Seit Oktober 2017 ist Franco Foda nun bereits Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft und somit Nachfolger von Marcel Koller, der von 2011 – 2017 sechs Jahre lang die Eliteauswahl der heimischen Kicker betreuen durfte. Während Marcel Koller bis zur Europameisterschaft 2016 von Kritik der Fans beinahe ausgenommen war, herrscht Foda gegenüber, zumeist ob der gezeigten Leistungen, seit Beginn eine eher kritische Stimmung. Dennoch ist Foda bislang punktetechnisch gesehen der erfolgreichste Teamchef der Österreicher, ganze drei Siege kamen in der letzten Woche gegen Griechenland, Nordirland und Rumänien dazu. Doch warum ist Foda dennoch bei vielen Fans so unbeliebt? Wir haben uns die Leistungen der beiden letzten Teamchefs mal genauer angeschaut.


Als Teamchef der österreichischen Equipe holte France Foda bislang 2,07 Punkte im Schnitt pro Partie. Nur Hugo Meisl (zwei Spiele im Zeitraum von 1913 – 1914 / Punkteschnitt 2,0) sowie Willi Ruttensteiner (zwei Spiele im Zeitraum von September 2011 bis Oktober 2011 / Punkteschnitt 2,0) waren im Vergleich zu Foda seit Bestehen des ÖFB annähernd erfolgreich dies jedoch über einen deutlich kürzeren Zeitraum. Marcel Koller erreichte im Vergleich in seiner Amtsperiode in 54 Spielen 1,63 Punkte im Schnitt.

Divergierender Spielstil

Insofern interessant, dass Foda unter heimischen Fußballfans dermaßen kritisch beäugt wird. Immer wieder wird auf den Fußball unter Koller verwiesen, schöner anzusehen sei dieser gewesen, erfolgreicher, zielorientierter. Der Fan hatte das Gefühl, dass die heimische Elf auch gegen große Teams bestehen konnte, obwohl unter Koller kein Top-10-Team besiegt werden konnte. Dieses Gefühl scheint bei Foda nicht mehr zu existieren, dem derzeitigen Trainer wird seine vorsichtige Spielweise immer wieder vorgeworfen. Dank der Ära Koller ist der heimische Fußballfan definitiv frecher geworden und fordert seitdem neben Siegen auch Spielwitz ein – eine Kombination, die von Seiten des ÖFB seit Jahren nicht wirklich repräsentiert wurde. 

Die Doppelsechs rund um Julian Baumgartlinger und Stefan Ilsanker oder zumindest die zumeist sechs bis sieben defensiv orientierten Spieler finden sich beinahe in jeder Aufstellung. Sei es gegen die Fußballgroßmacht aus Lettland bzw. Nordirland oder erst recht gegen Deutschland. Auch ein fehlendes Spielsystem wird Foda angelastet – stand der Fußball von Marcel Koller für offensives Pressing, so fällt bei Länderspielen von Franco Foda auf, dass das Pressing zwar nach wie vor – ab und an – praktiziert wird, jedoch nicht mehr in einer derartigen Intensität, wie dies unter dem Schweizer Koller der Fall war. Der Fokus liegt bei Foda eher auf einer stabilen Defensive, ein schnelles Umschaltspiel wird präferiert, sei es gegen stärkere, gleich starke oder auch schwächere Gegner. Der Spielwitz, der unter Koller häufig aufgeblitzt ist, ist unter Foda viel zu selten zu sehen. Dennoch gewann das Team unter dem Deutschen zahlreiche Spiele, auch wenn man dabei spielerisch nur selten glänzen konnte. Ein Fakt, der heimische Fußballfans des Öfteren zur Verzweiflung bringt, ist das oft sehr passive Verhalten des Teams nach einer erzielten Führung. Nur selten hat man als Unterstützer der heimischen Equipe das Gefühl, dass Österreich nach erfolgreicher Führung ein weiteres Tor erzielen darf/kann. Zuletzt war dies im Spiel gegen Nordirland augenscheinlich der Fall, als das Offensiv-Spiel nach dem Treffer zum 1:0 faktisch eingestellt wurde.

