Der Countdown für den Start der ADMIRAL Frauen Bundesliga der Saison 2023/2024 läuft. 12teFrau hat dazu von jedem teilnehmenden Verein eine Spielerin zum Gespräch gebeten. Heute an der Reihe, Sabrina Horvat, die ehemalige Deutschland-Legionärin im Diensten der SPG SCR Altach / FFC Vorderland.

12teFrau: Die Saison 2022/2023 konntet ihr mit dem hervorragenden 3. Tabellenplatz abschließen. Insgesamt zufrieden mit dieser Platzierung und generell der abgelaufenen Saison?

Sabrina Horvat: Absolut, letzte Saison war schlichtweg überragend. Wir waren am Ende der Saison punktgleich mit Sturm Graz und standen im Pokalfinale. Hätte uns das jemand am Anfang der Saison gesagt, hätten wir es direkt unterschrieben.

12teFrau: Ihr habt dem SKN St. Pölten nach unglaublichen 79 ungeschlagenen Bundesligaspielen in der 16. Runde als erste Mannschaft wieder eine Niederlage zugefügt. Das absolute Highlight der Saison?

Sabrina Horvat: Um ehrlich zu sein gab es einige Highlights letzte Saison, jedoch St. Pölten die erste Niederlage nach so langer Zeit zuzufügen war einfach unglaublich. Wir waren im Hinspiel in unserem Schnabelholz schon sehr nah an einem Punktgewinn dran, ein Sieg war natürlich nochmal viel bedeutender für uns und auch ein Beweis dafür, welches Potenzial in uns steckt.

12teFrau: Nun wisst ihr ja wie es geht. Kommt in dieser Saison der große Angriff auf den Meistertitel? Welche Ziele hast du dir persönlich gesteckt, welche der Verein?

Sabrina Horvat: Nein, ich denke wir alle sind realistisch genug, um zu wissen, dass St.Pölten nach wie vor eine große Macht in unserer Liga ist. Zudem wissen wir, dass letzte Saison sehr vieles richtig lief und das ein oder andere knappe Spiel vielleicht auch mal zu unseren Gunsten gekippt ist. Persönlich will ich als Verteidigerin in erster Linie natürlich für Stabilität in der Defensive sorgen und gleichzeitig auch Verantwortung übernehmen. Als Verein wollen wir die letzte Saison sicherlich bestätigen. Dass dies aber kein Selbstläufer wird, ist allen Verantwortlichen bewusst.

12teFrau: In eurer Mannschaft tummeln sich viele Vorarlbergerinnen. Es gibt kaum Abgänge, der Stamm bleibt (ist) seit Jahren unverändert. Es werden gezielt punktuelle Verstärkungen geholt. Ein Erfolgsrezept wie man sieht. Was macht euch als Mannschaft noch so stark?

Sabrina Horvat: Ich denke es gibt einige Faktoren, was uns als Mannschaft auszeichnet bzw. stark macht. Die meisten Mädels (wie auch ich) kommen aus dem “Ländle” und spüren somit natürlich auch eine extreme Verbundenheit zum Verein. Genauso ist es natürlich sehr wichtig, dass der Großteil der Mannschaft immer gleichbleibt, denn ein Umbruch braucht immer seine Zeit. Des Weiteren haben wir meiner Meinung nach einen guten Mix zwischen den jungen Wilden und den erfahrenen Spielerinnen.

12teFrau: Wo siehst du innerhalb des Mannschaftgefüges den größten Verbesserungsbedarf?

Sabrina Horvat: Wenn es in dem Bezug überhaupt Verbesserungsbedarf gäbe, dann vielleicht, dass unsere jungen Spielerinnen noch mehr kommunizieren dürften und auf dem Platz auch etwas lauter sein könnten. Wobei ich auch hier sage, dass dies schon viel besser ist und unser Teamspirit im Allgemeinen sehr gut ist.  

