4. Platz - FC Admira Wacker

Eine durchwegs erfreuliche Zwischenbilanz darf die Admira ziehen. Die Niederösterreicher befinden sich durchaus überraschend aber sicher nicht unverdient zur Winterpause auf Rang vier der Bundesliga. Somit ist man in der Südstadt mitten im Kampf um den Europacup, den man zuletzt im Herbst 2016 im BSFZ Maria Enzersdorf erleben konnte, dabei.

Die Causa Monschein

Im Vorfeld der Saison musste man bei der Admira in Form von Christoph Monschein den Topstürmer der vergangenen Saison wenige Kilometer weiter zur Wiener Austria ziehen lassen. Man erinnert sich, dem Wechsel ging ein durchaus kompliziertes Hick-Hack voraus, bei dem die Admira der Austria vorwarf, den 24-Jährigen zum Vertragsbruch gedrängt zu haben. Schlussendlich konnten sich die beiden Vereine doch noch außergerichtlich einigen, bevor der Bundesliga-Senat 2 sich mit dem Fall beschäftigen sollte. Monschein wechselte um kolportierte 600.000 Euro nach Favoriten und die Admira verlor den Mann, der in der Vorsaison noch für 16 Tore verantwortlich waren. Zudem verließen unter anderem Eldis Bajrami, Srdjan Spiridonovic, Toni Vastic und Patrick Wessely das Boot. Vor allem mit dem Abgang von Bajrami zum Niederösterreich-Rivalen SKN St. Pölten ging ein weiterer Stammspieler verloren.

Neu zum Team stieß der junge kroatische Stürmer Marin Jakolis, der bisher drei Tore erzielen konnte und sich bislang mit fünf Assists als Top-Vorbereiter in den eigenen Reihen beweisen sollte. Ebenfalls neu war Linksverteidiger Marcel Holzmann, der um den Platz in der Startelf gegen Interims-Kapitän Thomas Ebner aber zumeist das Nachsehen hat. Apropos Kapitän, der verletzte Stamm-Kapitän Daniel Toth hat seinen Vertrag erst vor wenigen Tagen bis 2019 verlängert. Die übrigen Sommer-Neuzugänge waren der teilweise beim FC Barcelona ausgebildete Macky Bagnack, der allerdings noch keine Rolle spielt, und einige aus der zweiten Mannschaft hochgezogene Eigenbauspieler. Da konnte vor allem Sasa Kalajdzic überzeugen. Dem 20-jährigen Stürmer gelangen in zwölf Spielen ein Tor und vier Assists, wodruch er im November sogar ins U21-Nationalteam vorstoßen konnte. Auch U19-Nationalspieler Pascal Petlach und der Kapitän von Admira Wacker Mödling II in der Regionalliga Ost, Wilhelm Vorsager, debütierten in der Bundesliga. Letzterer beim Heimsieg (3:1) in der letzten Runde gegen Altach sogar mit Torerfolg.

Ein auf und ab und dann der Kracher

Nach Platz sechs in der Vorsaison und dem Abgang von Top-Stürmer Monschein war man bei der Admira zu Beginn der Saison darauf aus, mit dem Tabellenende nichts zu tun zu haben. Die ersten Runden stellten ein auf und ab mit teils deutlichen Niederlagen (gegen Aufsteiger LASK und Meister Salzburg) sowie souveränen Siegen (gegen Altach und Rapid) dar, ehe nach Spieltag sieben und einem 5:0-Kantersieg in Mattersburg plötzlich der Trainer abhanden kam. Damir Buric zog überraschend aus Niederösterreich ins Frankenland weiter und heuerte beim Schlusslicht der 2. Deutschen Bundesliga, der SpVgg Greuther Fürth an. Von Seiten der Admira zeigt man in Person von Manager Amir Shapourzadeh Verständnis für den überraschenden Wechsel: “Wenn die deutsche Bundesliga ruft, muss man sich als Spieler oder Trainer damit beschäftigen. Wir danken Damir sehr für seine hervorragende Arbeit und wünschen ihm viel Erfolg in Fürth.” Ein Nachfolger war schnell gefunden. Sportdirektor Ernst Baumeister übernahm das Traineramt vorerst für unbestimmte Zeit. Kurz vor Weihnachten wurde dann bekannt gegeben, dass Baumeister einen Vertrag bis Sommer 2019 unterschrieben hat.

