Für das eigene Land zu spielen, ist für viele Fußballer ein Karrierehöhepunkt. In manchen Fällen ist es jedoch nicht so eindeutig, welches Wappen das Teamtrikot ziert. Wir stellen euch sechs österreichische Kicker vor, die auch für ein anderes Nationalteam hätten auflaufen können.


Bernd Krauss

Nur den wenigsten Fußballfans dürfte Bernd Krauss noch ein Begriff sein. Der defensive Mittelfeldspieler wechselte 1977 von Borussia Dortmund an die Donau zum SK Rapid Wien. Mit den Hütteldorfern holte Krauss zweimal die österreichische Meisterschaft und einmal den Cupsieg. Die Qualitäten des gebürtigen Dortmunders blieben auch dem ÖFB nicht verborgen und so wurde der Mittelfeld-Akteur kurzer Hand eingebürgert. 22 Länderspiele bestritt der heute 63-Jährige für Österreich. Wie es das Schicksal so wollte, gab der spätere Admira-Trainer sein Debüt ausgerechnet gegen Deutschland, in dem er um die Kuriosität perfekt zu machen, ein Eigentor verschuldete.

Ivica Vastic

Deutlich glücklicher ging die Einbürgerung von Ivica Vastic über die Bühne. Der gebürtige Kroate erhielt 1995 die österreichische Staatsbürgerschaft und sorgte folglich für so manche Sternstunde in rot-weiß-rot. Bei der Weltmeisterschaft 1998 wurde Vastic mit seinem Last-Minute-Tor gegen Chile zum Publikumsliebling. Zehn Jahre nach der WM in Frankreich war es abermals Vastic, der mit einem Tor in der Nachspielzeit gegen Polen Österreichs ersten Treffer bei einer EM-Endrunde erzielen konnte. Der platziert-geschossene Elfmeter war schließlich die letzte Ballberührung des heute 50 Jährigen im ÖFB-Team. Am Ende seiner Teamkarriere stehen 50 Länderspiele und 14 Tore auf der Habenseite des Fanlieblings.

Moritz Bauer

Vielversprechend begann auch das Kapitel Moritz Bauer beim ÖFB. Der Sohn eines Österreichers und einer Schweizerin wurde 2017 von Ex-Teamchef Marcel Koller nach Österreich gelockt. Zuvor hatte der Rechtsverteidiger diverse Schweizer Nachwuchsnationalteams durchlaufen. Die Zahlen sprechen zudem für Bauer, fünf seiner sechs Länderspiele in rot-weiß-rot wurden gewonnen, nur bei seinem Debüt gegen Georgien gab es keinen Sieg zu bejubeln. Derzeit ist Bauer kein Thema für das österreichische Nationalteam, mit Wechsel-Pech steht er derzeit nicht einmal mehr auf der Abrufliste. Mit guten Leistungen könnte der Außenverteidiger sein eigenes Kapitel aber wieder aufschlagen.

Goran Kartalija

Ebenfalls für Österreich auflaufen, durfte trotz anderen Geburtsortes Goran Kartalija. Der aus Kljajicevo stammende Libero trug viermal das Trikot der österreichischen Nationalmannschaft. Unter dem damaligen Teamchef Herbert Prohaska war Kartalija auch Teil jener österreichischen Mannschaft, die es als bisher letzte schaffte sich für eine Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Beim 2:1-Heimsieg über Lettland hielt der gebürtige Jugoslawe (heute Serbien) die heimische Hintermannschaft zusammen. Für einen Platz im WM-Kader von 1998 reichte es am Ende jedoch nicht. Nach seiner Karriere wurde der Verteidiger Trainer in Österreichs unteren Ligen. Nach Engagements beim FC Wels und Feldkirche hatte der mittlerweile 54-Jährige nun in Steyreeg angeheuert.

Tomislav Kocijan

Nur wenige Jahre nach Kartalija wurde Tomislav Kocijan in die österreichische Nationalmannschaft einberufen und folgte dem Klagen nach offensive Kreativität. Kocijan, der ursprünglich aus Varaždin (Kroatien) stammt, durfte sich erstmals am 1. September 2000 das rot-weiß-rote Trikot überstreifen. Dabei glückte das Debüt prompt, beim 5:1-Erfolg der Österreicher über den Iran trug sich der viermalige österreichische Meister in die Torschützenliste ein. Drei weiter Auftritte im Nationalteam brachten jedoch kein Erfolgserlebnis mehr ein und so fand Kocijans Teamkarriere nach vier Länderspielen ein schnelles Ende. Der Ruf nach offensive Kreativität ist noch immer nicht verhallt.

Zeljko Vukovic

Das wohl kurioseste Debüt in Österreichs Nationalmannschaft erlebte Zeljko Vukovic. Mit 39,5 Jahren fand sich der, in der kroatischen Kleinstadt Dvor geborene, Libero plötzlich im entscheidenden Gruppenspiel, um die WM 2002 in der österreichischen Startelf wieder. Neun Stammspieler hatten Teamchef Otto Baric zuvor wegen Terrorangst abgesagt. Sei es wie es sei, Vukovic erlebte aus nächster Andreas Herzogs Last-Minute-Freistoßtor, der Österreich ins Playoff um die Endrunde brachte. Auch die zwei Niederlagen gegen die Türkei durfte Vukovic, der zehn Jahre zuvor bereits für die kroatische Nationalmannschaft auflief, im Trikot der ÖFB-Elf erleben. Danach wurde das Kapitel Nationalteam

Aktuelle Lage

Aufmerksamen Beobachtern des österreichischen Fußballs dürfte nicht entgangen sein, dass diese Liste länger sein könnte. Unter anderen hätten Steffen Hoffmann und Jonatan Soriano  für Österreichs Nationalteam auflaufen sollen. Dass aus all diesen Projekten nichts wurde, liegt an einer Gesetzesänderung. Just nach Vastic´ Triumph in Frankreich hat sich die Rechtslage für Sportler, die in Österreich die Staatsbürgerschaft erlangen wollen, stark verändert: Die Ausnahmegenehmigung, nach der Sportler in einem behördlichen Schnellverfahren eingebürgert werden konnten, gibt es seit 1998 nicht mehr. Eingebürgert, aber ohne Einsatz für die Nationalmannschaft, wurden Aldo Duscher und Thomas Gebauer.