12teFrau: Du bist im Sommer 2012 mit 15 Jahren relativ jung ins Ausland gewechselt und erst vergangenen Sommer zurück in deine Heimat gekommen. Welche Station war dabei die prägendste?

Sabrina Horvat: Wenn ich alles im Gesamtpaket betrachte, dann war es die Zeit beim FC Basel, denn da bin ich von Zuhause ausgezogen und war dann praktisch mit 18 Jahren völlig auf mich alleine gestellt. Es war aber mitunter sicherlich eine sehr positive Erfahrung, da man einfach in jungen Jahren schon extrem selbständig wird.

12teFrau: In Deutschland bei Werder Bremen und dem 1. FC Köln hast du in einer der besten Frauenligen der Welt gespielt. Wie siehst du aus diesem Blickwinkel das Niveau und die Entwicklung der Österreichischen Bundesliga?

Sabrina Horvat: Natürlich ist das fußballerische Niveau in Deutschland besser, jedoch darf man auch nicht vergessen, dass beispielsweise die Infrastruktur in den meisten Vereinen deutlich besser ist. Außerdem ist beinahe jede Spielerin in Deutschland professionell angestellt, das heißt im Normalfall arbeitet fast niemand 100 % nebenbei. Trotzdem muss man sagen, dass die Entwicklung in Österreich in den letzten Jahren extrem positiv war. Wenn ich z.B. direkt unseren Verein als Beispiel nehmen darf, ist es wirklich wahnsinnig, was da in den letzten Jahren passiert ist. Wir spielen im gleichen Stadion wie die Männer und haben sehr professionelle Gegebenheiten vor Ort.

12teFrau: Dr. Tim Nebelung betreut dich mit seiner Agentur „11friends“. Ist es im Frauenfußball mittlerweile unerlässlich ein solches Management an seiner Seite zu haben?

Sabrina Horvat: Ich glaube schon, denn eine Agentur erleichtert einfach vieles und man hat zu jeder Zeit Unterstützung bzw. ein Ratgeber an seiner Seite.

12teFrau: Wie bereits erwähnt bist du erst im vergangenen Sommer zur SPG und damit nach Österreich zurückgekehrt. Wäre ein nochmaliger Auslandstransfer vorstellbar? Oder willst du hier endgültig Wurzeln schlagen?

Sabrina Horvat: Ich habe vor einem Jahr bewusst die Entscheidung getroffen, wieder in meine Heimat zurückzukehren und dies auch nicht für einen kurzen Zwischenstopp, sondern endgültig. Ein Grund dafür ist, dass für mich das Konzept bei der SPG SCR Altach/FFC Vorderland sehr reizend war und ich auch noch nie in der österreichischen Liga gespielt habe. Der andere Hauptfaktor war meine Familie. Jeder der mich kennt weiß, wie heimatverbunden ich bin. Dass nun meine Familie bei jedem Heimspiel dabei sein kann, ist für mich schon das Größte.

12teFrau: Beim Frauen-Nationalteam steht der Name Sabrina Horvat regelmäßig auf der Abrufliste. Dein bisher einziges Match im Teamtrikot (04.03.2019 gegen die Slowakei) verlief unglücklich. Nach 30 Spielminuten folgte die verletzungsbedingte Auswechslung. Wie viel fehlt momentan auf einen weiteren Einsatz?

Sabrina Horvat: Das kann ich nur schwer beurteilen. Für mich ist es einfach wichtig, dass ich bei meinem Verein tagtäglich mein Bestes gebe und meiner Mannschaft weiterhelfen kann. Nur durch gute Leistungen im Verein kann ich mich auch für die Nationalmannschaft empfehlen.

12teFrau: Abseits vom Fußball. Welche Hobbys verfolgts du in deiner Freizeit? Wie entspannst du nach einer harten Trainingswoche inkl. Match?

Sabrina Horvat: Nach den Spielen erhole ich mich gerne im Mineralheilbad in St. Margrethen. Ansonsten verbringe ich meine freie Zeit einfach am liebsten mit meinen Freunden und meiner Familie.