Das Admira-Urgestein hat nach dem Abgang von Buric tolle Arbeit geleistet und die Niederösterreicher neben Tabellenführer Sturm Graz zur Überraschung des Herbstes geformt. In 13 Spielen gab es nur drei Niederlagen. Im heimischen Stadion holte man unter Baumeister gar 17 von 21 möglichen Punkten. Unterm Strich bedeutet das Platz zwei in der Heimtabelle hinter Sturm.

Der neue Trainer startete mit vier Punkten aus zwei Spielen in seine neue Tätigkeit, ehe der erste Rückschlag folgte. Das Aus im ÖFB-Cup gegen den Regionalligsten TuS Bad Gleichenberg ist ein wenig der schwarze Fleck auf der Weste der Admira. Das Cup-Aus steckte man zwar mit einem Heimsieg gegen den LASK wett, bevor der Oktober eine kleine Krise bei den “Panthern” einkehren ließ. Nach drei Unentschieden und einer Niederlage in vier Spielen rutschte man auf Rang sechs ab. Der folgende Auswärtssieg bei der Austria gab folglich den Startschuss zu einem gelungenen Herbst-Endspurt mit zwölf Punkten aus den letzten sechs Spielen. Der vierte Tabellenrang war die Belohnung.

Tabellenplatz der Admira (Quelle: bundesliga.at)

35 geschossene Tore beweisen, dass man sich bei der Admira vor allem auf die Offensive verlassen kann. Und hier gibt es einen Namen, der alles überstrahlt. Christoph Knasmüllner zeichnet sich für zwölf Tore verantwortlich und führt damit mit dem Salzburger Munnas Dabbur sogar die Torschützenliste der Bundesliga an. Als Belohnung für die starken Leistungen folge im Herbst auch die erstmalige Einberufung ins österreichische Nationalteam. Neben dem 25-Jährigen konnten sich aber auch noch 13 weitere Spieler in die Torschützenliste eintragen. Ein Beweis dafür, dass man bei der Admira punkto Torgefahr durchaus breit aufgestellt ist, wenngleich hinter Knasmüllner ein kleines Loch ist. Lukas Grozurek und Dominik Starkl waren im Herbst mit jeweils fünf Toren die zweitgefährlichsten Admiraner. Top-Torjäger Knasmüllner war darüber hinaus im Jahr 2017 jener Spieler, der in der Bundesliga die meisten Tore und Assists sammeln konnte.

Das Sorgenkind ist somit ganz eindeutig die Defensive. 34 mal schlug es beim neunfachen Meister bis dato ein. Eigentlich unglaublich, dass man damit auf dem vierten Tabellenplatz überwintern kann. Nur das abgeschlagene Tabellenschlusslicht aus St. Pölten musst noch mehr Gegentreffer (45) hinnehmen.

Auf dem Weg nach Europa?

Auch wenn erst etwas mehr als die Hälfte der Saison absolviert ist. Die Admira wird heuer im Kampf um den Europacup das eine oder andere Wörtchen mitreden. Und das als jüngstes Team der Liga, mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren. Was für die Admira spricht, ist neben der Heimstärke und der eingespielten Mannschaft auch die Tatsache, dass man sicher keinen Druck hat, nach Europa einzuziehen. Das sieht beim Verfolger Austria zum Beispiel ganz anders aus. Die Wiener zeichnen sich auch für den Verlust von Maximilian Sax verantwortlich, der allerdings noch bis zum Sommer in der Südstadt bleibt und erst dann fußballerisch nach Favoriten umzieht. Da mit Red Bull Salzburg, Sturm Graz und Rapid aber noch jene Mannschaften die die Tabelle anführen im Cup vertreten sind, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Cup-Startplatz in die Liga wandert. Somit würde für die Baumeister-Elf sogar ein fünfter Platz für die Europa League-Qualifikation reichen. Und der ist den “Panthern” in jedem Fall zuzutrauen. Vor allem, wenn Christoph Knasmüllner gehalten werden kann und weiterhin quasi nach Belieben trifft.

 

Dieser Teil des Rückblickes wurde von Sebastian Sohm geschrieben!