Foda hat den breiteren und qualitativ besseren Kader

Musste Koller das wenig dankbare Erbe von Constantini und der “Geht’s raus und spülts euer Spül”-Zeit (nicht nur auf Constantini bezogen) übernehmen, so konnte Foda auf die durchaus erfolgreiche Arbeit von Koller aufbauen und übernahm einen Kader mit zahlreichen gestandenen Teamkickern, die quer über den europäischen Kontinenten bei durchaus namhaften Vereinen unter Vertrag standen. Zudem kann Foda mittlerweile auf einen deutlich bereiteren Kader zurückgreifen, als dies noch unter seinem Vorgänger der Fall war. Hießen unter Koller – bei allem Respekt – Kaderspieler noch Manuel Weber, Patrick Bürger, Florian Mader oder Yasin Pehlivan, so hat Franco Foda mit Xaver Schlager, Konrad Laimer, Sasa Kalajdzic, Christoph Baumgartner und wie sie alle heißen deutlich mehr Qualität in der Hinterhand. Dennoch ist von dem einst so gepflegten Spiel des heimischen Teams wenig bis gar nichts mehr zu sehen, obwohl die Qualität der Spieler deutlich über jene zu stellen ist, die Marcel Koller unter seinen Fittichen hatte. Als kleines Beispiel – ob der Corona-Pandemie und mehreren anderen Verletzungen musste Foda im letzten Länderspiel-Triple auf zahlreiche wichtige Akteure verzichten. Dennoch konnten alle drei Partien gewonnen werden. Nach dem Spiel gegen Griechenland standen gegen die Nordiren sogar sechs neue Spieler am Feld.

Der Vergleich der Trainer bei Bewerbspielen

In 27 Länderspielen unter der Leitung von Franco Foda hat das Team im Schnitt 1,63 Treffer erzielt und lediglich 0,85 Gegentreffer erhalten – unter Marcel Koller gelangen 1,5 Treffer pro Partie, 1,07 Gegentreffer musste die Elf unter dem Schweizer im Schnitt hinnehmen. Einigermaßen vergleichbare Werte also, doch Foda hat gegenüber dem Schweizer somit nicht nur in punktetechnischer Hinsicht die Nase vorne.

Riskiert man einen zweiten Blick auf die Ergebnisse unter den beiden letzten Teamchefs, so erkennt man, dass Foda seinen Punkteschnitt unter anderem durch erfolgreiche Freundschaftsspiele in die Höhe getrieben hat. Neun Freundschaftsspiele fanden unter der Ägide des Deutschen statt, satte 21 Punkte konnte die ÖFB-Elf dabei einfahren. Macht im Schnitt 2,33 Punkte pro Partie (sieben Siege, zwei Niederlagen). Darunter unter anderem auch ein Sieg gegen Deutschland, wenn auch bei widrigen Bedingungen. Dem gegenüber stehen 18 Bewerbspiele, die Foda bislang als Coach dirigierte – dabei gelangen elf Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Im Schnitt erreichte Foda in diesen Spielen somit 1,94 Punkte.

Unter Trainer Marcel Koller bestritt die heimische Elf insgesamt 21 Freundschaftsspiele, holte dabei lediglich 29 Punkte, im Schnitt somit 1,28 Punkte pro Partie. Ein deutlicher Unterschied im Vergleich zu den Leistungen unter Foda. Nimmt man nun die Bewerbspiele zur Hand, so schneidet mittlerweile auch dort Foda besser ab als Marcel Koller. 33 Pflichtspiele absolvierte die heimische Auswahl unter Marcel Koller, dabei gelangen 61 Punkte, im Schnitt somit 1,85 Punkte pro Partie. 

Reüssierend kann konstatiert werden, dass der Fußball unter der Leitung von Foda zwar vielleicht für den Fan im Vergleich zur Spielweise unter Marcel Koller wenig Attraktivität zu bieten hat, der Erfolg dem derzeitigen Trainer aber durchaus mehr als recht gibt. Auch wenn der hohe Punkteschnitt mitunter durch erfolgreiche Freundschaftsspiele gekennzeichnet ist – doch keiner hat Koller verboten, Freundschaftsspiele zu gewinnen.