußballverband das Lohngefälle unter anderem mit der irrwitzigen Behauptung, dass von Frauen weniger Leistung gefordert werde. Glaubt das wirklich jemand?

Sexy und erfolgreich – echt jetzt?

Dass dem so ist, kann auch die deutsche Bild-Zeitung unterschreiben. Nach dem ersten Spiel der deutschen Fußballerinnen gegen China während der WM 2019 in Frankreich titelte das Boulevardblättchen nach einem mehr als verdienten Sieg über die deutschen Fußballfrauen „Hässlicher Auftakt-Sieg unserer Hübschesten“. Man muss schon einen Ball vor dem Kopf haben, wenn man diese Headline angemessen findet und glaubt, sie hätte mit Sport noch irgendetwas zu tun. Andere Medien positionierten sich, indem sie fragten: „Wer sind die heißesten Spielerinnen?“, gepaart wurde das Ganze durch eine nette Alliteration – sexy und siegeshungrig. Impliziert wird in beiden Fällen, dass Erfolg mit Schönheit gleichgesetzt wird. Je sexier, desto siegeshungriger. Je eloquenter, desto erfolgreicher. Ja, Alliterationen können wir auch! Wir wissen aber auch, dass herausragende Leistungen und Erfolg nichts mit dem Aussehen zu tun hat. 

Lichtblicke

Die gute Nachricht: Es geht aufwärts! In den letzten Jahren hat sich trotz vieler Negativ-Schlagzeilen einiges getan. So erkämpften nicht nur die australischen Fußballfrauen ein gleiches Gehalt für Frauen und Männer – zumindest was die Einnahmen aus Werbeeinnahmen und Prämien des Verbandes angeht. Dass die Männer (derzeit auf Weltranglistenplatz 42) unterm Strich trotzdem weit mehr verdienen dürften, zeigt jedoch, dass dieser Kampf noch lange nicht durchgefochten ist (Anm. die Frauen sind derzeit auf Weltranglistenplatz 7). 

FairPlay – eine Initiative für mehr Gleichheit

Ein weiterer Lichtblick made in Austria ist die bereits 1997 gegründete Initative FairPlay, die sich für mehr Gleichheit im Fußball einsetzt. Das inkludiert neben Abbau von Rassismus, Diskriminierung und Vorurteilen natürlich auch den Einsatz für mehr Gleichheit von Frauen im Fußball. Der ÖFB und die österreichische Bundesliga setzen sich gemeinsam mit der Initiative Fairplay dafür ein, dass Frauen im Fußball sichtbarer werden und ihnen ebenfalls die entsprechenden Förderungen zukommen. Jährlich stattfindende Aktionswochen sorgen nicht nur in Österreich für viel Aussehen, sondern haben auch international mittlerweile Vorbildcharakter. 

Unterhalb: Statement von den SKN St. Pölten Frauen

Wir haben auch bei SKN St Pölten Fraue-Sektionsleiterin Katharina Ehart und Präsident Wilfried Schmaus nachgefragt. Wie hat sich der Frauenfußball zuletzt entwickelt?

Die Wertschätzung und Anerkennung des Frauenfußballs ist in den letzten Jahren auf jeden Fall gestiegen. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Das Publikum allgemein im Frauenfußball national und international ist aus unserer Sicht im Vergleich zum Publikum des Männerfußballs wesentlich friedfertiger und familiärer“, so Ehart und Schmaus gegenüber 12teFrau.

„Alle, die sich für Frauenfußball interessieren, tun dies, weil sie guten und fairen Fußball sehen wollen, zumindest bei den Fans der SKN Frauen ist es so. Daher haben wir im Verein direkt wenige Berührungspunkte mit Diskriminierung. Aber wie man an Hand des Banners der Rapid-Fans und anderen negativen Beispielen sieht, gibt es diese Diskriminierung sehr wohl. Und daher gilt es gemeinsam mit aller Kraft gegen jegliche Diskriminierung gegenzusteuern“, fordert der SKN St Pölten Frauen-Präsident. Ein wichtiger Punkt sind auch jährliche Aktionswochen, auf die nicht oft genug hingewiesen werden kann. Ehart und Schmaus dazu:

„Jedes Jahr werden Aktionswochen gegen Diskriminierung, gegen Rassismus und für Fairplay im Fußball gestartet. Diese unterstützen wir mit unseren Spielerinnen und Fans jedes Jahr aus Überzeugung.
Wir sind stolz auf unsere Vielfalt und leben diese mit vielen verschiedenen Herkunftsländern, Sprachen, Kulturen und Generationen, jeden Tag im Vereinsalltag.“

Photo Credits: Tom Seiss