3. Platz - SK Rapid Wien

Die letzte Saison der Rapidler hatte es in sich – drei verschiedene Trainer, ein Abstiegskampf und die bittere Niederlage im Cup-Finale in Salzburg. Nach der Krisensaison sind die Hütteldorfer damit mit geschrumpften Erwartungen in die zweite Saison im neuen Allianz Stadion gestartet – und wieder sollte es ein Wellenbad der Gefühle werden. Diesmal aber auf höherem Niveau.

Fredy Bickel hat in seiner ersten heiklen Phase als Rapid-Sportdirektor einiges richtig gemacht. Die Entscheidung weiter auf Chefcoach Goran Djuricin stimmte nicht alle Fans der Grün-Weißen zufrieden. Doch anstatt neues Geld in einen vielleicht teureren Trainer zu investieren, hat Bickel die Option Djuricin bevorzugt. Immerhin haben die Rapidler in der letzten Saison mit Mike Büskens, Damir Canadi, kurzzeitig auch Zoran Barisic und Ex-Sportdirektor Andreas Müller einige Personen, die lange nicht mehr im Verein tätig gewesen sind, ausbezahlt. 

Etwas Geld wurde dafür in neue Spieler investiert. So hat Fredy Bickel den jungen Belgier Boli Bolingoli von Club Brügge geholt. Mittlerweile ist der 22-Jährige als linker Außenverteidiger gesetzt und zeigt enormes Potential. Selbiges gilt für Innenverteidiger Lukas Galvao, der aber nur geholt worden ist, weil Maximilian Wöber um eine Rekordsumme an Ajax Amsterdam verkauft worden ist.

Zum Saisonstart sind die leidgeprüften Rapid-Fans aber wiedermal auf die Nervenprobe gestellt worden. Zum Bundesligaauftakt verspielen die Rapidler in der Schlussviertelstunde eine 2:0-Heimführung gegen Mattersburg – trotz Unterzahl eine gefühlte Niederlage. Nach dem souveränen 4:1-Auswärtssieg folgte das denkwürdige Heim-Derby gegen die Austria. Rapid ist den Veilchen spielerisch klar überlegen, führt 2:0, hat viele Chancen aufs 3:0 und bricht in der Schlussviertelstunde plötzlich wieder ein. Die Veilchen holen noch ein 2:2, und die kommenden Wochen werden mehr als nur turbulent. 

Es scheint so, als hätten die Rapidler nach guten Ansätzen und einem klaren Sieg beim SKN St. Pölten plötzlich einen Rückschritt in das enttäuschende und ganz schwache Frühjahr unter Damir Canadi gemacht. Verunsicherung und Unruhe rund um den sportlichen Bereich sorgen für große Probleme. Das Derby wird nach dem Ausgleich durch Raphael Holzhauser unterbrochen, da einige Gegenstände von den Tribünen aufs Feld fliegen. Das Spiel ist zwar fortgesetzt worden, doch medial hat es nur mehr ein Thema gegeben: Die Unterbrechung.

Dementsprechend verunsichert agieren die Rapidler am vierten Spieltag bei der Admira. Nach wenigen Sekunden geraten die Hütteldorfer in Rückstand und wieder sorgt eine Spielunterbrechung bei der 3:1-Niederlage in der Südstadt für Diskussionsstoff. Hinzu kommt noch eine angebliche Spuckattacke von Coach Goran Djuricin und drei rote Karten in vier Bundesliga-Spielen. Mitte August haben viele befürchtet, dass die furchtbare Vorsaison keine Ausnahme war.

Doch die Mannschaft hat sich mental stärker gezeigt – als hätte der kurzzeitige Abstiegskampf im März und April die Mannschaft und den Verein zusammengeschweißt. Rapid besiegt den LASK mit 1:0 – spielt dann jeweils in Altach und Salzburg 2:2, zeigt aber wieder gute Leistungen. Die Folge ist eine unglaubliche Siegesserie.

Tabellenplatz des SK Rapid (Quelle: bundesliga.at)

Goalie Richard Strebinger bleibt sensationelle 520 Minuten ohne Gegentor, die Hütteldorfer bleiben zwölf Spiele ungeschlagen, gewinnen bei der Austria innerhalb von vier Tagen zwei Mal (Bundesliga und Cup) – und spielen plötzlich wieder oben mit. 

Doch im November reißt mit dem Heimspiel die Erfolgsserie – und die Luft ist raus. Zwei eigentlich unglückliche Heimniederlagen gegen Salzburg und Altach, zudem ein Remis beim WAC, wieder ein  vermeidbares 2:2 gegen Mattersburg – und schon sind die Diskussionen wieder da. Bei Rapid geht es eben ganz schnell, diesmal entfachte aber eine Stürmerdiskussion – und das zurecht.

Rapid zeigt unter Djuricin guten Offensivfußball – belohnte sich aber einfach nicht in letzter Zeit. Gegen Altach lassen die Rapidler einige Chancen liegen, auch in den Spielen zuvor haben die Grün-Weißen einige Sitzer vergeben. Der Höhepunkt: Das zweite Heimspiel gegen Mattersburg. Rapid gibt 33 (!) Schüsse aber – und gewinnt nicht. Statt einem klaren und höchstverdienten Sieg, wissen die Rapidler wohl selbst nicht wieso sie erneut 2:2 gegen Mattersburg gespielt haben – und das bereits nach einem 2:0-Rückstand.

Damit könnte wohl ein neuer Stürmer kommen – auch wenn der Abschluss des Jahres 2017 mit einem 5:0-Kantersieg in St. Pölten und dem ersten Treffer von Offensiv-Neuzugang Veton Berisha sehr versöhnlich ausgefallen ist. 

Rapid hat Platz drei abgesichert. Der Vorsprung auf Verfolger Admira beträgt drei Punkte, auf den Erzrivalen Austria Wien sogar acht. Dafür ist der Rückstand aufs Spitzenduo aber beachtlich groß. Auf Winterkönig Sturm Graz fehlen zehn Punkte, auf Salzburg neun Zähler. Wenn man die letzte Saison in Betracht zieht, dann ist der dritte Platz aber zufriedenstellend. Rapid zeigt endlich wieder guten Offensivfußball und vielleicht ist mit einer verbesserten Chancenverwertung ja noch mehr drinnen. Immerhin bekommt Sturm Graz zum Beispiel mit Heiko Vogel einen neuen Trainer, was ja nicht bedeuten muss, dass Sturm so weitermacht wie bisher.

Wichtig ist es aber, dass Rapid weiter auf sich selbst schaut und weiter auf den Offensivfußball zeigt, den der Rekordmeister einfach zeigen muss. Dann ist Platz drei sehr realistisch und die Teilnahme am Europacup fast sicher. Selbiges gilt für den Cup, in dem das Finale wieder in Reichweite ist. Im Viertelfinale trifft Rapid im Frühjahr daheim auf Zweitligist Ried. 

Personell hat Rapid auch die weichen für die Zukunft gestellt. Der im Sommer auslaufende Vertrag mit Philipp Schobesberger, der wohl heißesten Transferaktie der Hütteldorfer, ist im Herbst bis zu 2022 verlängert worden. Falls das Top-Talent Rapid in naher Zukunft verlässt, dann wohl nur um eine sehr hohe Ablösesumme.

Abseits des Platzes hat zum Abschluss der Saison übrigens auch der Block West für eine schöne Aktion gesorgt – die aktive Fanszene der Rapidler hat 75.000 Euro für den guten Zweck gesammelt.